Sparkassen ziehen Bilanz – auch Kredite vermehrt nachgefragt
Anlagen steigen auf Rekordwert

Bielefeld/Münster (WB). Die Kunden der 13 Sparkassen in Ostwestfalen-Lippe legen noch mehr Geld als bisher zur Seite, viele haben ein Baudarlehen aufgenommen, um am Immobilienboom zu partizipieren – und auch Aktien wurden vermehrt gekauft. Das ist die Bilanz des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe für das erste Halbjahr 2020.

Samstag, 01.08.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2020, 10:38 Uhr
Viele Sparkassenkunden haben sich Geld geliehen, um eine Immobilie zu kaufen. Foto: dpa

Aber auch die Unternehmen versorgten sich in der Corona-Krise mit deutlich mehr Geld. Bei den Sparkassen in OWL summierte sich das Kreditneugeschäft in den ersten sechs Monaten des Jahres auf 1,4 Milliarden Euro – das ist ein Plus im Jahresvergleich um rund 19 Prozent.

Alle 57 Sparkassen in Westfalen-Lippe zusammen sagten den Unternehmen und Selbstständigen im ersten Halbjahr 6,45 Milliarden Euro neue Kredite zu. Das waren 27,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 1,24 Mrd. Euro davon entfielen auf KfW-Förderdarlehen. Daneben wurde über die Sparkassen in 107.000 Fällen die NRW-Soforthilfe von 1,13 Mrd. Euro ausgezahlt. Zudem wurden bei 18.900 gewerblichen Kunden Tilgungsleistungen über 321 Millionen Euro ausgesetzt.

„Es fehlt Liquidität“

„Es fehlt Liquidität. Die Sparkassen helfen den Unternehmen seit Beginn der Krise, diese Phase so gut wie möglich bewältigen zu können“, sagt die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Prof. Dr. Liane Buchholz.

Bei den Privathaushalten sagten die Sparkassen in OWL neue Kredite über 1,3 Milliarden Euro zu, das sind 154 Millionen Euro oder gut 13 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2019. In ganz Westfalen-Lippe betrug das Plus 12,6 Prozent auf 4,16 Mrd. Euro. Dies sei jedoch weniger eine Folge der Pandemie, als vielmehr der ungebrochen starken Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten, teilte der Verband in Münster mit. So beliefen sich die Darlehenszusagen für Immobilien und Immobilienmodernisierung auf 3,48 Mrd. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von rund 17 Prozent. Nach wie vor machten sich hier die niedrigen Zinsen bemerkbar, heißt es.

Viele Kunden haben mehr gespart

Zudem haben die Sparkassenkunden in Westfalen-Lippe mehr gespart als im Vorjahreszeitraum. Privatkunden stockten ihren Einlagenbestand um 3,4 Prozent auf 83,9 Mrd. Euro auf. Buchholz: „Unsere Kunden haben Geld auf die hohe Kante legen können, das sie infolge des Lockdowns nicht ausgeben konnten. Außerdem sind viele Menschen vorsichtiger geworden.“ Die Sparquote der Privathaushalte in Deutschland dürfte infolge der Corona-Krise von 10,9 Prozent im Vorjahr auf voraussichtlich 15,6 Prozent 2020 steigen, meint Buchholz.

Beim Wertpapiergeschäft nutzten die Privatkunden den pandemiebedingten Kursrutsch: Vor allem im April und Mai stieg die Nachfrage nach Wertpapieren stark an. In OWL stieg das Geschäft mit Aktien von 13 auf 68 Millionen Euro und hat sich damit verfünffacht.

Die Ersparnis der Privatkunden (Geldvermögensbildung) in OWL kletterte in den ersten sechs Monaten im Jahresvergleich um rund 300 Millionen auf gut eine Milliarde Euro. Das waren gut 50 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar rund 90 Prozent mehr als im Durchschnitt der drei Vorjahre.

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