Gewerkschaften betonen in Paderborn ihre Gesprächsbereitschaft
Autozulieferer in der Krise

Paderborn/Lichtenau (WB). Die durch die Transformation von Verbrennungs- zu Elektromotoren ausgelöste Krise bei vielen Autozulieferern ist, sagt DGB-Bundesvorstand Stefan Körzell, so grundlegend, dass die Folgen in lokalen Allianzen von Betrieben, Gewerkschaften, Politik und Wissenschaft gemeinsam angegangen werden müssen.

Samstag, 19.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 19.09.2020, 06:06 Uhr
In seinem Werk in Schwandorf (Bild) fertigt Benteler inzwischen auch Wannen für die Batterien in Elektro-Fahrzeugen. Die IG Metall sieht das als ein gelungenes Beispiel für die Transformation in der Automobil-Zulieferindustrie. Foto: Benteler

Dass einige Unternehmen dem Wandel mit Entlassung begegnen, sei der schlechteste Weg, die Krise zu bewältigen, die durch die Pandemie nur verstärkt worden sei. Körzell, der am Freitag in Paderborn Benteler besucht und sich auch mit Bürgermeister Michael Dreier getroffen hat, sieht dafür gute Chancen, wenn alle Seiten ihren Beitrag zu einer Neuausrichtung leisteten.

Konrad Jablonski, Bevollmächtigter der IG Metall in Paderborn, forderte, dass die Zulieferer intensiver als bisher Alternativprodukte entwickelten, die auch in Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb einsetzbar seien. Als positives Beispiel nannte er die Fertigung von Batteriewannen im Benteler-Werk in Schwandorf. Ein anderes Beispiel könnte das Werk im Lichtenauer Stadtteil Kleinenberg sein: „Wer Kühler produziert, bringt wohl auch gute Voraussetzungen mit, um Kühlsysteme für Batterien in Elektroautos herzustellen.”

Konrad Jablonski (links) ist Bevollmächtigter der IG Metall in Paderborn, Stefan Körzel Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Konrad Jablonski (links) ist Bevollmächtigter der IG Metall in Paderborn, Stefan Körzel Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Noch kein Gespräch mit dem Benteler-Sanierungsvorstand

Grundsätzlich begrüßten beide Gewerkschafter, dass Benteler die Krise bisher ohne großen Arbeitsplatzabbau bewältigt. Zugleich kritisierten sie, dass es noch zu keinem Meinungsaustausch mit dem neuen Sanierungsvorstand des Konzerns, Arno Haselhorst, kommen konnte. Dass die Benteler AG ihren Sitz im österreichischen Salzburg habe und deshalb die IG Metall nicht im Konzern-Aufsichtsrat vertreten sei, dürfe kein Grund sein. Im Aufsichtsrat für die wichtige Benteler GmbH in Deutschland sei die Gewerkschaft sehr wohl vertreten. Trotzdem gebe es noch nicht einmal einen Termin für ein Treffen.

Kritik richteten Körzell und Jablonski an das Management, weil Benteler die Zahl neuer Auszubildenden von früher 80 auf nur noch 14 reduziert habe. Das sei auch ein schlechtes Signal an die Region, für die Benteler nach wie vor ein wichtiger Arbeitgeber sei.

Vor neuen Tarifverhandlungen im Metallsektor

Der Verzicht auf eine sofortige Lohnforderung im Rahmen eines Sondertarifvertrags zu Beginn der Corona-Krise hat sich aus Sicht des IG Metallers bewährt. Nun, da der Sondertarifvertrag aber zum Jahreswechsel auslaufe, müsse in der Tarifkommission auch wieder über Entgelterhöhungen nachgedacht werden. Körzell registrierte nach eigenen Angaben „mit Freude“, dass die Arbeitgeber den Vorschlag für die Option einer Vier-Tage-Woche von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann nicht vollständig ablehnten: „Das würde den Betrieben die Möglichkeit bieten, Auftragsausfälle und das dadurch geringere Arbeitsvolumen auf mehr Köpfe zu verteilen, ohne Jobs zu streichen.“ Die gewonnene Zeit müsse aber vom Management genutzt werden, um alternative Produkte zu entwickeln und die Arbeitnehmer zu qualifizieren.

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