Wirtschaft Die wichtigsten Versicherungen für junge Professionals

Hochschulabschluss in der Tasche, Top-Arbeitgeber, das ganze (Berufs-)Leben vor sich und dabei einen riesigen Lebenshunger. Wer diese Attribute aufweist, für den sind Schattenseiten und Schlechtwetterperioden auch gedanklich ganz weit weg. Dabei ist gerade jetzt, auf der Sonnenseite des Lebens, alle Zeit für sorgsame Absicherung in Form von Versicherungen – doch welche denn?

Jung, erfolgreich – und oftmals unterversichert. Viele Versicherungen benötigt man als Young Professional nicht. Eine Handvoll sind jedoch wirklich wichtig.
Jung, erfolgreich – und oftmals unterversichert. Viele Versicherungen benötigt man als Young Professional nicht. Eine Handvoll sind jedoch wirklich wichtig. Foto: Unsplash.com © Berkeley Communications

1. Die Privathaftpflichtversicherung

Unfälle passieren – ganz gleich, wie jung man auch ist. Und Chancen dafür gibt es unzählige. Sie reichen vom unachtsamen Umdrehen, durch das man einem Hintermann das brandneue Handy aus der Hand schlägt. Sie ziehen sich über Clubgäste, denen man versehentlich auf die Füße steigt. Und sie enden noch lange nicht, wenn man das für die Firmen-Weihnachtsfeier eingesammelte Geld im Bus vergisst.

In all solchen Fällen ist man als Verursacher derjenige, der das Portemonnaie öffnen muss – und zwar laut Gesetz in unbegrenzter Schadenshöhe. Es sei denn, man verfügt über eine Privathaftpflichtversicherung. Sie deckt folgende Situationen ab:

  1. Personenschäden,
  2. Sachschäden und
  3. Vermögensschäden.

Dieser Schutz greift dabei nicht einmal nur bei „echten“ Unfällen, sondern auch, wenn man sich grob fahrlässig verhalten hat. Und dabei ist die Privathaftpflicht eine ziemlich günstige Versicherung: Viele Tarife kosten monatlich nur einstellige Beträge!

Allerdings sollten derart niedrige Preise nicht zu Nachlässigkeit verleiten. Gerade hier muss man einige grundsätzliche Regeln einhalten. Die wichtigste: Die Mindestdeckungssumme sollte niemals unter zehn Millionen Euro liegen – speziell bei Personenschäden können solche Forderungen schnell auflaufen.

2. Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Berufsunfähigkeit hat nichts mit Berufsrisiko zu tun. Gerade wenn man jung und aktiv ist, lauern viele andere Gefahren. Foto: Unsplash.com © Thisisengineering RAEng

Als Young Professional steht man in aller Regel vor einer steilen Karriereleiter, die man möglichst zügig erklimmen möchte – doch was, wenn man beim nächsten Urlaub so unglücklich stürzt, dass man querschnittsgelähmt ist?

Leider keine Übertreibung, sondern ein alltägliches Risiko, dem auch junge Menschen unterliegen, und das dazu in der Lage ist, ihre Berufsfähigkeit herabzusetzen oder völlig zu verunmöglichen.

Mancher fragt sich nun, ob dann nicht die staatlichen Netze greifen. Natürlich, die existieren. Sie haben aber besonders für junge Menschen herbe Nachteile:

  1. Man muss mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt haben, um überhaupt für die Erwerbsminderungs- oder -unfähigkeitsrente infrage zu kommen. Kaum zu bewältigen, wenn man erst am Beginn des Berufslebens steht.
  2. Es gilt die offizielle Regel „Reha vor Rente“. Anträge werden oft abschlägig beschieden, vielfach muss man sein Recht erkämpfen.
  3. Die staatliche Rente, gerade nach wenigen Beitragsjahren, ist traurig gering, reicht kaum zum Leben.

Hier ist private Absicherung über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht nur sinnvoll, sondern geradezu verpflichtend. Gerade wenn man jung und fit ist, sollte man sie abschließen. Denn die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung sind in diesem Lebensabschnitt am geringsten – und als Young Professional arbeitet man in der Regel nicht in Risikoberufen, sodass man monatlich kaum mehr als hundert Euro einplanen muss.

3. Die Krankentagegeldversicherung

Young Professionals zählen oft zu den Gutverdienern. So schön das bei guter Gesundheit auch ist, im Krankheitsfall verkehrt sich das ins Negative. Denn wenn man länger als sechs Wochen krankgeschrieben ist – was nicht nur bei lebensbedrohlichen Krankheiten vorkommt, sondern beispielsweise „nur“ einen komplizierten Handbruch benötigt – zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld.

Nachteil Gutverdiener: Die Kassen müssen in der Höhe nur bis zu 70 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze gehen, 2020 sind das 4.687,50 Euro monatlich, abzüglich 30 Prozent also 3175,90 Euro. Davon geht aber noch der Arbeitnehmeranteil der Sozialversicherung ab. Nominell bleiben deshalb knappe 2900 Euro monatlich.

Das mag nach viel klingen. Wer jedoch durch sein wesentlich höheres Gehalt auch höhere Ausgaben hat, kommt schnell in eine finanzielle Bredouille. Die sollte durch Abschluss einer Krankentagegeldversicherung vermieden werden.

Sie füllt die Lücke auf – und bei Privatversicherten, die kein Krankengeld bekommen, übernimmt sie auch allein. Hier sollte man aber auf folgendes achten:

  1. Das Geld fließt nicht nur während des Krankenhausaufenthalts, sondern auch Reha-Maßnahmen. Die sind nämlich oft diejenigen, durch die man die sechs Wochen überschreitet.
  2. Es gibt keine Klauseln, die die Zahlung an Wohlverhalten knüpfen – teilweise gibt es beispielsweise Verträge, die nicht zahlen, wenn die Krankheit bzw. Verletzung unter Alkoholeinfluss entstand.
  3. Es gibt einige Wochen oder gar Monate „Überhang“, falls man berufsunfähig wird. Die Tagegeldversicherung zahlt also, auch wenn eine Berufsunfähigkeit festgestellt wurde, bis die Berufsunfähigkeitsversicherung greift.

Auch hier gibt es Versicherer, die monatlich nur Euro-Beträge verlangen. Abermals sollte man jedoch sehr genau prüfen, da solche Günstig-Verträge meist nicht die optimale Leistung bringen.

4. Die Auslandskrankenversicherung

Im Ausland sind Gedanken an Krankheit verständlicherweise meist weit weg. Doch wenn etwas hier passiert, hat man ohne Auslandskrankenversicherung ein veritables Problem. Foto: Unsplash.com © Chen Mizrach

Als junger Mensch mit gutem Gehalt reist man oft viel – oder muss es von Berufs wegen sowieso tun. Was jedoch viele nicht dabei bedenken ist, dass die vielbeschworene europäische Einheit bereits bei der Krankenversicherung ins Stocken kommt.

Anders formuliert: Als deutscher gesetzlich Krankenversicherter bekommt man schon direkt hinter der deutschen Grenze in anderen EU-Ländern nur einen Bruchteil der normalen Leistungen. Das Bundesgesundheitsministerium umschreibt es etwas nebulös:

„…haben Versicherte bei vorübergehenden Aufenthalten Anspruch
auf medizinisch notwendige Leistungen. Dabei gelten dieselben
 Bedingungen wie für die Versicherten des Gastlandes.“

Und Rücktransporte, Zuzahlungen und dergleichen werden gar nicht abgedeckt.

Was hier für Europa schon ziemlich schlecht aussieht, bekommt außerhalb des Kontinents eine noch viel größere Schärfe. Meist muss man in Vorleistung treten, vielfach wird die deutsche Versichertenkarte nicht anerkannt… zumindest äußerst unangenehm, selbst wenn man nur leichte Beschweren wie die typische Magen-Darm-Urlaubserkrankung hat.  

Als zumindest semi-regelmäßig reisender Young Professional sollte man deshalb unbedingt eine Auslandskrankenversicherung abschließen. Der erste Blick vor einem solchen Abschluss sollte allerdings zum eigenen Kreditkartenanbieter gehen. Oftmals inkludieren diese solche Pakete standardmäßig oder nur zu geringen Aufpreisen.

Jenseits davon sollte die Versicherung folgendes inkludieren:

  1. Keinerlei Begrenzung der jährlichen Reisetage – manche (Billig-)Policen verketten diese, sodass man als Vielreisender schnell schon keinen Versicherungsschutz mehr hat.
  2. Die Dauer der einzelnen Reise sollte realistisch sein. Wer nur häufige Normal-Urlaube sowie kurze Geschäftsreisen absolviert, benötigt keine Tarife, die gleich mehrere Monate abdecken. Diese sind eher für Work & Travel und Weltreisende gedacht.
  3. Rücktransporte werden grundsätzlich übernommen. Nicht nur, wenn sie nachgewiesenermaßen medizinisch notwendig sind. Sonst verbringt man mit etwas Pech Wochen mit einem gebrochenen Bein in einem Krankenhaus fern der Heimat.
  4. Es gibt keine Überhanggrenze. Die Versicherung zahlt auch dann noch, wenn man durch die Krankheit länger im Ausland festsitzt als die vertraglich abgeschlossene Reisedauer es abdeckt.
  5. Keine Selbstbeteiligung. Unter keinen Umständen.

Für eine solche Versicherung werden im Jahr ungefähr 50 Euro fällig. Doch auch hier sollte man wegen der großen Anbietervielfalt sehr gut vergleichen.

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