„Plagiarius“ geht an die chinesische Kopie eines Schneidegeräts Alles nur geklaut

Frankfurt (WB). „Fake Shops“, die im Internet gefälschte Markenware verkaufen, wird das Geschäft zu leicht gemacht. Das kritisiert die Jury des Schmähpreises „Plagiarius“, der am Freitag zum 44. Mal auf der Messe „Ambiente“ in Frankfurt vergeben wurde.

Von Bernhard Hertlein
Original und Fälschung: das Küchen-Schneidgerät Nicer Dicer Quick (oben links), darunter Kayser Sahnekapseln, oben rechts Rucksack Wenger Ibex, unten Hundegeschirr Julius-K9.
Original und Fälschung: das Küchen-Schneidgerät Nicer Dicer Quick (oben links), darunter Kayser Sahnekapseln, oben rechts Rucksack Wenger Ibex, unten Hundegeschirr Julius-K9. Foto: Plagiarius

Leider sei es immer noch weltweit für jedermann möglich, (de-)Domains ohne Identitätsprüfung zu registrieren, klagt der Initiator des „Plagiarius“ und Designer Prof. Rido Busse (85). Auf diesen E-Commerce-Plattformen würden gefälschte Produkte weitgehend folgenlos angeboten. Busse appelliert an die Verbraucher, nicht kritiklos auf „Kaufen“ zu drücken.

Die Kopie: Schneidklingen stumpf und nicht fest verankert

Als dreistester Fälscher entlarvt wurde 2020 der chinesische Plastikhersteller Ningbo A-Biao. Der Konzern, der laut eigener Internetseite mehrfach und unter anderem von BSCI (Business Social Compliance Initiative) und dem Tüv Rheinland zertifiziert ist, erhält den „Plagiarius“ für das Küchenschneidegerät „Nicer Dicer Quick“. Es ähnelt wie ein Ei dem anderen einem gleichlautenden Gerät vom der Limburger Genius GmbH. Kopiert wurden nach Angaben der Jury Produkt- und Firmenname, Produkt- und Verpackungsdesign und sogar Text und Abbildungen der englischsprachigen Bedienungsanleitung. Lediglich das Genius-Logo sei wegretuschiert worden. Leider hätten die Chinesen minderwertige Materialien eingesetzt. „Die Schneidklingen sind eher stumpf und nicht so fest verankert“, heißt es in der Begründung. Sie könnten deshalb herausbrechen und damit den Nutzer verletzen.

Opfer sind doppelt geschädigt

Die Opfer solcher Fake-Produkten sind doppelt geschädigt. Nicht nur werden ihre Investitionen und kreativen Ideen nicht belohnt. Zusätzlich schädigen minderwertige Fälschungen noch den Ruf des Originalprodukts.

Dass Kopien kein Privileg chinesischer Unternehmen sind, zeigt der zweite Preis. Er geht an die niederländische Firma Female Foods BV, die die Sahnekapseln von Kayser Berndorf in Wien nach Angaben der Jury eins zu eins kopiert haben. Der dritte Preis wurde am Freitag gleich zweimal vergeben. Leidtragende sind zum einen der ungarische Hersteller eines Hundegeschirrs und zum anderen der Schweizer Produzent des Laptop-Rucksacks „Wenger Ibex“. Kopiert wurden sie in beiden Fällen ebenfalls von chinesischen Firmen, wobei der Rucksack von einer Firma „Swiss Bag“ (deutsch: Schweizer Taschen) mit Sitz in Jerusalem vertrieben wird.

Prämierte Fälschungen: von der Kehrmaschine bis zur Backform

Insgesamt ging der „Plagiarius“ noch an sechs weitere Fälschungen. Betroffen sind die Verpackung des von Caffé Cultura vertriebenen Espresso „Maria sole“, die Kehrmaschine „Haaga 677 Profi“ einer Herstellerfirma im baden-württembergischen Ebersbach, die Taucherlampe „Ledlenser D14.2“ eines Solinger Unternehmens, der Rasierer „Futur 700“ von Merkur (ebenfalls Solingen), die Pendelleuchte „Tilt Globe“ von Nyta UG in Karlsruhe und die 3D-Silikon-Backform „Eleganza“ eines italienischen Unternehmens. Die Kopie von „Tilt Globe“ stammt von einer Firma, deren Sitz Luftlinie nur 400 Kilometer vom Originalanbieter entfernt ist.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7247257?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F