Corona als Chance: Enra baut jetzt Plattformen für digitale Messen
Ein Start-up erfindet sich neu

Paderborn (WB). Was tun als Start-up, wenn die Gründungsidee in der Corona-Pandemie nicht mehr funktioniert? „Wir haben uns von heute auf morgen neu erfinden müssen“, sagt Arne Farwick (24), der Enra 2017 in Herze­brock-Clarholz zusammen mit seinen Zwillingsschwestern Lara und Lena gegründet hat.

Dienstag, 01.09.2020, 03:00 Uhr
Die Geschwister Lara, Arne und Lena Farwick (von rechts) haben Enra vor drei Jahren in Herzebrock-Clarholz gegründet. Inzwischen ist das Familien-Start-up nach Paderborn in die Nähe der Hochschule umgezogen. Die Corona-Krise stellte die Existenzgründer – wie viele andere – vor neue Herausforderungen.

Die Geschäftsidee war verbunden mit Messen. Dort geht oft viel Zeit mit Warten auf mögliche Kunden verloren. Farwicks Idee: ein Barcode an der neuen Maschine oder dem neuen Produkt, und die Besucher, die es scannen, können vorab Informationen einsammeln. Weiter erfand das Start-up für den Aussteller ein System, wie der Kontakt zu Standbesuchern automatisiert, zielgerichtet und schnell nach der Messe wieder aufgenommen werden kann.

Die Idee zündete. Schon 2018 war das Start-up profitabel. Doch dann kam Corona. Messen gehörten zu den ersten Veranstaltungen, die abgesagt wurden. Schon am 24. Februar 2020 traf es die „Light and Building“ in Frankfurt. Enra war insofern betroffen, als ein Kunde dort ausstellen wollte. „Sein Problem war, dass er ohne Messe seine Neuheit etwaigen Interessenten nicht vorführen konnte“, berichtet Arne Farwick.

Digitaler Messestand

Also setzte man sich zusammen, entwarf einen digitalen Messestand – mit 3D-Fotos und erklärenden Videos. Der Kunde war zufrieden – und das Familien-Start-up hatte eine neue Geschäftsidee. Denn warum sollte, was bei einem Unternehmen funktioniert, nicht auf andere übertragen werden können? Und weitergehend: Wenn man viele digitale Präsentationen auf einer Plattform zusammenführt, kann daraus so etwas wie eine digitale Messe entstehen.

Enras nächster Schritt war ein Gemeinschaftsstand für 25 Aussteller zum Thema faserbasierte Werkstoffe in Baden-Württemberg. Digitale Hausmessen auch in OWL folgten. Dabei kooperiert Enra auch mit Firmen, die Messestände aufbauen und jetzt weitgehend arbeitslos sind. Ihre Ideen, so der Plan von Farwick, können so wenigstens digital umgesetzt werden. Er ist überzeugt: „Digitale Messen werden nach der Pandemie nicht einfach wieder verschwinden.“ Der große Vorteil: Sie sind weitaus kostengünstiger. Enra hat in einem konkreten Fall verglichen: Ein Kundenkontakt kostete einen Aussteller auf einer realen Messe 277 Euro, digital aber nur 17 Euro. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben 2019 in Deutschland 714 Messen und größeren Kongresse stattgefunden. Sie haben nach Angaben des Branchenverbandes AUMA knapp zehn Millionen Besucher angelockt und den Veranstaltern einen Umsatz von vier Milliarden Euro eingebracht.

Enra zählt derzeit mehr als 70 Kunden. Potenzial für weiteres Wachstum ist also da. Die Belegschaft des Start-ups wuchs auf elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Die drei Familiengesellschafter verlegten den Firmensitz von Herzebrock nach Paderborn, in die Nähe der dortigen Hochschule. „Da ist es leichter, neue qualifizierte Mitarbeiter zu finden.“

 

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