Westfalens Bauern ziehen durchwachsene Erntebilanz
„Die Power, es zu schaffen“

Lennestadt (WB). Der Blick geht zurück bis ins 14. Jahrhundert. „Unseren Hof gibt es seit mehreren Generationen“, sagt Michael Richard, Landwirt aus Lennestadt. Der Sauerländer hat Tiere, betreibt ein wenig Forstwirtschaft und hat Fremdenzimmer, die er gern an Familien mit Kindern vermietet.

Donnerstag, 10.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2020, 05:04 Uhr
Landwirt Michael Richard und WLV-Präsident Hubertus Beringmeier Foto: WLV

Doch seit diesem Jahr schaut der eigentlich optimistische Landwirt mit Sorge in die Zukunft. „Der Klimawandel sorgt für Trockenheit, die unseren Wäldern zusetzt“, sagt Hubertus Beringmeier, Präsident des WLV, bei Vorstellung der Erntebilanz. Viele Waldbauern stünden vor dem Aus, da der Borkenkäfer seit zwei Jahren zahlreiche Waldbestände „einfach vernichtet“.

Doch auch für die tierhaltenden Betriebe ist die aktuelle Lage nicht einfach. Sorgte die vor allem in China grassierende Afrikanische Schweinepest lange Zeit für steigende Schweinepreise, sorgte die Corona-Pandemie für einen weltweiten Einbruch bei Nachfrage und Preisen. „Und natürlich haben die Schließungen der Schlachtbetriebe gerade in Westfalen für eine Verschlechterung der Erträge gesorgt.“ Rindfleisch- und Kalbfleisch sei gerade in den Zeiten des Lockdowns „geradezu unverkäuflich“ gewesen.

Auch die Milchbauern warten nach wie vor auf eine Erholung der Preise, die ihnen die Molkereien und der Lebensmitteleinzelhandel zahlt. „Wir liegen aktuell wieder bei 32 Cent pro Liter. Das ist nicht auskömmlich.“ Dieses niedrigere Preissegment dürfte sich in den nächsten Monaten jedenfalls nicht ändern. Die Corona-Pandemie sorgt weiter dafür, dass vor allem die Gastronomie weiter weniger landwirtschaftliche Produkte aus der Heimat kaufen wird.

Regionale Unterschiede bei Getreideernte

Auch die Getreideernte war und ist in diesem Wirtschaftsjahr von erheblichen regionalen Unterschieden geprägt. „Mengenmäßig lag die Ernte unterhalb des langjährigen Durchschnitts und brachte gute Qualitäten, die allerdings nur zu mäßigen Preisen vermarktet werden können“, so Beringmeier, der in seiner Funktion als Bauernpräsident seine erste Bilanz vorstellte. Die letzten Monate hätten erneut deutlich gezeigt, wie stark Getreide- und Waldbauern davon abhängig sind, dass zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Regen fällt. „Wo dies nicht der Fall war, haben vor allem die Kulturen auf den leichten Böden, die kaum Wasser speichern können, zum Teil deutlich gelitten.“ Dies gilt neben der Wintergerste und der Triticale vor allem für den Mais. Dort, wo gute Mengen geerntet werden konnten, sei die Qualität aber sehr gut gewesen. Doch weltweit seien die Silos und Lager voll, so dass die Preise eher sinken.

Gute Qualität – die will auch Michael Richard in die nächste Generation mit seinem Betrieb bieten. „Wir haben die Power, es zu schaffen. Wir müssen alte Muster aufbrechen um vielfältig in die Zukunft zu gehen.“

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