Bayer und BASF betroffen
Verkauf von Dicamba in den USA vorerst untersagt

Mit der Monsanto-Übernahme hat sich Bayer viele Probleme eingebrockt. Dabei geht es nicht nur um den Unkrautvernichter Glyphosat. Auch das Mittel Dicamba führt zu Streit vor Gericht, jetzt wurde ihm in den USA vorerst die Zulassung entzogen. Auch BASF ist betroffen - und viele Bauern.

Donnerstag, 04.06.2020, 11:25 Uhr
Logo von Bayer. Foto: Oliver Berg

San Francisco (dpa) - Rückschlag für Bayer und BASF: Ein US-Gericht hat eine 2018 erteilte Zulassung des Unkrautvernichters Dicamba aufgehoben.

Die US-Umweltbehörde EPA habe die Risiken des Produkts falsch eingeschätzt, hieß es in der Begründung des Gerichts vom Mittwoch (Ortszeit) in San Francisco. Unter Abwägung der Fehler der EPA bei der Zulassung einerseits und der Folgen einer Aufhebung andererseits werde dem Mittel die Registrierung entzogen.

Die Entscheidung betrifft damit neben dem auf Dicamba basierten Unkrautvernichter XtendiMax von Bayer auch Engenia von BASF sowie FeXapan des US-Konzerns Corteva. Bayer und BASF stimmen mit dem Urteil nicht überein und prüfen jeweils die nächsten Schritte, wie Sprecher beider Dax-Konzerne der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX sagten.

Abhängig von den Maßnahmen der EPA und davon, ob das Urteil erfolgreich angefochten werde, gehe es nun darum, die Auswirkungen auf die Kunden in den USA in dieser Saison so gering wie möglich zu halten, betonte der Bayer-Sprecher weiter. Über finanzielle Auswirkungen lasse sich derzeit noch nichts sagen.

So dürfen Landwirte die Herbizide nicht länger verwenden, wenngleich sie womöglich bereits viel Geld für Saatgut ausgegeben haben, das dagegen resistent ist. Agrarkonzerne verdienen neben dem Verkauf der Unkrautvernichter auch Geld etwa mit Soja-, Baumwoll- und Maissaat, die gegen die Herbizide resistent sind, also etwa auf mit Dicamba oder auch Glyphosat behandelten Feldern ausgebracht werden können.

So hatte die EPA die Zulassung für die betreffenden Dicamba-Produkte erst gegen Ende 2018 kurz vor dem Auslaufen der alten Genehmigung mit Einschränkungen verlängert. Dicamba sorgte damals insbesondere für negative Schlagzeilen, weil der Wind das Mittel auf Felder wehte, auf denen nicht-immune Pflanzen angebaut wurden. Wegen der Schäden auf Nachbarfeldern fordern zahlreiche Bauern Schadenersatz.

Erst im Februar 2020 hatte eine US-Jury Bayer und BASF in einem solchen Rechtsstreit zu millionenschwerem Schadenersatz verurteilt. Insgesamt sollen die beiden Unternehmen einem Pfirsichbauern aus Missouri 265 Millionen US-Dollar zahlen. Er beschuldigt die Konzerne, dass er durch den Einsatz von Dicamba auf benachbarten Feldern Ernteverluste erlitten habe, da Teile des Unkrautvernichters auf seine Plantagen geweht worden sein sollen. Sowohl Bayer als auch BASF kündigten Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Dicamba ist schon länger im Einsatz und wurde von dem mittlerweile von Bayer geschluckten US-Saatgutkonzern Monsanto vertrieben, auch da der Verkaufsschlager Glyphosat bei der Bekämpfung bestimmter Unkräuter wegen entstandener Resistenzen teils weniger wirksam wurde. Die Zulassung der nun vom Verbot betroffenen Dicamba-Variante endet derweil ohnehin im Dezember 2020. Aktuell läuft ein Zulassungsverfahren für die folgenden Jahre. Bayer hofft auf eine Zulassungsentscheidung im Herbst.

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