Duft- und Aromenhersteller aus Holzminden könnte für Wirecard nachrücken
Symrise vor Dax-Aufstieg

Frankfurt (WB/dpa). Wann fliegt der insolvente Skandal-Konzern Wirecard aus dem Dax, fragen sich Anleger. Klarheit soll es diese Woche geben. Bis Donnerstag will die Deutsche Börse das Ergebnis einer Konsultation mit Markteilnehmern über Änderungen der Index-Regeln veröffentlichen.

Dienstag, 11.08.2020, 04:33 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 05:01 Uhr
Die Symrise-Zentrale in Holzminden unweit von Höxter. Der Dufthersteller beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter. Foto: dpa

Die Umsetzung dauert dann etwa eine Woche. Wirecard müsste noch im August die höchste deutsche Börsenliga verlassen. Als Kandidaten für einen Aufstieg in den Index der 30 Börsenschwergewichte gelten der Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise und der Essenslieferdienst Delivery Hero.

Der Duftstoff- und Aromenhersteller aus Holzminden befriedigt Grundbedürfnisse und profitiert vom demografischen Trend. Denn die Bevölkerung wachse, die Menschen würden älter und hätten mehr Zeit für Konsum, erklärte NordLB-Analyst Thorsten Strauß. Der Nachteil: Das Unternehmen tritt selbst kaum in Erscheinung. Man müsse seine Produkte Kleinanlegern erst einmal erklären.

Ein klassischer „Hidden Champion“

Dabei verwenden Millionen Menschen die Substanzen und Aromen der Holzmindener täglich – beim Händewaschen, aber auch in Shampoo, Zahnpasta oder im Essen. „Symrise ist der klassische Hidden Champion – uns kennt man außerhalb der Branche nicht“, sagte der Chef des MDax-Konzerns, Heinz-Jürgen Bertram, einmal. Symrise steigerte seinen Umsatz im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 3,4 Milliarden Euro und verdiente unter dem Strich 304 Millionen Euro. Die Erlöse steigen seit Jahren, vor allem dank gezielter Übernahmen. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter.

Symrise entstand 2003 durch die Fusion von Haarmann & Reimer und Dragoco und ist seit 2006 an der Börse notiert. Die Wurzeln allerdings reichen nach Unternehmensangaben bis 1874 zurück. Denn damals hatten zwei Chemiker aus Holzminden ein Verfahren zur Herstellung von künstlicher Vanille entwickelt. Sie gründeten Haarmann & Reimer und bauten die erste Vanillin-Fabrik in Holzminden, wo bis heute der Konzernsitz ist. Einer der meistverarbeiteten Rohstoffe: Zwiebeln.

Lieferdienst mit 25.000 Mitarbeitern

Ebenso Dax-Kandidat ist Delivery Hero. Verbraucher in Deutschland haben mit dem einstigen Start-up schon länger keine Berührung mehr. Der Lieferdienst betreibt in gut 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter, davon 1300 in Berlin. Doch im vergangenen Jahr verkauften die Verantwortlichen das gesamte Deutschland-Geschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway. Dieser gliederte die Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora in seine eigene Plattform Lieferando ein und dominiert seither den Markt in Deutschland.

Delivery Hero verdiente knapp eine Milliarde Euro mit dem Deal und investierte weiter kräftig in Märkte im Nahen Osten sowie in Nordafrika. 2019 kam mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von 1,2 Milliarden Euro aus diesen Regionen. Auch in Asien ist Delivery Hero stark. In Europa ist der Konzern hingegen fast ausschließlich in nord- und osteuropäischen Ländern aktiv. Im Westen sieht Konzernchef Niklas Östberg zu wenig Wachstumspotenzial.

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