Vor allem Stammsitz in Halle betroffen – Umsatzausfall durch Corona-Krise
Gerry Weber baut weitere 200 Jobs ab

Halle (WB). Das Modeunternehmen Gerry Weber International AG baut weitere 200 Stellen ab. Betroffen sei vor allem der Stammsitz in Halle, erklärte Pressesprecherin Kristina Schütze. Als nächster Schritt würden jetzt Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufgenommen. Von den gut 3000 Arbeitsplätzen des Unternehmens sind derzeit noch etwa 600 am Stammsitz.

Dienstag, 05.05.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 11:58 Uhr
Gerry Weber will weitere 200 Arbeitsplätze abbauen, die meisten am Stammsitz in Halle. Foto: Oliver Schwabe

Gedat: „bittere Entscheidung“

Von allen Maßnahmen, die aktuell ergriffen würden, sei die erneute Reduzierung der Belegschaft die „mit Abstand bitterste”, erklärte der Vorstandsvorsitzende Alexander Gedat am Dienstag. Der Schritt sei aber unabdingbar, um die übrigen Arbeitsplätze zu erhalten. Die Zahl der Filialen wurde im Zuge der Insolvenz in Deutschland auf 200 reduziert. Weitere Schließungen sind nach Angaben Schützes aktuell nicht geplant.

Alexander Gedat

Alexander Gedat

Der erst zu Jahresbeginn aus der Insolvenz in Eigenverwaltung entlassene Modekonzern wurde wie die gesamte Branche von den Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus kalt erwischt. Mitte März mussten alle Verkaufsflächen auf behördliche Anweisung geschlossen werden. Gedat beziffert den sich daraus ergebenden Umsatzausfall auf deutlich mehr als 100 Millionen Euro. Ursprünglich hatte Gerry Weber für das aktuelle Geschäftsjahr 370 bis 390 Millionen Euro anvisiert, dies aber schon Anfang April nach unten korrigiert.

Großteil der Gläubiger soll 35 Prozent der Forderungen stunden

Als Teil eines neuen „Zukunftskonzeptes“ hat der für die Restrukturierung zuständige Gerry-Weber-Vorstand Florian Frank in den vergangenen Wochen intensiv mit Geschäftspartnern und Lieferanten neue Verträge ausgehandelt. Darüber hinaus hätten die Eigentümer zur Sicherung der Liquidität die Gelder für Betriebsmittel aufgestockt – in welcher Höhe wurde nicht bekannt gegeben. Als wichtigen Eckpfeiler bezeichnet Frank außerdem eine Teilstundung, der ein Großteil der Gläubiger aus der ehemaligen Insolvenz zustimmen soll: 35 Prozent der Forderungen sollen demnach von Gerry Weber erst Ende des Jahres 2023 beglichen werden.

Gedat appellierte, es lohne sich, für Gerry Weber zu kämpfen. Die Umsätze des Unternehmens hätten im Januar und Februar, also vor der Corona-Krise, deutlich über Plan gelegen. Nach der Wiedereröffnung lasse sich das Geschäft ebenfalls gut an. Der Umsatz pro Kundin liege höher als vor den corona-bedingten Schließungen.

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