Nach früher Öffnung der Häuser mit „blauem Auge“ durch die Krise
Möbelbranche dankt Armin Laschet

Herford  (WB). Die deutsche Möbelindustrie erwartet in diesem Jahr als Folge der Corona-Pandemie einen Umsatzrückgang von etwa zehn Prozent. Das ist, gegenüber den Prognosen von Ende März und April ein Fortschritt. Ursache dafür ist nach Angaben von Jan Kurth, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Möbelindustrie (VDM), die vom NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet schon zum 20. April ermöglichte Öffnung der Möbelhäuser, der andere Bundesländer später folgten.

Donnerstag, 11.06.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 05:01 Uhr
DIe Küchenindustrie, besonders stark in OWL, ging mit einem guten Auftragspolster in die Corona-Krise. Foto: Oliver Schwabe

Einige Hersteller hätten daher beim Auftragseingang schon im Mai Vorjahresniveau erreicht. Zusätzlich erhofft sich Kurth positive Impulse von der Senkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent: „Wenn es im Herbst keine zweite Corona-Welle geben wird, kommt die Möbelbranche mit einem blauen Auge davon.”

Küchenindustrie behauptet sich in der Krise am besten

Eine gute Nachricht für OWL: Die hier sehr starke Küchenmöbelindustrie schnitt von allen am besten ab. Das liege auch daran, dass ein Küchenkauf im allgemeinen lange vorher geplant sei. „Die Hersteller sind mit einem guten Auftragspolster in die Krise gegangen“, sagt Kurth. Jetzt könne die ab 1. Juli geltende Steuersenkung Neuaufträge erleichtern.

Mehr gelitten hätten in der Zeit, als alle Möbelhäuser geschlossen waren, die Hersteller von Polster- und Wohnmöbeln. Dabei sei aber die ausländische Konkurrenz deutlich stärker getroffen worden als die inländischen Hersteller.

Büromöbel vermehrt online bestellt

Wie zu erwarten, profitieren einige Büromöbelhersteller davon, dass in der Zeit der Pandemie viele ihren Arbeitsplatz ins Homeoffice verlegten. Bestellungen seien in der Zeit, als Möbelhäuser geschlossen waren, im Internet erfolgt. Davon profitierten Kurth zufolge besonders die Onlineportale der großen Möbelhändler. Immerhin vier von zehn Herstellern hätten im Internetgeschäft Zuwächse verzeichnet, jeder fünfte zwischen gut 10 und 20 Prozent.

Der VDM geht davon aus, dass der Onlineanteil, der vor Corona in der Möbelbranche etwa 14 bis 15 Prozent betrug, nach der Krise dauerhaft höher liegen wird. Starke Zuwächse in diesem Bereich hätten zuletzt neben dem Büromöbelbereich auch die Hersteller von Gartenmöbeln verzeichnet.

Auslandsgeschäft stärker rückläufig

Am meisten gelitten hat das Auslandsgeschäft. Vor allem behördlich verfügte Zwangsschließungen für den Fachhandel in Frankreich und Italien hätten die deutschen Hersteller getroffen, sagt Kurth. Bisher lag der Exportanteil der Branche bei 30 Prozent.

Anfangs habe es auch Probleme bei manchen Zulieferteilen insbesondere aus Italien gegeben. Sie seien weitgehend überwunden.

In der Krise neuer Blick auf die Wohnungseinrichtung

Möbel-Verbandssprecher Jan Kurth.

Möbel-Verbandssprecher Jan Kurth.

Froh ist der VDM, dass sich die Bundesregierung gegen Kaufanreize für bestimmte Produkte wie etwa eine Abwrackprämie für Autos entschied. Die Mehrwertsteuersenkung falle auch deshalb in der Möbelbranche auf fruchtbaren Boden, weil viele in der Zeit, in der sie wegen der Pandemie ihre Wohnungen kaum verlassen konnten, Lücken der Wohneinrichtung festgestellt hätten. Zwar habe die Besucherzahl in den Möbelhäusern noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht. Doch die Kunden, die kämen, kauften gezielter und höherwertiger.

Auch deshalb habe die Branche gerade jetzt und trotz Corona ihre Kampagne für Möbel „made in Germany“ gestartet. Voraussetzung, um das Label zu erhalten, ist nach Angaben Kurths der Nachweis, dass nicht nur Entwicklung und Qualitätskontrolle, sondern auch mindestens 55 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erfolgen.

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