Sonderveröffentlichung

Krankenkasse
Treppenlifte: Zahlt die Krankenkasse?

Treppenlifte ermöglichen es, im vertrauten Zuhause mobil zu bleiben. Doch deren Anschaffung ist alles andere als günstig. Die Preisspannen variieren stark, mehrere tausend Euro sind in jedem Fall einzukalkulieren. Die gute Nachricht: Einen Teil der Kosten trägt bei bestimmten Voraussetzungen die Krankenkasse. Zwar gilt ein Treppenlift nicht als Pflegehilfsmittel, aber im Rahmen der Wohnumfeldverbesserung ist ein ansehnlicher Zuschuss drin. Wie hoch dieser ausfallen kann und wie Betroffene die Zuzahlung durch die Krankenkasse beantragen, klären wir hier.

Freitag, 24.07.2020, 03:26 Uhr
Foto: Coulourbox

Voraussetzung: Anerkannter Pflegegrad

Für Menschen mit Bewegungsbeeinträchtigungen sind Treppenlifte ein Segen. Oft bleibt nur mit deren Unterstützung das Schlafzimmer oder Bad im Obergeschoss erreichbar. Doch vor dem Kauf eines Treppenschrägaufzuges – so der offizielle Name – schrecken viele Betroffene angesichts der hohen Kosten zunächst zurück. Beispiele: Für einen klassischen Sitzlift über eine gerade Treppe in die nächste Etage sind 3800 Euro aufwärts zu berappen, ein Plattformlift für Rollstuhlfahrer schlägt mit 9000 Euro und mehr zu Buche. Die Bedürfnisse des Nutzers und die bauliche Situation in Haus oder Wohnung (z. B. Treppenform, Zahl der Etagen) entscheiden über den genauen Preis.

Dennoch muss man nicht sämtliche Kosten für Kauf und Einbau eines Treppenlifts allein aufbringen. Die gesetzliche Krankenkasse – genauer die Pflegekasse – greift hier unter Umständen finanziell kräftig unter die Arme. Grundbedingung ist das Vorhandensein eines Pflegegrades (früher: Pflegestufe). Bereits ab Pflegegrad 1 wird ein Zuschuss im Rahmen von „Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes“ gewährt. Als zuschusspflichtiges Hilfsmittel ist ein Treppenlift im Gegensatz zu Gehhilfe oder Hörgerät nicht definiert – insofern ist das eine freiwillige Kann-Leistung der Krankenkassen. Die zeigen sich aber im Regelfall aufgeschlossen.

Wie hoch kann der Zuschuss ausfallen?

Mit bis zu 4000 Euro beteiligt sich die Pflegekasse an den notwendigen Umbaumaßnahmen für den Treppenlift. Dies gilt für neu sowie gebraucht gekaufte Modelle gleichermaßen. Sollte die Höchstsumme gewährt werden, sind im allergünstigsten Fall die Anschaffungs- und Einbaukosten für einen (Sitz-)lift nahezu gedeckt. Aber auch in anderen Konstellationen ist die Bezuschussung durch die Kasse für die Betroffenen eine große Hilfe. Sollten im gleichen Haushalt zwei Personen mit anerkanntem Pflegegrad wohnen, kann sich der Zuschuss auf bis zu 8000 Euro verdoppeln. Auch an Wohngemeinschaften Pflegebedürftiger (ab 4 Personen) ist gedacht, maximal 16.000 Euro sind drin.

Um die einkommensunabhängige Zuzahlung zu erhalten, muss somit eine medizinische Notwendigkeit vorliegen. Möglicherweise ist der geplante Erwerb eines Treppenlifts auch Anreiz, Pflegegrad 1 für sich zu beantragen. Mit dem Zuschuss für die Wohnraumanpassung bezweckt die Krankenkasse, die größtmögliche Selbstständigkeit eines Pflegebedürftigen zu sichern bzw. dessen Pflege zu erleichtern. In Anspruch nehmen können die Teil-Kostenübernahme Mieter als auch Immobilienbesitzer. Privatversicherte sollten bei ihrer Kasse nachfragen. Wie bei Unterstützungsleistungen üblich, muss vorab ein Antrag gestellt werden.

Den Zuschuss bei der Krankenkasse beantragen

Der für einen Treppenlift notwendige Antrag auf „Zuschuss zu einer wohnumfeldverbessernden Maßnahme“ ist direkt bei der eigenen Krankenkasse zu stellen. Fast alle gesetzlichen Kassen halten auf ihrer Online-Präsenz oder in der Filiale in Wohnortnähe passende Formblätter bereit. Das Ganze ist auch formlos möglich. Darin sollte man neben der Angabe persönlicher Daten (Name, Adresse, Versicherungsnummer, Pflegegrad) explizit darlegen, wie der gewünschte Treppenlift ein selbstständiges Alltagsleben ermöglicht bzw. die Pflege in den eigenen vier Wänden erleichtert. Beigelegte Fotos können die baulich-räumlichen Bedingungen illustrieren.

Bestandteil des Antrags ist zudem ein Kostenvoranschlag für den konkreten Treppenlift-Typ. Die Praxis zeigt: Die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht. Alle bekannten gesetzlichen Krankenkassen gewähren nach erfolgter Prüfung im Regelfall den Zuschuss. Barrierefreies Wohnen ist bei einer alternden Bevölkerung ein wichtiges Thema! Idealerweise flattert ein positiver Bescheid ins Haus und das Bauprojekt Treppenlift kann starten. Nach Einreichen der Rechnungen wird dann die Zuzahlung erstattet. Achtung: Der Zuschuss muss vor der Installation des Elektroaufzugs beantragt werden, rückwirkend gibt es kein Geld.

Wie hole ich Kostenvoranschläge für den Lift ein?

Ohne einen präzisen Kostenvoranschlag macht der Antrag auf Zuschuss bei der Krankenkasse keinen Sinn. In der Anlage sollte deshalb eine ungefähre Schätzung der erwarteten Kosten für den passenden Treppenlift-Typ skizziert werden. Je nach Geräteausführung (z. B. Sitzlift, Plattformlift), baulichen Bedingungen (z. B. Treppenform/-breite, Tragfähigkeit der Treppe, Etagenzahl) sowie Serviceumfang des Anbieters sind die Preisspannen in dieser Branche beträchtlich. Daher empfiehlt es sich, unbedingt mehrere Angebote anzuschauen und die Preisangaben penibel zu vergleichen.

Online-Vergleichsportale leisten hier gute Dienste. Denn der Teufel steckt im Detail, bspw. ob die Montagekosten im Endpreis enthalten sind oder nicht. Auch die Verbraucherzentralen empfehlen den unverbindlichen Preisvergleich, um sich ein belastbares Bild über die Zusammensetzung der Kosten zu machen. Gut zu wissen: Nach Abzug des möglichen Pflegekassen-Zuschusses ist der verbleibende Eigenanteil für das Gefährt als „außergewöhnliche Belastung“ steuerlich absetzbar.

Pflegekasse engagiert sich für barrierefreies Wohnen

Die Leistung zur Wohnraumanpassung seitens der Kasse ist einmalig. Sie soll die Betroffenen beim barrierefreien Umbau ihrer Wohnung oder ihres Eigenheimes finanziell unterstützen. Das heißt: Darunter fallen alle zum Antragszeitpunkt geplanten Vorhaben – bspw. auch die zusätzlichen Haltegriffe im Bad. Hier gilt es abzuwägen, vielleicht sind andere Maßnahmen gegenwärtig auch sinnvoller als ein Treppenlift. Nur wenn sich der Pflegegrad ändert und weitere bauliche Interventionen nötig werden, kann ein neuer Antrag auf einen erneuten Zuschuss gestellt werden.

Fazit: Die Krankenkasse zahlt für Treppenlifte einen Zuschuss – bei Pflegebedürftigkeit. Ein Rechtsanspruch besteht aber nicht, da der Treppenlift nicht als Pflegehilfsmittel im Leistungskatalog der Kassen eingetragen ist. Die Zuzahlung wird als Maßnahme zur Wohnumfeldverbesserung gewährt und kann bis zu 4000 Euro pro Person betragen. Ein Antrag inklusive Kostenvoranschlag ist bei der zuständigen Krankenkasse einzureichen. Er hat gute Aussicht auf Erfolg.

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