Offen für Fusion
Helaba will Zinsabhängigkeit verringern

Der neue Helaba-Chef Groß steht bereit für einen ersten Schritt in Richtung eines Sparkassen-Zentralinstituts. Doch Groß stellt Bedingungen. Auch für sein Haus hat der Manager eine klare Vorstellung, wie im Zinstief Erträge wachsen können.

Donnerstag, 03.09.2020, 16:55 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 16:58 Uhr
Besucher stehen abends in rund 198 Metern Höhe auf der Aussichtsterrasse des Main Towers, der auch die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) beherbergt. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Main (dpa) - Der neue Helaba-Chef Thomas Groß zeigt sich offen für eine Fusion seines Hauses mit der Dekabank als Kern eines Zentralinstituts für die Sparkassen-Finanzgruppe.

«Ich bin überzeugt, dass eine Konsolidierung Sinn macht», sagte Groß am Donnerstag vor Journalisten in Frankfurt. «In diesem Sinne hoffe ich, dass zu gegebener Zeit entsprechend wieder Gespräche geführt werden können.»

Die Sparkassen hatten den beiden mehrheitlich von ihnen kontrollierten Instituten Dekabank und Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) aufgetragen, ein mögliches Zusammengehen auszuloten. Wegen der Corona-Krise wurden die Gespräche vorübergehend auf Eis gelegt. Sparkassenpräsident Helmut Schleweis hatte sich kürzlich dafür ausgesprochen, die Verhandlungen so früh wie möglich fortzusetzen.

Aus Sicht von Groß macht eine Fusion Sinn. Der Helaba-Chef betonte jedoch: «Es muss klar sein: Was soll dieses künftige Zentralinstitut machen? Welche Kundengruppen sollen zum Kern dieses Zentralinstituts gehören? (...) Diese Klarheit muss am Beginn des Prozesses stehen.»

Die Helaba selbst will Groß unabhängiger vom Zinsumfeld machen. «Wir sind auf dem strammen Weg, ein Provisionsergebnis von 500 Millionen Euro plus pro Jahr zu erreichen», sagte der seit 1. Juni amtierende Vorstandschef. Ziel sei, den Anteil des zinstragenden Geschäfts am Gesamtertrag von 75 Prozent in den nächsten Jahren der 50-Prozent-Marke anzunähern.

Als ein Wachstumsfeld sieht Groß die Betreuung vermögender Privatkunden über die Helaba-Tochter Frankfurter Bankgesellschaft. Auch ihre Position als Abwickler von Zahlungsverkehr will die Helaba stärken - hier habe das Institut in den vergangenen Monaten vom Trend zum bargeldlosen Zahlen profitiert. Das Immobiliengeschäft will Groß nicht schrumpfen, «aber wir wollen den Anteil des Immobiliengeschäfts reduzieren, indem wir andere Geschäftsfelder ausbauen».

Im ersten Halbjahr 2020 hatte die Turbulenzen an den Kapitalmärkten die Helaba in die roten Zahlen gedrückt. Der Konzern wies vor Steuern 274 Millionen Euro Verlust aus, nach Steuern ergab sich ein Minus von 185 Millionen Euro. Einen Verlust im Gesamtjahr schloss Groß am Donnerstag erneut nicht aus.

© dpa-infocom, dpa:200903-99-420209/2

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