Möbelindustrie erwartet wegen Corona nur noch Minus von zehn Prozent
Doch keine „Vollkatastrophe“

Bad Honnef (WB). Die Möbelbranche „spürt wieder Wind unter den Flügeln”. So sagte es am Montag der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Möbelindustrie, Jan Kurth. Er rechnet nach der relativ positiven Entwicklung in Mai und Juni jetzt noch mit einem Umsatzminus von maximal zehn Prozent. Im April, auf dem Höhepunkt des Lockdowns, hatte die Branche noch einen Rückgang um 30 Prozent befürchtet. Das wäre allerdings eine „Vollkatastrophe“ gewesen.

Montag, 06.07.2020, 13:34 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 16:02 Uhr
Kunden im Möbelhaus – hier in Pulheim. Foto: dpa

Rückblickend lobt Kurth die NRW-Landesregierung für die frühzeitige Öffnung der Möbelhäuser im größten Bundesland . Zwar kämen immer noch weniger Kunden; doch kauften diese jetzt gezielter und höherwertiger ein. Gefragt seien neben Büromöbeln für das Homeoffice auch Sessel und Sofas – offenbar ein Ergebnis dessen, dass die Deutschen in der Corona-Krise mehr Zeit zu Hause verbringen.

Die Möbelindustrie behaupte sich, so Kurth, auch deshalb besser als befürchtet, weil die Betriebe ihre Lieferketten relativ schnell in den Griff bekommen hätten. Die Kurzarbeit habe im April geholfen; inzwischen sei sie deutlich zurückgegangen. Der Onlinehandel habe insbesondere bei Solitärmöbeln zugelegt. Der Konkurrenzdruck durch die oft billigeren Importmöbel sei geringer geworden. Im Übrigen seien nicht nur die Umsätze gesunken, sondern auch die Kosten etwa für Reisen und für das Marketing.

Zusätzliche Impulse für das zweite Halbjahr erwartet Kurth nicht nur von der niedrigeren Mehrwertsteuer, sondern auch von den Problemen konkurrierender Wirtschaftszweige: Mögliche Autokäufer seien durch die Corona-Krise eher noch mehr verunsichert. Zudem verreisten die Bürger weniger; und wenn doch, dann gäben viele im Urlaub in Deutschland weniger Geld aus.

Besonders heimstark ist die Küchenindustrie. Etwa 95 Prozent der in Deutschland verkauften Küchen stammen aus heimischer Produktion, davon gut 70 Prozent aus Ostwestfalen-Lippe. Die Branche profitierte davon, dass Küchen langfristig geplant und gekauft werden. „Weil das Handwerk auch während des Lockdown weiterarbeiten durfte, konnte auch weiter produziert werden“, erklärte Volker Irle, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK). In der Zeit, in der Möbelhäuser und Küchenstudios geschlossen waren, habe man sich so gut wie möglich mit Video und Internet weiter geholfen. So werde es vielleicht jetzt zu einem Umsatzrückgang kommen, der aber vermutlich nicht sehr groß ausfalle. Dass nicht immer die Wunsch- Hausgeräte verfügbar waren, hätten die Kunden mit Fassung getragen: „Oft gab es dafür ein Upgrading bei der Geräteklasse.“

Gelitten hat Irle zufolge aber das Exportgeschäft der Küchenindustrie. Insbesondere in China und Nordamerika werde der Einbruch wohl auch noch einige Zeit anhalten. In Spanien gebe es dagegen schon wieder Zeichen einer konjunkturellen Belebung.

Auf den Fernmärkten sei die Situation der gesamten Möbelindustrie ähnlich wie bei den Küchen. Deutliche Rückgänge gab es, so Kurth, in der Pandemie auch in Großbritannien und in Belgien.

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