Bertelsmann-Stiftung fordert Umdenken auch bei kleinen Unternehmen
„Innovationen verschlafen“

Gütersloh (WB). Trotz guter Konjunktur und historisch niedriger Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren hat die deutsche Wirtschaft es zu großen Teilen versäumt, in Innovationen zu investieren. Nach einer Studie, die das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln im Auftrag der Gütersloher Bertelsmann-Stiftung erstellt hat, hinkt inzwischen fast jedes zweite Unternehmen in Sachen Innovation der Entwicklung hinterher.

Donnerstag, 05.03.2020, 05:00 Uhr
Bis zum Eintritt des Nachfolgers von Art de Geus führen die Vorstandsmitglieder Brigitte Mohn, Liz Mohn und Jörg Dräger die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh zu dritt. Demokratie, Völkerverständnis und Rechtsstaatlichkeit sollen Schwerpunkte der Arbeit 2020 sein. Foto: dpa

„Wir haben es uns wie die Katze am warmen Kamin gemütlich gemacht, während andere längst ihre Innovationsstrategien an die neuen Bedingungen angepasst haben“, erklärte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, am Mittwoch. Die innovativen Hotspots – Tokio, Seoul, San Francisco, Osaka und Paris – vereinten heute 22 Prozent aller weltweit vergebenen Patente. Entsprechend groß sei die Marktmacht der IT-Konzerne IBM, Mi­crosoft, Google, Intel, Huawei, Baidu und Samsung. In Europa hielten höchsten noch Konzerne wie Siemens und Philips Anschluss. Das Gros kleiner und mittelständischer Betriebe drohe dagegen, den Anschluss zu verlieren.

In diese Analyse passen die IW-Angaben, wonach 35 Prozent der befragten 100o deutschen Unternehmen intern nicht über Innovationskompetenz verfügten und Entwicklungen eher nach dem Prinzip Zufall verfolgten.

Die Bertelsmann-Stiftung will selbst in stärkerer Weise als bisher Daten, die durch Facebook, Twitter und Instagram zugänglich sind, für ihre Forschungen nutzen. Als ein Beispiel erwähnte Stiftungsvorstand Jörg Dräger ein Projekt, mit dessen Hilfe Migrationsbewegungen früher erkannt und gesteuert werden können. Ziel sei es, dem Bedarf an jährlich 260.000 Fachkräften aus dem Ausland insofern gerecht zu werden, als im Fall, dass es nicht genug Einwanderung aus EU-Ländern gebe, Personal auch darüber hinaus angeworben werden könne.

Die Bertelsmann-Stiftung hat im vergangenen Jahr 52 Millionen Euro direkt in die Projektarbeit investiert. Insgesamt waren es mehr als 90 Millionen. Für 2020 erwartet Dräger eine weitere Steigerung auf 92 bis 95 Millionen Euro. Aktuell zählt die Stiftung 386 Mitarbeiter. Die neue eigene Niederlassung in der Hauptstadt Berlin soll im April eingeweiht werden.

Liz Mohn, stellvertretende Vorsitzende im Stiftungsvorstand, betonte die große gesellschaftliche Aufgabe, Demokratie, Völkerverständnis und Rechtsstaatlichkeit zu fördern. Dies geschehe auf zahlreichen, oft prominent besetzten Dialogforen, die die Stiftung durchführe. Zentrales Thema sei ein gemeinsames Verständnis von Wahrheit. Das liege auch im Interesse der Unternehmen. „Wo die Politik nicht funktioniert, funktioniert auch die Wirtschaft nicht“, erklärte Liz Mohn.

Seit dem Ausscheiden von Art de Geus im Oktober wird die Bertelsmann-Stiftung von den verbliebenen Vorständen Liz Mohn, Brigitte Mohn und Rolf Dräger gemeinsam geführt. Der Nachfolger von de Geus, der Wirtschaftswissenschaftler Ralf Heck, wird seinen Posten am 1. August antreten.

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