Nach Rekordjahr: Planung für Großprojekt trotz Corona auf Hochtouren
Tönnies setzt weiter auf China

Rheda-Wiedenbrück (WB). Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies (16.500 Mitarbeiter) trotzt derzeit allen Turbulenzen. Das für die Branche herausfordernde Jahr 2019 hat das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen – wie am Freitag vermeldet – mit dem Umsatzrekord von 7,3 Milliarden Euro abgeschlossen: ein Plus von fast zehn Prozent zum Vorjahr. Auch für 2020 erwartet der Konzern – trotz des Coronavirus – weiteres Wachstum.

Samstag, 07.03.2020, 02:58 Uhr aktualisiert: 07.03.2020, 05:01 Uhr
Die 202 ist die Lieferantennummer und das Markenzeichen von Tönnies in China. Die Nachfrage in Asien nach Schweinefleisch trieb die Preise und bescherte Tönnies 2019 einen Umsatzrekord.

Eine besondere Rolle spielt China – nicht nur wegen des geplanten, 500 Millionen Euro schweren Joint Ventures. „Die Nachfrage nach Qualitätsfleisch aus Asien, vor allem aus China, gestalten die Mengen und die Preise positiv. Aber der deutsche Markt bleibt für uns erste Priorität“, sagt Mitgesellschafter Maximilian Tönnies (29).

Angesichts konstanter Schlachtzahlen von 20,8 Millionen Schweinen und 440.000 Rindern ging das Umsatzplus 2019 vor allem auf den im Jahresverlauf stark gestiegenen Schweinepreis zurück. Insbesondere die steigende Nachfrage aus China trieb die Preise. Tönnies erhöhte in diesem Zuge seinen mengenmäßigen Exportanteil leicht auf 52 Prozent.

2019 „wirtschaftlich herausfordernd“

„Wir haben im vergangenen Jahr eine internationale Marktrallye wie selten erlebt“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Clemens Tönnies (63). Die erste Jahreshälfte sei mit einer durchwachsenen Grillsaison „wirtschaftlich herausfordernd“ gewesen, ab Herbst habe es ein „ordentliches Marktwachstum“ gegeben. „Unser Unternehmen hat sich im Marktvergleich besonders gut geschlagen. Wir trotzen dem Markttrend und haben über das gesamte Jahr eine sehr gute Entwicklung“, sagt Tönnies. Auch das Ergebnis sei „zufriedenstellend“, teilt der Konzern mit.

Gleichwohl sorgten die hohen Schweinepreise nicht nur für Umsatzzuwächse. Die zum Konzern gehörende Zur-Mühlen-Gruppe (ZMG), in der mehrere Wurstmarken wie Gutfried und Böklunder gebündelt sind, konnte die gestiegenen Rohstoffkosten nicht in voller Höhe an die Verbraucher weitergeben. Deshalb auch blieb der Konsolidierungsdruck in dem Bereich weiter hoch. Im Februar hat der Konzern die Entscheidung getroffen, die 2017 von der insolventen Lutz-Gruppe übernommene Produktionsstätte in Landsberg am Lech zu schließen. 77 Mitarbeiter sind von dem Schritt betroffen. „Die erhöhten Produktionskosten im Speckgürtel Münchens lassen sich wirtschaftlich nicht darstellen“, sagt Konzern-Pressesprecher André Vielstädte. Die Produkte der Regionalmarke Lechtaler sollen auf andere der elf verbleibenden Standorte der ZMG verteilt werden. Ein Vorgehen, wie es schon bei Marten in Gütersloh und weiteren Marken erfolgte.

China-Geschäft stockt seit zwei Wochen

Als Folge des Coronavirus stocke seit zwei Wochen das Geschäft mit China – das liege vor allem an Problemen in der Transportkette, sagt Vielstädte. Der Konzern erwarte aber eine schnelle Normalisierung.

Auch das Joint Venture in China mit dem örtlichen Partner Dekon komme planmäßig voran. „Die Vertragsverhandlungen laufen weiter und sollten im Frühjahr zum Abschluss gebracht werden.“ Geplant ist der Bau von Mastanlagen, eines Schweineschlachthofes und Zerlegebetriebs. „Stand heute gehen wir davon aus, trotz Coronavirus noch in diesem Jahr den Spatenstich für das Projekt zu setzen“, sagt Konzern-Geschäftsführer Andres Ruff (59).

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