Aber Spardruck bleibt hoch
Entspannung im VW-Führungsstreit

Wolfsburg (dpa) - Nach ihrem heftigen Streit, der beinahe in der Entlassung des Konzernchefs gegipfelt haben soll, sind der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess und Betriebsratschef Bernd Osterloh wieder aufeinander zugegangen.

Mittwoch, 15.07.2020, 07:27 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 07:30 Uhr
Ein VW Logo ist auf einem Fahrzeug von der Volkswagen AG in Wolfsburg zu sehen. Bei dem Autobauer aus Wolfsburg ist es nach einem Führungsstreit wieder ruhiger geworden. Foto: Peter Steffen

Gleichzeitig muss nun aber Diess' Nachfolger in der Führung der Volkswagen-Kernmarke, Ralf Brandstätter, die Belegschaft auf weitere Einsparungen einstimmen.

Osterloh war Diess im Frühjahr wegen dessen Management-Stils und Technikproblemen beim neuen Golf hart angegangen. Jetzt stellte er sich bei einer Befragung durch Investoren hinter den Konzernchef. Er habe Diess die «volle Unterstützung der Gewerkschaften» zugesagt und betont, dass IG Metall und Management in strategischen Fragen voll übereinstimmten, hieß es in einem Bericht eines Finanzdienstleisters jüngst. Der Golf 8 und das E-Auto ID.3 seien mittlerweile «auf Kurs».

Eines der wichtigsten Ziele von Diess ist eine höhere Rendite. Auch Brandstätter machte schon klar, dass angesichts der Corona-Krise die Ausgaben weiter sinken müssen. «Die derzeitige Lage erfordert von uns allen absolute Kostendisziplin», schrieb der Manager an die Belegschaft. «Finanzielle Stabilität hat allerhöchste Priorität.»

Ende Mai hatten die Vertrauenskörper-Leitungen der deutschen Werke in einem offenen Brief betont, man sei «massiv besorgt» wegen des Eindrucks, den VW abgebe. Diess schrieb kürzlich im Onlinenetzwerk LinkedIn: «Wir wollen den Konzern gemeinsam erfolgreich in die E-Mobilität führen und sind uns einig, dass wir uns bereits gut aufgestellt haben, aber natürlich noch nicht am Ziel sind.» Zuvor hatte er eingeräumt: «Ich verstehe das schon, dass wir eine große Unruhe und auch natürlich Fragen und zum Teil Ängste im System haben. Da müssen wir mehr in den Dialog gehen.»

Der Konzernchef hatte sich auch beim Aufsichtsrat für Aussagen bei einer Management-Konferenz entschuldigen müssen. Im Zusammenhang mit Presseberichten zu sensiblen Interna hatte er Mitgliedern des inneren Kontrollgremiums, in dem auch Osterloh sitzt, Straftaten unterstellt.

© dpa-infocom, dpa:200715-99-795136/2

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