US-Unterhaltungsriese
Corona-Krise: Disney-Gewinn um über 90 Prozent eingebrochen

Geschlossene Freizeitparks, Stillstand in Hollywood: Der Entertainment-Gigant Disney ächzt unter der Corona-Krise. Das Streaming-Geschäft mit dem neuen Videodienst Disney+ boomt zwar in Zeiten von Ausgehsperren, schreibt aber noch hohe Verluste.

Mittwoch, 06.05.2020, 10:56 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 10:58 Uhr
Vor allem Disneys Vergnügungsparks, Ferienresorts, Kreuzfahrten und Fanartikel-Shops leiden massiv unter der Pandemie. Foto: John Raoux

Burbank (dpa) - Die Corona-Krise hat binnen weniger Wochen ein Milliardenloch ins Geschäft des Unterhaltungsriesen Disney gerissen. Der US-Konzern schätzte die Einbußen beim operativen Ergebnis auf 1,4 Milliarden Dollar, davon eine Milliarde in der Freizeitpark-Sparte.

Dadurch brach der Gewinn im ersten Quartal im Jahresvergleich um mehr als 90 Prozent auf 460 Millionen Dollar (424 Mio Euro) ein. Dabei stiegen die Erlöse dank boomender TV- und Streaming-Angebote um 21 Prozent auf 18 Milliarden Dollar.

Vor allem Disneys Vergnügungsparks, Ferienresorts, Kreuzfahrten und Fanartikel-Shops litten massiv unter der Pandemie. Hier fiel der Betriebsgewinn um 58 Prozent auf 639 Millionen Dollar, obwohl die Virus-Krise sich erst zum Quartalsende hin richtig ausbreitete. Der Umsatz des Bereichs lag dabei mit 5,5 Milliarden Dollar nur zehn Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, wie Disney am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Zunächst mussten internationale Attraktionen etwa in Asien schließen, Mitte März folgten dann die großen Themenparks in den USA. Dadurch stehen hohen Kosten plötzlich keine nennenswerten Einnahmen mehr gegenüber. Am 11. Mai soll immerhin Disneyland Shanghai wieder eröffnen, allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Der Stillstand im April dürfte aber die Bilanz des laufenden Quartals massiv belasten.

Disneys neuer Vorstandschef Bob Chapek, der im Februar vom langjährigen Konzernlenker Bob Iger übernahm, bemühte sich dennoch um Optimismus. «Die Covid-19-Pandemie hat beträchtliche Auswirkungen auf eine Reihe unserer Geschäfte», räumte der Top-Manager zwar ein. Die Disney-Führung sei jedoch zuversichtlich, die Krise gut zu überstehen und letztlich gestärkt aus ihr hervorzugehen. Der Konzern habe schon oft genug gezeigt, dass er «außergewöhnlich belastbar» sei.

Das Streaming-Geschäft mit dem florierenden neuen Videodienst Disney+ brachte zwar Erlöse von gut vier Milliarden Dollar ein, verursachte aber auch einen operativen Verlust von 812 Millionen Dollar.

Auch die Filmsparte ächzte unter der Krise, wegen der Menschen weltweit zuhause bleiben, Kinos dichtmachen und Studios ihre Produktionsarbeiten aussetzen mussten. Der Geschäftsbereich spielte acht Prozent weniger Gewinn als im Vorjahr ein - obwohl es zu Beginn des Quartals mit «Frozen 2» und «Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers» noch vielversprechende Filme im Kino gab. Aber die Pandemie nahm dann zum Beispiel dem neuen Pixar-Animationsfilm «Onward» schnell den Wind aus den Segeln.

Das TV- und Kabelgeschäft steigerte die Einnahmen indes um 28 Prozent auf knapp 7,3 Milliarden Dollar, auch wenn der kriselnde Sportsender ESPN die Sparte weiterhin runterzieht.

Bei Anlegern kamen die Quartalszahlen zunächst nicht gut an, die Aktie reagierte nachbörslich mit deutlichen Kursabschlägen. Der Gewinn lag deutlich unter den Markterwartungen, auch wenn die Erlöse höher als angenommen ausfielen. Besonders missfiel den Investoren, dass Disney ankündigte, die halbjährliche Dividendenzahlung aufgrund der Belastungen durch die Pandemie auszusetzen. Die Aktie hat ohnehin schon stark gelitten - der Kurs fiel seit Jahresbeginn um 30 Prozent. Zum vorbörslichen Handel am Mittwoch reduzierte sich das Minus.

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