Gläubiger stimmen geforderter Stundung eines Teils ihrer Forderungen zu
Gerry Weber kann weitermachen

Halle (WB), Das „Zukunftskonzept” des Gerry-Weber-Vorstandes hat die Zustimmung einer „breiten Mehrheit“ der Gläubiger gefunden. Dies und weitere Gelder von den Anteilseignern waren Bedingung für Vereinbarungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall, in deren Folge mehr als 200 Arbeitsplätze bei dem Haller Modekonzern abgebaut werden.

Dienstag, 02.06.2020, 10:13 Uhr aktualisiert: 02.06.2020, 12:44 Uhr
Mode der Gerry-Weber-Marke Taifun. Foto: Oliver Schwabe

Damit steht fest: Gerry Weber kann weitermachen. Nach überstandener Insolvenz in Eigenverwaltung mit Personalabbau und Filialschließungen hat die Corona-Pandemie

Florian Frank

Florian Frank

den Konzern erneut in Schieflage gebracht. Auf Anweisung der Behörden waren nahezu alle Verkaufsflächen ab Mitte März geschlossen. Dies kostete Gerry Weber nach Angaben des für die Restrukturierung verantwortlichen Vorstands Florian Frank einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro, der unwiderruflich verloren sei.

„Breite Zustimmung“ bei den Gläubigern

Wie viele Kreditgeber ihre Zustimmung zu dem Sanierungsplan gaben, ist noch offen. Konkret beinhaltet die Abmachung eine Verschiebung der Auszahlung von 35 Prozent der Forderungen auf Ende des Jahres 2023. Zuletzt hatte die IG Metall versucht, beteiligte Sparkassen und Volksbanken mit einer Aufsehen erregenden Fotoaktion der Beschäftigten in Facebook unter Druck zu setzen.

Keine weiteren Filialschließungen geplant

Laut Frank, der die Verhandlungen mit den Kreditinstituten geführt hat, werden die Anteilseigner von Gerry Weber, die Finanzinvestoren Robus, Whitebox und J.P. Morgan, einen finanziellen Beitrag für Betriebsmittel in ungenannter Höhe leisten. Weitere Filialschließungen seien nicht geplant. Allerdings setze dies Zugeständnisse der Vermieter voraus. Gebe es diese nicht, seien Filialschließungen doch nicht auszuschließen, heißt es in der Pressemitteilung vom Dienstag. Neben der Stammmarke Gerry Weber produziert der Konzern auch die Marken Taifun und Samoon.

Inzwischen haben alle Geschäfte von Gerry Weber wieder geöffnet. Nach wie vor kämen zwar weniger Kundinnen als vor der Corona-Krise; doch würden diese durchschnittlich mehr Geld für den Einkauf ausgeben. Außerdem stiegen die Erlöse im Online-Geschäft – allerdings auf niedrigem Niveau.

 

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