Hauck & Aufhäuser erhält Zuschlag – Kaufpreis 250 Millionen Euro? Mit Kommentar
Oetker verkauft Lampebank an Chinesen

Bielefeld/Frankfurt (WB). Der chinesische Mischkonzern Fosun hat sich mit der Oetker-Familie geeinigt: Das traditionsreiche Bankhaus Lampe (rund 600 Mitarbeiter) geht an die zu Fosun gehörende Privatbank Hauck & Aufhäuser. Der Kaufpreis soll Medienberichten zufolge rund 250 Millionen Euro betragen.

Donnerstag, 05.03.2020, 17:23 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 15:34 Uhr
Blick auf das Bankhaus Lampe am Alten Markt in Bielefeld. Foto: Thomas F. Starke

Durch den Zusammenschluss der beiden Traditionshäuser entstehe eine der führenden deutschen Privatbanken mit rund 1400 Mitarbeitern, einem verwalteten Vermögen von rund 35 Milliarden Euro sowie einer Bilanzsumme von knapp 10 Milliarden Euro, wie Oetker am Donnerstag mitteilte. Die Lampebank hatte 2018 bei einer Bilanzsumme von knapp drei Milliarden Euro einen Konzernjahresüberschuss von 15 Millionen Euro erzielt, 2017 warn es 16 Millionen Euro, davor stets deutlich mehr.

Der Name soll erhalten bleiben

Die bisherigen Namen der beiden Häuser sollten erhalten bleiben, heißt es. Hauck & Aufhäuser und Bankhaus Lampe blickten jeweils auf eine traditionsreiche und erfolgreiche Geschichte als Privatbank zurück.

„Mit dem Zusammenschluss setzt Hauck & Aufhäuser seinen Wachstumskurs fort. Wir stärken mit Bankhaus Lampe unsere bestehenden Geschäftsfelder“, sagte Michael Bentlage, Vorstandsvorsitzender von Hauck & Aufhäuser, der Mitteilung zufolge.

Klemens Breuer

Klemens Breuer Foto: Starke

Klemens Breuer, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des Bankhauses Lampe, sagte: „Das vertrauensvolle und nachhaltige Verhältnis zu unseren Kunden steht für uns weiterhin an erster Stelle. Gemeinsam sind wir noch besser aufgestellt, um die Zukunft des Privatbankenmarktes entscheidend zu gestalten.“

Niederlassungen auch im Ausland

Heino Schmidt, Generalbevollmächtigter der Dr. August Oetker KG, ergänzte: „Wir freuen uns, dass wir mit Hauck & Aufhäuser den richtigen Partner für das langfristige Wachstum von Bankhaus Lampe gefunden haben. Das zusammengeführte Unternehmen wird eine starke Stellung in der deutschen Bankenlandschaft einnehmen.“

Heino Schmidt

Heino Schmidt Foto: Starke

Ihren Sitz hat das Bankhaus Lampe nicht etwa in Bielefeld – wo der Standort am Alten Markt zuletzt aufwändig renoviert wurde – sondern in Düsseldorf. Daneben gibt es Niederlassungen und Tochtergesellschaften in Berlin, Bonn, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Münster, Osnabrück und Stuttgart.

Mehrere Kaufinteressenten

Im September 2019 war bekannt geworden, dass Oetker sein Bankhaus auf Prüfstand stellt. Für das Bankhaus Lampe hatte es mehrere Kaufinteressenten gegeben. Nach und nach verabschiedeten sich die Schweizer UBS, der französische Bankier Philippe Oddo, dem seit 2016 schon die Frankfurter BHF-Bank gehört, sowie die Bethmann Bank, eine Tochter der niederländischen ABN Amro. Vor etwa einem Jahr hatte das Bankhaus einen Personalabbau eingeleitet.

Lampebank in Münster.

Lampebank in Münster. Foto: Paul Edgar Fels

Der jetzt unterzeichnete Kaufvertrag sieht den Erwerb aller Gesellschaftsanteile an der Bankhaus Lampe KG vor, der nach Vorliegen aller Genehmigungen der Aufsichtsbehörden vollzogen wird. Damit verbunden ist eine vollständige Übernahme und Integration aller Mitarbeiter, Tochtergesellschaften, Kunden und Standorte durch Hauck & Aufhäuser, heißt es. Die kulturelle Ähnlichkeit der beiden traditionsreichen Privatbanken werde die Zusammenführung erleichtern.

Hauck & Aufhäuser Privatbankiers kann auf eine 224 Jahre lange Tradition zurückblicken. Das Haus ist aus der Fusion zweier traditionsreicher Privatbanken hervorgegangen: Georg Hauck & Sohn Bankiers in Frankfurt am Main, gegründet 1796, und Bankhaus H. Aufhäuser, seit 1870 in München am Markt. Die beiden Häuser schlossen sich 1998 zusammen.

Reederei 2017 aufgegeben

Der Oetker-Konzern hat 2018 mit knapp 15.000 Beschäftigten 7,1 Milliarden Euro mit Lebensmitteln, Getränken, Hotels, Chemie und Bankgeschäften umgesetzt. Seit Jahren wird der Konzern umgebaut. 2017 trennte sich Dr. Oetker von der Container-Schiffart. Für 3,7 Milliarden Euro übernahm der dänische Marktführer Maersk Hamburg-Süd von den Ostwestfalen, die mit diesem Schritt rund die Hälfte ihres Umsatzes einbüßten.

Fosun kauft kräftig zu

Der chinesische Konzern Fosun ist noch an weiteren europäischen Firmen beteiligt oder bei ihnen eingestiegen. So hält Fosun am Hamburger Modekonzern Tom Tailor rund 77 Prozent der Aktienanteile. Zudem hat Fosun im Herbst 2019 die Namensrechte des insolventen Traditionsunternehmen Thomas Cook erworben.

„Der Erwerb der Marke Thomas Cook erlaubt es der Gruppe, ihre Tourismusgeschäfte auszubauen“, hatte der Chef von Fosun Tourism, Qian Jiannong, damals gesagt.

Kommentar von Bernhard Hertlein:

Ob die vermögende Kundschaft gutheißen wird, dass hinter dem neuen Eigentümer des Bankhauses Lampe ein chinesischer Konzern steht? Da wird Hauck & Aufhäuser einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Schließlich war die Zugehörigkeit von Lampe zum Oetker-Konzern in der Vergangenheit gerade für manchen erfolgreichen Familienunternehmer ein wichtiger Grund, warum er sein Geld gerade diesem privaten Institut anvertraut hat.

Nun zählt am Ende natürlich, was im Portemonnaie bleibt. Und da sind Erfolge in den Zeiten von Negativzinsen schwierig zu realisieren. Lampe ist nicht das erste Bankhaus, das verkauft wurde oder sogar ganz ausgeschieden ist. Immerhin: Hauck & Aufhäuser packt es bislang wohl.

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7312471?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Infektions-Kennziffer sinkt auf 56
In einem Testzelt hält eine Mitarbeiterin ein Röhrchen mit einer Nährlösung für einen Corona-Test in der Hand. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker