Fleischkonzern plant an drei Standorten Wohnraum vor allem für Werkvertragsarbeiter Tönnies will Unterkünfte bauen

Rheda-Wiedenbrück (WB). Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies setzt im Kampf um Mitarbeiter und gegen Kritik an der Unterbringung von Arbeitskräften jetzt an drei Standorten auch auf eigene Werkswohnungen. Am Stammsitz Rheda-Wiedenbrück, in Badbergen (Landkreis Osnabrück) und im bayerischen Kempten will das Unternehmen Unterkünfte an Produktionsmitarbeiter – auch von Werkvertragsfirmen – vermieten. Allein in Badbergen sollen Wohnungen für 300 Mitarbeiter gebaut werden.

Von Oliver Horst
Blick in die Fleischproduktion bei Tönnies. Der Konzern will an drei Standorten für Arbeitskräfte Wohnraum schaffen.
Blick in die Fleischproduktion bei Tönnies. Der Konzern will an drei Standorten für Arbeitskräfte Wohnraum schaffen. Foto: Wolfgang Wotke

Schlachthof-Ausbau für 85 Millionen Euro

Der Tönnies-Standort nördlich von Osnabrück wird gerade für 85 Millionen Euro zum zentralen Rinderschlachthof des Konzerns für Norddeutschland ausgebaut. Im Sommer soll die Produktion dort hochgefahren und die Mitarbeiterzahl um rund 300 auf 500 steigen. Problem sei aber, dass in der Region, in der Vollbeschäftigung herrsche, weder Arbeitskräfte noch viel freier und angemessener Wohnraum zur Verfügung stünden, sagt Tönnies-Pressesprecher André Vielstädte. Deshalb sollen auch dort ausländische Werkvertragarbeiter von externen Dienstleistern eingesetzt werden. Das Unterbringungsproblem will Tönnies selber lösen.

„Dort, wo sozialverträglicher Wohnraum knapp ist und wir hohen Bedarf an Arbeitskräften haben, wollen wir unseren Beitrag für eine bezahlbare und vernünftige Unterbringung leisten“, sagt Vielstädte. Gemeinsam mit einem Partner aus dem Immobilienbereich habe der Konzern ein Wohnraumkonzept erarbeitet. Vielstädte spricht von Häusern in Modulbauweise, „mit Einheiten für eine, zwei oder vier Personen und einem ordentlichen Standard“.

In Gesprächen mit der Gemeinde über Standort für Unterkünfte

In Badbergen befinde sich der Konzern in Gesprächen mit der Gemeinde über geeignete Flächen für die Unterkünfte. „Wir wollen keine Kasernierung und Ghetto­isierung. Deshalb streben wir eine dezentrale Lösung an und wollen die Einheiten über die Stadt verteilen“, erklärt Vielstädte.

Auch mit der Stadt Rheda-Wiedenbrück führe Tönnies seit längerem Gespräche über die Schaffung von Wohnraum für Arbeiter des Fleischkonzerns. Am Stammsitz beschäftigt das Unternehmen mehr als 6000 Mitarbeiter – die Hälfte davon vor allem aus Osteuropa stammende und über externe Dienstleister angeheuerte Werkvertragsarbeiter. Deren Unterbringung wird von Kritikern immer wieder als unwürdig bezeichnet. Zudem gibt es den Vorwurf überhöhter Mieten. Der Wohnungsmarkt in Rheda-Wiedenbrück gilt indes als angespannt, die Mieten im OWL-weiten Vergleich als relativ hoch.

„Wir streben auch hier eine Lösung an. Unser Angebot steht, zu investieren“, sagt Vielstädte. Dem Vernehmen nach fehlt es bislang aber an geeigneten Flächen.

Selbst Bauherr oder nicht?

Ob der Konzern direkt als Bauherr auftritt oder ein Partner Investor ist, bleibe in beiden Fällen abzuwarten. „Vermieter soll aber ein Unternehmen der Tönnies-Gruppe sein. Damit liegt die Verantwortung auch direkt bei uns“, sagt Vielstädte.

Einen Schritt weiter ist der Konzern bereits in Kempten. Am Standort im Einzugsgebiet der Metropole München sind die Mieten stark gestiegen. Dort hat Tönnies schon 2019 bestehende Gebäude gekauft und etwa ein Dutzend Wohneinheiten für einen Teil der 50 Mitarbeiter geschaffen.

„Wir werden in diesen Fällen aktiv, um das Problem fehlenden und bezahlbaren Wohnraums zu lösen, nicht um damit Geld zu verdienen“, betont Vielstädte.

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