Huppertz und Rohr verlassen Autozulieferer – neuer Finanzchef gesucht
Benteler verkleinert Vorstand

Paderborn/Salzburg (WB). Der Paderborner Automobilzulieferer Benteler hat inmitten der Corona-Krise und der laufenden Restrukturierung zwei seiner vier Vorstände verloren: Finanzvorstand Guido Huppertz (52) sowie die Vorständin für Personal, IT und Marketing, Isabel Diaz Rohr (53), sind im Juli aus dem Vorstand des Familienkonzerns ausgeschieden.

Donnerstag, 06.08.2020, 04:10 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 08:46 Uhr
Künftig wird es nur zwei Vorstände für den Autozulieferer und Stahlproduzenten Benteler geben. Wegen der Corona-Pandemie steht der Familienkonzern unter Druck. Ein Sanierer ist neu dabei.
Konzernchef Ralf Göttel.

Konzernchef Ralf Göttel.

Huppertz habe die Benteler-Gruppe zum 10. Juli „aus persönlichen Gründen und im Einvernehmen mit Vorstand und Aufsichtsrat“ verlassen, wie Benteler mitteilte. Bis ein Nachfolger für die Position des Finanzvorstandes benannt ist, übernehmen Vorstandsvorsitzender Ralf Göttel (54) und der erst im Juni 2020 berufene Vorstand für Restrukturierungsmaßnahmen, Arno Haselhorst (56), seine Aufgaben kommissarisch. Seit 2001 war Huppertz in unterschiedlichen Positionen in Deutschland, Österreich und Südafrika tätig. Vorständin Isabel Diaz Rohr schied zum 31. Juli „auf eigenen Wunsch“ aus, heißt es. Sie war seit 2009 bei Benteler tätig.

Einen Vierer-Vorstand wird es bei Benteler nach eigenen Angaben nicht mehr geben. Geplant sei, die Gruppe langfristig von zwei Vorständen zu führen – dem Vorstandschef Ralf Göttel und dem künftigen Finanzvorstand. Die Position von Diaz Rohr werde nicht neu besetzt.

Restrukturierer Arno Haselhorst.

Restrukturierer Arno Haselhorst.

Aktuell konzentriere man sich darauf, den Folgen der Corona-Pandemie weiter entschlossen entgegenzutreten, betonte Vorstandschef Göttel. Zudem solle das Restrukturierungsprogramm „konsequent umgesetzt“ werden. Im Kern geht es dabei darum, Kosten zu senken – auch Personalkosten. So sollen in der deutlich kleineren Stahlsparte 600 Stellen sozialverträglich eingespart werden. Eine Zahl für die Autosparte gebe es nicht, sagte eine Sprecherin.

Ausgeschieden: Guido Huppertz.

Ausgeschieden: Guido Huppertz.

Der in Familienbesitz befindliche Konzern mit rund 27.000 Mitarbeitern – davon etwa 7000 in OWL – und einem Umsatz von zuletzt 7,7 Milliarden Euro stellt neben Fahrwerks-Komponenten und Abgas-Systemen für die Automobilindustrie sowie Systemlösungen für Elektrofahrzeuge auch Stahlrohre her. Der Paderborner Konzern, dessen Holding ihren Sitz in Salzburg hat, ist schwer vom Einbruch der Autoproduktion infolge der Corona-Krise getroffen. Aber auch schon davor hatte Benteler ein Umbauprogramm gestartet. Die Gruppe hatte sich mit der Expansion in die USA verhoben.

Seit 2018 arbeitet Benteler daran, die Kosten zu senken und dabei profitabel zu wachsen. Den Stahlhandel hat Benteler 2019 verkauft, nicht aber die Stahlproduktion. Benteler habe sich „auf das Kerngeschäft als Metall-Prozess-Spezialist mit Fokus auf den Automobilsektor ausgerichtet“, heißt es. Man habe Abläufe im Einkauf verbessert und eine kosteneffizientere Organisation geschaffen.

Ausgeschieden: Isabel Diaz-Rohr.

Ausgeschieden: Isabel Diaz-Rohr.

Bis zum Herbst soll ein neues Refinanzierungskonzept stehen. Turnusmäßig müssten bei Banken auslaufende Kreditlinien neu verhandelt werden – eine Aufgabe für Sanierer Haselhorst. Dabei geht es auch um mögliche KfW-Kredite in Deutschland. Noch aber habe Benteler dazu keine Entscheidung getroffen. Benteler ist an 100 Standorten in 28 Ländern vertreten und betreibt 84 Werke.

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