Gespräche bestätigt – Problem durch Verlegung des Konzernsitzes nach Österreich?
Benteler will Finanzhilfe

Paderborn/Salzburg (WB). Der Autozulieferer Benteler mit Hauptstandort Paderborn und Konzernsitz in Salzburg will wegen der Folgen der Corona-Krise Finanzhilfen. Die Sprecherin des Unternehmens, Birgit Held, bestätigte, dass Benteler in den Ländern, in denen es produziere, „wie zahlreiche Unternehmen in der Automobilbranche auch“ prüfe, ob wirtschaftliche Hilfsprogramme im Zu­sammenhang mit der Corona-Pandemie in Anspruch genommen werden können.

Dienstag, 19.05.2020, 20:10 Uhr aktualisiert: 19.05.2020, 20:14 Uhr
Das Automobiltechnik-Betriebsgelände von Benteler in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Vor zehn Jahren verlegte Benteler seinen Konzernsitz von Paderborn ins österreichische Salzburg. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Insider, dass als „Steuerflüchtling zu gelten“ bei Verhandlungen um deutsche KfW-Kredite als nicht hilfreich ausgelegt werden könnte.

Held dazu: „Ob ein Unternehmen Staatshilfen bekommt, hängt von einer Reihe von Voraussetzungen ab. Dies gilt es nun zu klären.“ Reuters zufolge arbeitet die Investmentbank Rothschild an „strategischen Optionen“ für Benteler. Gleichzeitig ist die Rede von Verhandlungen mit 30 Gläubigerbanken. Benteler soll sich zwei Milliarden Euro von diesen Instituten geliehen haben.

In Paderborn wird mit 30 bis 40 Prozent Auslastung gearbeitet

Ende Juni soll die angespannte Finanzlage Thema einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung sein. In der Autosparte herrscht seit Mitte März Kurzarbeit. Das Stammwerk in Paderborn arbeite beständig, derzeit aber nur mit 30 bis 40 Prozent Auslastung, sagt Gesamtbetriebsratschef Christian Schachten.

„Ende Mai hoffen wir, auf 80 bis 90 Prozent steigern zu können. Mehrere Autobauer haben aber angekündigt, im Sommer ihre Werksferien verlängern zu wollen.“ Das werde entsprechend auch auf Benteler durchschlagen.

Kurzarbeit, wenn auch in geringerem Umfang, gibt es auch in der Stahlrohrsparte. Die Werke Schloß Neuhaus, Dinslaken, Paderborn und Rothrist (Schweiz) werden vor­übergehend geschlossen. „Die Produktion in Lingen und Bottrop sowie die Arbeit in den Zentralbereichen wird reduziert, aber nicht komplett eingestellt“, erklärt Held.

„Auch im Monat Juni planen wir, weiter mit diesem flexiblen Modell der vorübergehenden Werksschließungen für einzelne Wochen zu arbeiten.“ Die Stahlwerke liefern einerseits Material für die Autobranche, aber auch Rohre für die Rohölindustrie. Angesichts des Einbruchs der Ölpreise sank dort die Investitionsbereitschaft.

Benteler hatte im Sommer 2019 sein Stahlhandelsgeschäft verkauft. Der Erlös – wohl in dreistelliger Millionenhöhe – sollte ins Kerngeschäft als Autozulieferer investiert werden.

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