Wirtschaft Autokauf 2020: Benziner oder Elektroauto?

Wann war, mit Ausnahme vielleicht der DDR und der eingeschränkten Verfügbarkeit, der Autokauf jemals leicht? Modelle über Fabrikate reihen sich seit jeher auf den Parkplätzen und in den Showrooms der Händler auf und stellen den geneigten Käufer vor schwierige Entscheidungsfragen. Und nun kommt noch eine weitere Frage hinzu, die weit über die Frage nach dem Modell oder nach der Marke hinausgeht: Verbrenner oder Elektro? Verbrenner sind das Wohlbekannte, Elektroautos hingegen für viele Fahrer eine neue Erfahrung, die mit Unsicherheit und offenen Fragen einhergeht. Aber für was sollte sich ein Autokäufer im Jahre 2020 entscheiden? Dieser Artikel geht den Fragen auf den Grund.

Elektroautos werden immer beliebter - doch wie das Ganze von der finanziellen Seite aus?
Elektroautos werden immer beliebter - doch wie das Ganze von der finanziellen Seite aus? Foto: John Cameron / Unsplash.com

Anschaffungskosten: Benziner immer noch günstiger

Wird allein der Preis berücksichtigt, deuten alle Finger sogleich auf den Benziner. Im Vergleich der Kaufpreise ist er deutlich günstiger, wenngleich es natürlich auch günstige Elektroautos gibt. Diese Modelle lohnen sich meistens aber nicht, denn, Hand aufs Herz: Ein Autofahrer möchte dieselbe Leistung haben, die es beim bisherigen Auto gab. Elektroautos von unter 10.000 Euro besitzen oft nur eine sehr eingeschränkte Reichweite und gelten somit als Kleinstzweitwagen und »motorisierte Einkaufswagen«. Aber weshalb sind die Anschaffungskosten so wichtig?

  • Finanzierung – die meisten Kredite werden für den Kauf eines Autos aufgenommen. Jeder Euro mehr bedeutet natürlich auch eine höhere Prämie, ein höheres Risiko und eine längere Laufzeit. Diese Aspekte sollten bei der Aufnahme eines Autokredits beachtet werden.
  • Wert – der höhere Kaufpreis von Elektroautos bei ähnlichen Leistungsmerkmalen bedeutet an sich natürlich einen höheren Fahrzeugwert, doch ist unklar, ob sich der höhere Preis als echtes Wertmerkmal auswirkt. Zumal natürlich vergleichbare Verbrenner zu günstigeren Preisen verfügbar sind.

Dies sind wichtige Überlegungen, doch darf beim Fahrzeugkauf niemals der bloße Kaufpreis ausschlaggebend sein:

  • Unterhalt – die Nutzung eines Elektroautos ist im Unterhalt günstiger. Verbraucher sind nicht von Benzinpreisen abhängig, zugleich müssen sie keine CO2-Steuer befürchten.
  • Steuerlast – E-Autos sind von der Kfz-Steuer befreit.
  • PrämienE-Autos werden vom Staat und teilweise von der Kommune gefördert. Dank der Förderung sinkt der eigentlich zu entrichtende Kaufpreis deutlich ab.

Aktuell hat sich das Preisgefüge noch nicht vollständig angeglichen, doch mithilfe der Anschaffungsprämie und gezielten regionalen Förderungen könnte es durchaus bald so sein, dass E-Autos im Schnitt auch in der Anschaffung gleichauf, wenn nicht gar günstiger als Verbrenner sind.

Verbrauchskosten: Domäne der Elektroautos

Wie bereits angeschnitten, punkten Elektroautos bezüglich der Verbrauchskosten. Jeder Autofahrer weiß, welche Summen monatlich bei einem Verbrenner zusammenkommen. Die Preise an den Tankstellen sind, selbst wenn sie mal auf dem niedrigen Stand sind, hoch. Zudem schwingt das Damoklesschwert seit dem Umweltpaket der Regierung drohend über Verbrennungsmotoren. Der Überblick:

  • Antrieb – die Benzinpreise kennen oft nur die Richtung nach oben. Für Elektroautos wurden und werden jedoch neue Stromtarife geschaffen, die sich ein wenig an die Zweiphasen-Verträge damals in Haushalten mit Nachtspeichern halten. Die Aufladung des E-Autos ist losgelöst vom eigentlichen Stromverbrauch und besonders günstig. Auch unterwegs an Stromtankstellen haben die Preise nur wenig mit üblichen Strompreisen gemein. Je nach Ladeart kostet die Schnellladung unterwegs zwischen 29 und 50 Cent/Kilowattstunde (15 Kilowattstunden werden durchschnittlich je 100 Kilometer verbraucht). Zuhause liegen die Preise bei einer Wallstation bei 9,00 Euro je kompletter Ladung und durchschnittlich 39 Cent/Kilowattstunde bei der Ladung über die Steckdose.
  • Steuern – E-Autos sind von der Kfz-Steuer befreit, zudem fallen sie nicht unter die CO2-Steuer.
  • Versicherung – für E-Autos können, selbst mit dem Zusatz der Batterieversicherung, dieselben Haftpflicht- und Kaskoversicherungen wie für Verbrenner genutzt werden.

Einen Nachteil gibt es jedoch bezüglich des Unterhalts: der Akku. Autokäufer müssen sich überlegen, ob sie den Akku erwerben oder leasen. Im Mietfall ist monatlich oder jährlich ein Betrag fällig, dafür müssen sich Verbraucher nicht um die Erhaltung oder die Entsorgung der Batterie kümmern.

Modellvielfalt: Elektroautos holen auf

Spätestens seit dem vergangenen Jahr sind Elektroautos nicht mehr das Stiefkind der Autoindustrie. Die öffentlichen Forderungen wurden immer größer, sodass die Elektroflotte nicht mehr ausschließlich präsentiert wird, um die Gesamtausstoßzahlen zu minimieren. Und das bedeutet:

  • Beliebte Modelle – besonders gefragte und schon seit Jahren bekannte Automodelle kommen in Form des E-Autos neu auf den Markt.
  • Neue Modelle – es gibt gezielt neue Automodelle, die eigens auf den E-Markt abgestimmt sind.
  • Varianten – längst gibt es den voll elektrischen SUV, selbst Porsche hat schon einen elektrischen Sportwagen präsentiert.

Bezüglich der gesamten Auswahl haben die Verbrenner natürlich noch einen Vorsprung durch Jahrzehnte, doch findet Interessenten mittlerweile recht mühelos ein E-Modell nach ihrem Geschmack. Zudem ist jetzt schon absehbar, dass die Modellvielfalt weiter an Fahrt aufnehmen wird.

Infrastruktur

Mitunter zeitlich bedingt hat die Elektromobilität auf diesem Gebiet einen Nachteil. Faktisch gibt es mehr Tankstellen als Ladesäulen. Allerdings strebt die Regierung an, das Ladenetz in den kommenden Jahren massiv auszubauen und auch in anderen Lebensbereichen nachzuhelfen:

  • Eigenheimbesitzer – sie können ohnehin mühelos eine Wallstation installieren lassen und zu Hause im Nu die Batterie laden.
  • WEG – bei Wohnungseigentumsgesellschaften soll die Regelung wegfallen, dass alle WEG-Mitglieder der Errichtung einer Wallstation in gemeinschaftlich genutzten Parkmöglichkeiten zustimmen muss. Bislang ist es so, dass Eigentümer A auf seinem festen Tiefgaragenstellplatz nur nach Zustimmung eine Lademöglichkeit errichten darf.
  • Mieter – auch sie sollen einen vereinfachten Zugang zu Ladesäulen haben. Etliche Wohngesellschaften errichten heute schon Lademöglichkeiten.

Allgemein ändert sich das Bild der Ladestruktur massiv. Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern häufig gesonderte Parkplätze mit Lademöglichkeit an, auch Supermärkte, Discounter und Möbelhäuser unterhalten auf ihren Parkplätzen Schnellladezonen. Werden nun noch die Anschlüsse genormt, dürfte die Infrastruktur sich über das nächste Jahrzehnt der Tankstellensituation angleichen.

Ein eigener Ladeplatz zu Hause - aktuell sicherlich die beste Lösung für Nutzer von Elektroautos. Foto: Markus Spiske / Unsplash.com

Fazit – ruhig in Überlegung einbeziehen

Wer heute ein neues Auto kaufen möchte, der sollte die E-Autos mit in die Entscheidung einbeziehen. Sicherlich ist der Kaufpreis oft trotz Prämien noch teurer, doch im täglichen Unterhalt sind E-Autos günstig. Nachdem sich die Infrastruktur endlich verändert und Besitzer von E-Fahrzeugen immer leichteren Zugang zu Lademöglichkeiten erhalten, fällt selbst das Problem mit einer geringeren Reichweite nicht mehr allzu tragisch aus. Natürlich muss die Entscheidung letztlich von jedem selbst getroffen werden, eine Probefahrt mit einem E-Auto sollte jedoch unbedingt genutzt werden.

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