Arbeitsagenturen spüren Auswirkungen des Coronavirus – Jobmarkt „robust“
In OWL mehr Anfragen zur Kurzarbeit

Bielefeld (WB). Seit zwei, drei Wochen gibt es vermehrt Anfragen in den Agenturen für Arbeit in Ostwestfalen-Lippe, bei denen Unternehmen sich unter Bezug auf Folgen des Coronavirus nach den Möglichkeiten für Kurzarbeit erkundigen. „Die Anrufe sind bisher alle vorsorglich“, erklärt Thomas Richter, Leiter der Agentur in Bielefeld. „Ein konkreter Antrag liegt zur Stunde noch nicht vor.“

Samstag, 07.03.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 07.03.2020, 08:18 Uhr
Kurzarbeit soll Betrieben helfen, schwierige Zeiten zu überbrücken. Sie soll auch Folgen des Coronavirus abmildern. Foto: dpa

Gleichwohl würde es Richter nicht überraschen, wenn demnächst auch die ersten bewilligungsfähigen Anträge auf Kurzarbeit eintreffen werden: „Dieser Ausweg aus einer momentan schwierigen Situation hat sich bei der Finanzkrise 2008 bewährt.“ Anders als bei vorangegangenen Rezessionen habe die Wirtschaft danach wieder durchstarten können. In der Zeit der Kurzarbeit wird bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten die Nettoentgeltdifferenz zu 60 bzw. 67 Prozent von der Arbeitsagentur übernommen.

Ohnehin rechnet Richter, wenn überhaupt, nur mit einer kurzen Zeit der Stagnation : „Unsere Konjunkturfachleute gehen davon aus, dass die Wirtschaft schon in der zweiten Jahreshälfte wieder wächst.“ Besonders betroffen vom Coronavirus seien die Logistik und die Gastronomie. Aber auch einige Industriebetriebe in OWL, die auf Lieferungen aus China angewiesen seien, stünden vor ernst zu nehmenden Herausforderungen. Die Nervosität in den Unternehmen sei „mit den Händen zu greifen”. Daraus dürfe keine Hysterie entstehen, appelliert Richter.

Thomas Richter

Thomas Richter Foto: Hertlein

Insgesamt sei die Situation am Arbeitsmarkt in der Region „robust“. Der von einigen Großunternehmen angekündigte Stellenabbau sei überwiegend strukturell begründet und wirke sich bislang nicht auf die Arbeitslosenzahlen aus. Bei kleinen und mittleren Betrieben sei der Fachkräftemangel noch das größere Problem.

Langzeitarbeitslose wie in Jobs gebracht

Nach Ansicht Richters ist es zuletzt auch gelungen, Langzeitarbeitslose wieder verstärkt an die normale Arbeitswelt heranzuführen. Die seit dem 1. Januar 2019 eingeführten Fördermaßnahmen im Rahmen des Teilhabechancengesetzes zeigten auch in Ostwestfalen-Lippe positive Wirkung. Insgesamt hätten in den vier Agenturbezirken der Region bislang 1398 Menschen teilgenommen. 192 von ihnen habe das Teilhabechancengesetz bereits zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung verholfen. Die meisten seien als Helferinnen oder Helfer etwa in der Logistik, in Büros oder im Landschafts- und Gartenbau untergekommen.

Das Gesetz zielt auf Menschen, die sehr lange Zeit keiner geregelten Arbeit mehr nachgingen. Die Arbeitsverwaltung übernimmt in diesen Fällen die Lohnkosten zwei Jahre lang komplett und danach noch einige Zeit zum Teil. Richter hält die Ausgaben für gerechtfertigt: „Damit die Betroffenen inte­griert werden, brauchen sie eine sehr enge Betreuung.“ Es gebe Langzeitarbeitslose, die in über 20 Jahren keinen einzigen Tag zur Arbeit gegangen seien. Sie sollten nicht aufgegeben werden.

IHK informiert Betriebe online

Die IHK Ostwestfalen zu Bielefeld bietet im Internet auf einer Sonderseite Informationen und Checklisten, die helfen sollen, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Die thematische Bandbreite reicht von arbeitsrechtlichen Fragen wie Reisen oder Home-Office, über Auswirkungen auf die Liquidität bis hin zu betrieblichen Notfallplanungen.

Derweil leiden Hotels, Restaurants und Caterer massiv unter den Auswirkungen der Coronakrise. Der Hotel- und Gaststättenverband fordert staatliche Hilfe.

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