Dem früheren Chef der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl, wird Untreue in 224 Fällen vorgeworfen
Anklage gegen Ex-Bankchef

Münster/Bielefeld (WB). Fast fünf Jahre nach seiner fristlosen Entlassung haben die Staatsanwälte in Münster und Bielefeld ihre akribische Überprüfung von einigen Hundert Spesen- und Quittungsbelegen beendet und Anklage beim Landgericht Münster erhoben: Dem früheren Chef der Sparda-Bank Münster, Enrico Kahl, werfen sie Untreue in 224 Fällen vor, der Bank soll ein Schaden von etwa 1,8 Millionen Euro entstanden sein.

Freitag, 05.06.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2020, 07:56 Uhr
Enrico Kahl war Chef der Sparda-Bank in Münster. Foto: Matthias Ahlke

Mit angeklagt werden zwei frühere Vorstandskollegen und der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, die auch Standorte in OWL betreibt. Kahl hatte die Vorwürfe stets bestritten. Der Bank-Manager war 20 Jahre lang Vorstand und seit 1998 Vorstandschef der Genossenschaftsbank.

Aufwendiger privater Lebensstil auf Kosten der Bank finanziert?

Dem Ex-Manager wird vorgeworfen, seinen aufwendigen privaten Lebensstil auf Kosten der Bank finanziert zu haben. Im Großen wie im Kleinen. So soll der heute 62-Jährige auf Spesenbelegen falsche Gäste-Namen angegeben haben, ob nun beim 50-Euro-Mittagessen bei einem Italiener in Münster oder bei einer feinen Trüffel-Soiree für 2000 Euro. Die Feiern zum 50. Geburtstag seiner Frau soll er ebenso wie die zur Übernahme der Präsidentschaft eines Rotary-Clubs mit Limousinen-Service für die Gäste finanziell über die Bank abgewickelt haben; Gesamtkosten 67.000 Euro.

Mit rund 200.000 Euro schlägt die mehrjährige Buchung von zehn Business-Seats inklusive Hostessen-Begleitung und Bewirtung im Stadion des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund zu Buche – laut Anklage motiviert aus rein privatem persönlichen Interesse.

2018 fusionierte die Sparda-Bank Münster mit der Sparda-Bank West mit Sitz in Düsseldorf, die die Schließung der letzten OWL-Filialen in Paderborn und Warburg angekündigt hat. Sparda-Filialen in Bielefeld, Herford, Minden, Detmold und Gütersloh gehören zur eigenständigen Sparda-Bank Hannover, die eine Fusion mit dem Schwesterinstitut in Berlin prüft .

Federführend bei den Ermittlungen war die Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität. Die Anklageschrift umfasst mehr als 600 Seiten. Das Landgericht Münster muss jetzt noch über die Zulassung der Anklage entscheiden.

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