Comeback-Plan
Hauptversammlung im Krisenmodus - Lufthansa kämpft

Ohne Staatshilfe wird die Lufthansa kaum wieder abheben können. Auf der Hauptversammlung präsentiert Konzernchef Spohr seinen Eigentümern einen schmerzlichen Comeback-Plan.

Dienstag, 05.05.2020, 15:16 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 15:18 Uhr
Auch die Lufthansa hat schwer unter den Folgen der Corona-Krise zu leiden. Foto: Boris Roessler

Frankfurt/Main (dpa) - Die Lufthansa ist wegen der Corona-Krise im Ausnahmezustand. Das wurde auch auf der ersten digitalen Hauptversammlung in der Geschichte des Dax-Konzerns deutlich.

Unverschuldet sei man in eine existenzielle Krise gestürzt, versichert Vorstandschef Carsten Spohr den Aktionären, die für 2019 trotz eines Milliardengewinns auf ihre Dividende verzichten müssen. Im kommenden Jahr sieht es nicht besser aus. Keine 65 Tage habe es in der Corona-Krise gedauert, bis der Konzern beim Flugaufkommen wieder auf das Niveau von 1955 zurückgeworfen wurde. «Das ist bitter. Das ist niederschmetternd. Das tut weh», sagt Spohr. Aus der Krise will er dennoch als Gewinner hervorgehen.

Über allem hängt die Frage nach Hilfen des deutschen Staats - denn nur der scheint noch in der Lage, mit einer Multimilliardenspritze Europas größten Luftverkehrskonzern vor der Insolvenz zu retten. Die Gespräche mit Berlin sind kompliziert und vor allem noch nicht abgeschlossen, weswegen Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley 45 Fragen zu diesem Thema nur allgemein beantworten lässt. Spohr rudert zurück, was die Drohung mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung angeht. Dieses Schutzschirmverfahren prüfe man nur für den Fall eines Scheiterns der Gespräche. Er sei weiterhin überzeugt, dass man auf diese Alternative nicht zurückgreifen müsse, sondern in Berlin bald zu einem Ergebnis kommen werde.

Das Geld rinnt den Lufthanseaten sehr schnell aus den Händen: 800 Millionen Euro Bar-Reserven fließen jeden Monat trotz umfassender Kurzarbeit ab, ohne dass die Einnahmen nennenswert wieder steigen. Weitere 1,8 Milliarden Euro stehen auf der Kippe, weil die EU bei abgesagten Flügen auf sofortigen Erstattungen statt Gutscheinen besteht. Unvorteilhafte Kerosin-Sicherungsverträge führen ebenfalls in diesem Jahr zu einem Verlust von rund einer Milliarde Euro.

Erst Mitte Juni will Spohr langsam mehr Flieger in die Luft bringen, je nach Nachfrage und «rein reaktiv» nach den Einreisebestimmungen der Staaten. Erst im Jahr 2023 hält der Manager ein neues Gleichgewicht für den globalen Luftverkehr für wahrscheinlich, mit dem deutlichen Risiko, dass er kleiner ausfallen wird als im Vor-Corona-Jahr 2019. Das Vertrauen der Passagiere will Lufthansa mit einer umfassenden Maskenpflicht, nicht aber mit freien Mittelsitzen zurückgewinnen. Das sei wegen der vertikalen Luftströmung in der Kabine gar nicht notwendig.

Es werde dann eine deutlich kleinere Lufthansa geben mit 100 Flugzeugen und 10.000 Stellen weniger, aber weiterhin mit einem Multi-Drehkreuzsystem aus Frankfurt, München, Brüssel, Wien und Zürich. Spohr muss daran festhalten, wenn er auch Staatshilfen aus den Heimatstaaten der Konzernairlines Brussels, Austrian und Swiss erhalten will. Pünktlich machte am Dienstag die Schweiz als erstes betroffenes Land einen Haken unter das Kreditprogramm von 1,5 Milliarden Euro, das zu 85 Prozent vom Staat verbürgt ist. In Belgien und Österreich stehen wie in Deutschland die Entscheidungen noch aus.

Der Lufthansa-Chef warnte bei den anstehenden Staatshilfen vor einer zu hohen Schuldenlast. «Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen.» Spohr fürchtet eine Schieflagen im internationalen Wettbewerb mit Airlines aus China oder den USA, die ihre ohnehin ertragsstarken Carrier mit 50 Milliarden Dollar stützen. Der Staatskredit für die Air France ist bereits genehmigt, die Alitalia verstaatlicht. Mittelfristig erwarte er eine Konsolidierung der Branche, sagt Spohr. Kurzfristig verzögere sich dies allerdings wegen der Staatseingriffe.

«Es gibt auch eine Zeit nach Corona», hat Aufsichtsratschef Kley im Zusammenhang mit Spohrs Arbeitsbelastung gesagt. Um dorthin zu gelangen, führt der Konzern umfangreiche Verhandlungen mit Flugzeugherstellern, Leasinggebern, Lieferanten und Dienstleistern. Mit den Gewerkschaften wird über Gehaltsverzicht und «innovative Teilzeitmodelle» verhandelt, mit denen möglichst viele Menschen an Bord gehalten werden sollen. Die Langstreckenflüge in Düsseldorf stehen auf dem Prüfstand und der neue Flughafen BER in Berlin steht nicht im Mittelpunkt neuer Wachstums-Szenarien. Das zumindest hat sich nicht geändert.

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