Handwerkspräsident Peter Eul im Interview über Friseursalons und andere Branchen Warteliste bis Mitte Juni

Bielefeld/Herford (WB). Seit Montag dürfen Friseure nach der sechswöchigen Zwangspause wieder öffnen. Wenn es so bleibt, kommt die Branche mit einem blauen Auge davon, sagt Peter Eul. Mit dem OWL-Handwerkspräsidenten und selbst Inhaber zweier Friseursalons in Enger und Herford sprach Bernhard Hertlein.

Maskenpflicht für Kunden und Friseure, keine Trockenhaarschnitte: Seit Montag dürfen Friseursalons unter bestimmten Bedingungen wieder arbeiten. Mancherorts bildeten sich Schlangen vor den Salons, weil Kunden keinen Termin vereinbart hatten.
Maskenpflicht für Kunden und Friseure, keine Trockenhaarschnitte: Seit Montag dürfen Friseursalons unter bestimmten Bedingungen wieder arbeiten. Mancherorts bildeten sich Schlangen vor den Salons, weil Kunden keinen Termin vereinbart hatten.

Haben Sie ihre Salons in Enger und Herford denn seit Montag geöffnet – oder beachten Sie den Ruhetag und öffnen erst an diesem Dienstag?

Peter Eul: Beide am Montag.

Wie hoch schätzen Sie den Prozentsatz derer, die sofort am Montag öffneten?

Eul: Ich vermute, fast alle.

Wie lang ist die Warteliste?

Eul: Wir vergeben jetzt Termine für Anfang bis Mitte Juni. In sechs Wochen Ausfallzeit ist einiges aufgelaufen.

Andererseits legten einige auch zu Hause selbst an…

Eul: Und wissen jetzt umso mehr die Leistung des Profi-Handwerkers zu schätzen. So manche Variante von Heimarbeit erscheint Außenstehenden vielleicht lustig, aber nicht den Betroffenen. Die Wertschätzung un­seres Berufs ist in der Corona-Krise stark gewachsen. So ist es oft: Erst wenn etwas fehlt, weiß man, wie wichtig und wertvoll es ist.

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Kurzarbeit und Soforthilfe verhinderten den schlimmsten Schaden.

Peter Eul

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Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden für Friseure?

Eul: In Zahlen ist das schwer zu beziffern. Kurzarbeit und Soforthilfe verhinderten den schlimmsten Schaden. Ich denke, wer den Gürtel ein bisschen enger schnallt, kommt nach jetzigem Stand mit einem blauen Auge davon. Natürlich kosten die Einschränkungen, die noch gelten wie beschränkter Zugang und Verbot der Bart- und Augenbrauen-Pflege noch Einnahmen. Manche gleichen das aus, indem sie länger öffnen.

Wen im Handwerk allgemein trifft die Krise am stärksten?

Eul: Gesichtskosmetik ist weiter untersagt, nur Fußpflege erlaubt. Auch die Nagelstudios dürfen noch nicht öffnen. Diese Betriebe brauchen dringend eine verlässliche Perspektive, wann sie öffnen dürfen. Allgemein im Handwerk sind vor allem Bäcker und Fleischer betroffen, wenn Catering eine wichtige Rolle spielt, aber durch die Einschränkungen in der Gastronomie noch wegfällt.

Wer im Handwerk hält sich zumindest stabil?

Eul: Vergleichsweise gut läuft es noch im Bau- und Ausbauhandwerk. Dies liegt vor allem an dem guten Auftragsbestand aus der Zeit vor der Krise. Aber auch hier haben Kunden – Private wie Unternehmen – Aufträge storniert. Somit besteht die Gefahr, dass die Betriebe nach Abarbeitung der Auftragsbestände noch von der Krise erfasst werden.

Bringt Corona außer größerer Wertschätzung für einzelne Berufe noch etwas Positives?

Eul: Neben der allgemeinen Entschleunigung, die jeder unterschiedlich wertschätzt, imponiert mir vor allem der sehr rege Informationsaustausch unter den Handwerkern in den unterschiedlichsten Medien. Neid und Konkurrenzdenken, die es vielleicht sonst gibt, sind wie weggeblasen. Wenn die Probleme größer werden, wächst auch die Solidarität.

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