Thema Mieten: Vonovia-Vorstand wehrt sich gegen Vorwurf der Profitgier
„Wir sind keine Banditen“

Bielefeld (WB). Rund eine Stunde plätschert die vom Mieterbund OWL in Bielefeld organisierte Diskussion über hohe Mieten und teures Bauland vor sich hin. Dann platzt einem der 70 Zuhörer der Kragen. „Ihnen geht es doch nur um Profit. Sie denken doch nur an Ihre Aktionäre“, kritisiert der Mann ein Vorstandsmitglied von Deutschlands größter Wohnungsgesellschaft Vonovia, die an der Börse notiert ist.

Mittwoch, 05.02.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 05:20 Uhr
Diskutierten über Mieten (v.l.): Reiner Wild (Berliner Mieterverein), Arnd Fittkau (Vorstand Vonovia), Alexander Blažek (Vizepräsident Haus und Grund), Veronika Rosenbohm (Mieterbund OWL), Moderator Marcus Werner und Lukas Siebenkotten (Präsident Deutscher Mieterbund). Foto: Edgar Fels

Vonovia-Manager hat Mühe, sich zu wehren

Arnd Fittkau, der kurzfristig für Vorstandschef Rolf Buch eingesprungen ist, hat Mühe, sich zu wehren. Der Vonovia-Manager verweist auf eine Dividendenrendite von drei Prozent für Aktionäre. Er betont, dass Vonovia in diesem Jahr in Deutschland 2500 neue Wohnungen baue und der Konzern seiner sozialen Verantwortung Mietern gegenüber gerecht werde. „Wir sind keine Banditen, die mit Baggern durch die Gegend fahren“, sagt Fittkau.

„Wo beginnt die soziale Verantwortung?”

Auslöser der Debatte ist ein Fall aus der Praxis, den Moderator Marcus Werner schildert: So habe Vonovia nach einer energetischen Sanierung die Miete von 355 auf 481 Euro im Monat erhöht. Das seien 126 Euro oder 35 Prozent mehr. Da der Mieter im Gegenzug 33 Euro durch geringere Nebenkosten spare, bleibe unterm Strich eine Belastung von 93 Euro.

„Wo beginnt die soziale Verantwortung?, fragt Werner. Fittkau räumt ein, es sei ein Spagat, für eine klimagerechte Erneuerung der Gebäude zu sorgen und dauerhafte Bezahlbarkeit zu sichern. „Für Mieter, die sich die Erhöhung nicht leisten können, finden wir eine Lösung“, versichert er. Dafür gebe es bei Vonovia Quartiersmanager. Gemeinsam prüfe man die Einkommenssituation. Viele Mieter verfügten über ein Haushaltseinkommen von nur rund 1400 Euro im Monat. 15 Prozent der 400.000 Wohnungen an 400 Standorten in Deutschland seien Sozialwohnungen.

Nachfrage: 10.000 Wohnungen auf eine Million Bürger

Die Nachfrage nach Wohnraum bei Vonovia ist gewaltig, sagt Fittkau: „Auf 10.000 Wohnungen kommt eine Nachfrage von einer Million Bürger.“ Diskutiert wird auch die Frage, inwieweit ein Mietendeckel, wie er jetzt in Berlin beschlossen wurde, Mietanstieg verhindern kann, ohne Investoren zu verschrecken. Oder profitieren am Ende nur Besserverdiener?

Beispiel Lissabon

„Nein, alle profitieren“, meint Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. Er spricht dank des Mietendeckels von einer „Atempause“ für Mieter. Widerspruch gibt es vom Vizepräsidenten des Eigentümervereines Haus und Grund, Alexander Blažek. Er stellt die Verfassungsmäßigkeit in Frage – und verweist auf das Beispiel Lissabon. Dort habe der Mietendeckel dazu geführt, dass Häuser verfallen seien. Und was Berlin betreffe, so halte er einen Mietpreis von zehn Euro je Quadratmeter „nicht für grob unangemessen“. Angesichts fehlender Sozialwohnungen plädiert Blažek dafür, das Wohngeld zu erhöhen.

Mehr Engagement des Staates gefordert

Mehr Engagement des Staates für bezahlbare Mieten fordert auch der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Lukas Siebenkotten. Denn: „Der Markt ist auf dem sozialen Auge blind. Er bietet keine Lösungen für das untere Drittel an. Daher müsse der Bestand an Sozialwohnungen von derzeit 1,2 Millionen bis 2030 auf zwei Millionen aufgestockt werden. „Hier müssen Bund und Länder mindestens 6,5 Milliarden Euro an Fördermitteln pro Jahr zur Verfügung stellen.“ Und für Normalverdiener müssten pro Jahr 60.000 neue Wohnungen gebaut werden. Siebenkotten: „Der Staat muss dies durch Steuererleichterungen von drei Milliarden Euro fördern.“

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