Bewerberzahl geht in OWL im gleichen Maß zurück – Krisenbewältigung hat Vorrang
Zwölf Prozent weniger Ausbildungsstellen

Bielefeld/Paderborn (WB). Jetzt wäre eigentlich die Zeit, dass Betriebe und Schulabgänger zueinander finden und sich auf ein Ausbildungsvertrag einigen. Doch die Corona-Krise wirft auch den Lehrstellenmarkt zurück. Nach Angaben der regionalen Arbeitsagenturen hatten die Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe Ende April knapp 11.500 Lehrstellen gemeldet – 12,3 Prozent weniger als zum gleichen Zeitpunkt 2019.

Donnerstag, 07.05.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 07.05.2020, 05:02 Uhr
Auszubildende arbeiten in einer Werkstatt im sogenannten „Greenhouse“ beim Landmaschinenhersteller Claas in Harsewinkel. Das Bundeskabinett befasst sich heute mit der Lage auf dem Lehrstellenmarkt in Deutschland. Foto: dpa

Zugleich ist nach Angaben von Frauke Schwietert, Leiterin der Agentur in Herford, auch die Zahl der Bewerber in OWL um 12,0 Prozent zurückgegangen. Doch gibt es in der Region Unterschiede. Im Bezirk Bielefeld/Gütersloh ist der Rückgang bei den Lehrstellen mit 17,2 Prozent mit Abstand am höchsten, gefolgt von Paderborn/Höxter mit minus 13,7 Prozent. Es folgen Herford/Minden-Lübbecke mit einem Rückgang um 7,8 und Lippe mit minus 6,7 Prozent.

Dabei sei, so Schwietert, auch schon im März und damit vor der Corona-Krise ein Rückgang feststellbar gewesen. Ursache seien Konjunktur und demografischer Wandel. Die Lage habe sich durch die Pandemie verschärft. Eine Rolle spiele, dass in den Schulen seit Mitte März keine Berufsorientierungen oder persönlichen Beratungen mehr stattfanden. Bei vielen Betrieben sei verständlich, dass sie in der Krise jetzt andere Schwerpunkte setzten. Positiv sei, dass gemeldete Ausbildungsplätze nicht storniert wurden.

Handwerk: noch Zeit bis zum Beginn des Ausbildungsjahres

Birgit Stehl, Geschäftsführerin der OWL-Handwerkskammer für den Bereich Berufsbildung und Recht, zeigt ebenfalls Verständnis, dass in Betrieben, die gerade ums Überleben kämpften, das Thema Ausbildung jetzt nicht an erster Stelle stehe. Andererseits seit noch Zeit, dass sich dies ändere. Schließlich beginne das neue Ausbildungsjahr erst am 1. August. Jugendliche seien gut beraten, selbst aktiv zu werden. Das Internet biete gute Möglichkeiten, sich zu informieren und Bewerbungen abzugeben. Die OWL-Handwerkskammer führt selbst auch eine Liste über abgeschlossene Lehrverträge; hier liege die Zahl unter dem Niveau des Vorjahres, aber immerhin leicht höher als 2018.

Industrie- und Handelskammer: Hoffen auf Aufholeffekt

Bei der IHK Ostwestfalen zu Bielefeld liegt die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverträge im April ebenfalls um 12,2 Prozent unter Vorjahresniveau. Besonders stark war die Abnahme im Metallgewerbe mit minus 22,5 und im Handel minus 14,6 Prozent. „Es dürfte schwierig werden, in Ostwestfalen in den nächsten Monaten den Stand des Vorjahres zu erreichen“, erklärte Hauptgeschäftsführer Thomas Niehoff. Doch könne man noch auf einen gewissen Aufholeffekt hoffen.

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