Bauernverband stützt Aufruf zur Drosselung um 20 Prozent nicht Streiken jetzt die Landwirte?

Delbrück/Hövelhof (WB). Am Freitag hat der Bundesrat der neuen Düngeverordnung zugestimmt, die den Nitratgehalt im Grundwasser auf Dauer reduzieren soll. Bis zuletzt hatte der Bauernverband auf Änderungen gedrungen und selbst 22 Vorschläge eingebracht. Angenommen wurde keiner – sehr zum Ärger vieler Landwirte in Ostwestfalen-Lippe. Dort denken einige mitten in der Corona-Krise sogar an einen Boykott.

Von Bernhard Hertlein
Ein Bauer verteilt Gülle auf einem Feld. Die am Freitag verabschiedete, für ganz Deutschland geltende neue Düngeverordnung stößt bei Landwirten nach wie vor auf scharfe Kritik.
Ein Bauer verteilt Gülle auf einem Feld. Die am Freitag verabschiedete, für ganz Deutschland geltende neue Düngeverordnung stößt bei Landwirten nach wie vor auf scharfe Kritik.

Nach Ansicht des Delbrückers Marcus Blome wäre es nur angemessen, wenn die Bauern ihre Produktion jetzt schon um jene 20 Prozent drosselten, die nach Ansicht ihrer Experten die Umsetzung der Düngeverordnung ohnehin bald kosten werde. Einen entsprechenden bundesweiten Aufruf werde er unterstützen – ebenso wie 30 bis 50 weitere Landwirte in OWL, so seine Schätzung. Milch und andere Erzeugnisse sollten möglichst nicht vernichtet, sondern an Tiere verfüttert werden.

„Bundesweite Aktion der Basis“

Blome, zu dessen Delbrücker Hof neben Schweinehaltung und Ackerbau eine Biogasanlage gehört, ist Mitglied bei „Land schafft Verbindung” (LsV). Allerdings, so betont er, sei die Aktion an der Basis entstanden und nicht von der oppositionellen Bauernbewegung initiiert. Die Düngeverordnung sei ein „ideologisch verblendetes Gesetz“. Seine Annahme passe schon gar nicht in eine Zeit, in der aufgrund des Coronavirus viele Lebensmittelimporte bis hin zu Getreide aus Russland zum Erliegen kämen. „Auf diese Art laufen wir Gefahr, bald nicht mehr genug Backmehl zu haben.“

Beringmeier: Verständnis, aber keine Unterstützung

Von Seiten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) in Münster wird der Boykottaufruf nicht unterstützt. „Ich halte es für einen Fehler, jetzt als Landwirt die Versorgungssicherheit der Bevölkerung in Frage zu stellen“, erklärt Hubertus Beringmeier . Gleichzeitig zeigt der Bauernpräsident, der in Hövelhof selbst einen Hof mit Schweinehaltung und Ackerbau bewirtschaftet, jedoch großes Verständnis für das Anliegen Blomes: „Wir sind alle sehr enttäuscht, dass auf keinen einzigen unserer Alternativvorschläge eingegangen wurde.“

Die Düngeverordnung verstärke noch die Existenzängste vieler Landwirte. Grundsätzlich seien auch die Bauern an sauberem Trinkwasser interessiert. „Aber wenn Zwischenfrüchte künftig überhaupt nicht mehr gedüngt werden sollen, dann bedeutet das, dass sie auf großen Flächen keinen Ertrag mehr erbringen.“ Der WLV werde im Interesse der Landwirte und der Versorgungssicherheit der Bevölkerung auch nach dem Bundesratsbeschluss noch das Gespräch mit den verantwortlichen Politikern suchen.

Foodwatch: Missbrauch der Corona-Krise

Unterstützung erhält der Gesetzgeber weiter von Befürwortern eines besseren Grundwasserschutzes. Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch wirft der „Agrarlobby“ vor, sie missbrauche die Corona-Krise : „Obwohl seit Jahren klar ist, dass in vielen Betrieben und Regionen viel zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten werden, die viel zu viel Gülle erzeugen, tun Agrarfunktionäre so, als gäbe es die massiven Überdüngungspro­bleme nicht.“

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