Nach Corona-Einbruch
Deutsche Industrie erhält wieder mehr Aufträge

Die Auftragsbücher deutscher Industrieunternehmen haben sich im Mai wieder langsam gefüllt. Verglichen mit dem gleichen Zeitraum im Vorjahr ist der Anstieg aber immer noch gering.

Montag, 06.07.2020, 11:38 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 23:24 Uhr
Arbeiter errichten das innere Gerüst eines Lagerhauses. Die deutsche Industrie erhält wieder mehr Aufträge. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Wiesbaden (dpa) - Die deutsche Industrie hat im Mai nach dem Einbruch in der Corona-Krise wieder deutlich mehr Aufträge erhalten. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, lag der Auftragseingang 10,4 Prozent über dem Niveau des Vormonats.

Im Jahresvergleich gingen die Bestellungen dagegen immer noch drastisch um 29,3 Prozent zurück.

Trotz der Erholung wurden die Markterwartungen enttäuscht. Analysten hatten im Schnitt für Mai einen höheren Anstieg im Monatsvergleich und einen geringeren Rückgang im Jahresvergleich erwartet.

Wie stark die Industrie durch die Corona-Krise belastet worden ist, zeigt der Vergleich mit dem Vorkrisenniveau: Gegenüber Februar liegt der Auftragseingang immer noch gut 30 Prozent niedriger, wie das Statistikamt mitteilte. In der Autoindustrie liegen die Bestellungen sogar nur halb so hoch wie vor der Krise. Im Februar waren die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch nicht in Kraft gewesen.

Aus dem Inland erhielt die Industrie im Mai 12,3 Prozent mehr Aufträge als im April, aus dem Ausland kamen 8,8 Prozent mehr Bestellungen. Die Orders aus der Eurozone erhöhten sich mit knapp 21 Prozent wesentlich stärker als von außerhalb der Eurozone. Dort waren sie in den beiden Monaten zuvor aber auch etwas weniger stark eingebrochen. Nach Güterart erhöhten sich besonders deutlich die Bestellungen von Investitionsgütern wie Maschinen.

«Das Schlimmste liegt hinter uns», kommentierte Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Die Auftragsbücher füllten sich wieder. «Mehr Bestellungen heißt gleichzeitig mehr Produktion und mehr Beschäftigung. Das ist eine gute Nachricht für alle Arbeitnehmer, die von Kurzarbeit betroffen sind.»

«Die guten Daten sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Krise längst noch nicht abgeschüttelt ist», relativierte Gitzel. So lasse die rasche Ausbreitung des Coronavirus in den USA wenig Gutes erwarten. Auch die stellenweise noch immer unterbrochenen internationalen Lieferketten dürften sich noch längere Zeit negativ bemerkbar machen. «Die deutsche Industrie wird also noch geraume Zeit an den Folgen des Virus knabbern.»

© dpa-infocom, dpa:200706-99-686108/4

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