Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller mit Gewinneinbruch, aber schwarzen Zahlen
„Vormittags Krise, nachmittags Chance“ bei DMG Mori

Bielefeld (WB). Die Corona-Pandemie hat den Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori AG im zweiten Quartal mit voller Wucht getroffen. Gleichwohl schreibt der deutsch-japanische Konzern noch schwarze Zahlen. Das soll auch im Gesamtjahr 2020 so bleiben.

Mittwoch, 05.08.2020, 05:00 Uhr
Vorstandschef Christian Thönes setzt auf Innovationen und Digitalisierung, um aus der Krise möglichst schnell wieder herauszukommen.

„Die wirtschaftliche Lage ist und bleibt herausfordernd. Doch wir sind gut aufgestellt und werden weiter schwarze Zahlen schreiben“, sagte Vorstandsvorsitzender Christian Thönes bei der Vorlage der Zahlen für das erste Halbjahr. Bis aber das durch Rekordzahlen geprägte Vorkrisenniveau bei DMG Mori wieder erreicht ist, dürfte es 2022 werden, vermutet der Top-Manager.

Zahlen fallen heftig aus

Die aktuellen Zahlen fallen angesichts des starken Rückgangs der weltweiten Werkzeugmaschinennachfrage deftig aus : Von April bis Juni fiel der Auftragseingang um gut 50 Prozent, der Umsatz um gut 41 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach sogar um 85 Prozent auf 7,9 Millionen Euro ein. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte es noch ein Plus von 53 Millionen Euro gegeben.

Im ersten Halbjahr summiert sich der Gewinn auf gut 32 Millionen Euro. Damit liege die Marge bei noch 4,1 (Vorjahr: 8,1) Prozent. Thönes: „Das zeigt, wie widerstandsfähig wir sind.“

Für das Gesamtjahr geht Thönes von einem Gewinn (Ebit) von 60 Millionen Euro aus, einem Auftragseingang von 1,6 Milliarden Euro sowie einem Umsatz von 1,65 Milliarden Euro. Die Prognose setze allerdings voraus, dass es keinen zweiten Lockdown gibt.

Wichtig aus Sicht der gut 7000 Mitarbeiter, davon rund 1000 am Stammsitz in Bielefeld: „Es wird keine Massenentlassungen geben“, versichert Thönes. Allerdings hat sich die Beschäftigtenzahl seit Ende 2019 bereits um 171 reduziert. Der Personalaufwand verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 50 Millionen Euro auf 253 Millionen Euro. Davon stammen 14 Millionen Euro Ersparnis durch Kurzarbeit. Beim ehemaligen Gildemeister-Konzern sind derzeit zu 20 Prozent. Die Arbeitszeit wurde von 40 auf 32 Stunden reduziert. Sie solle flexibel wieder hochgefahren werden, wenn sich die Umstände ändern.

Fixkosten um 100 Millionen Euro gesenkt

Für Thönes kommt es nun darauf an, die Zeit der Krise für Innovationen und Digitalisierung zu nutzen. „Vormittags Krise, nachmittags Chance“, fasst er die Devise zusammen. „In Innovationen und insbesondere Digitalisierung zu investieren, ist der einzige Weg aus der Krise. Kostensenkung allein ist zu wenig.“

Dabei sei er selbst überrascht gewesen, dass es DMG Mori im ersten Halbjahr gelungen sei, die fixen Kosten um rund 100 Millionen Euro zu senken. Nicht von Kürzungen betroffen sei das Entwicklungsbudget. Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen hätten durch die Corona-Pandemie nochmals an Bedeutung gewonnen, betont Thönes: „Das bestärkt uns in der konsequenten Weiterentwicklung unserer Zukunftsfelder.“

Dass der Free Cashflow – die Kennziffer für die Liquidität in einem Konzern – im zweiten Quartal auf minus 43 Millionen Euro fiel, schmeckt Thönes zwar nicht. Aber ein finanzieller Engpass sei damit nicht verbunden, betont er. „Wir haben solide Liquiditätsreserven.“ Im April habe DMG Mori eine Kreditlinie vorzeitig zu verbesserten Konditionen verlängern können.

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