Lebensmittelpreise: viele Verbraucher wollen Sonderangebote
Billig ist beliebt

Berlin (dpa). Zwei Kilo Hähnchenschenkel für 3,99 Euro: Im Konkurrenzkampf um die Kunden locken Supermärkte regelmäßig mit Schnäppchenaktionen für Lebensmittel. Das bringt nicht nur Bauern in Rage. Die Bundesregierung hat mit Vertretern der Supermarktketten gesprochen.

Dienstag, 04.02.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 06:46 Uhr
Prospekte verschiedener Lebensmittelhändler: Billigangebote von Lebensmitteln, gegen die auch viele Landwirte protestieren, war am Montag Thema eines Spitzentreffens der Kanzlerin mit Vertretern von Handel und Ernährungsindustrie. Foto: dpa

Was kam bei dem Treffen heraus?

Neue Gesetze seien wie zu erwarten nicht beschlossen worden, sagte Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) nach der Runde. Sie nannte aber einige Punkte, mit denen es weitergehen soll. Da ist ein gemeinsames Treffen mit Landwirtschaft und Handel. Supermärkte wollten regionale Angebote ausbauen. In einer „Beschwerdestelle“ sollten Erzeuger Fälle unfairer Praktiken melden können. Denn bisher bekämen Gemüsebauern schon mal morgens ein Fax, dass es statt 30 am Vorabend bestellter Paletten Kopfsalat nur noch 15 sein sollen. Um so etwas zu stoppen, solle eine entsprechende EU-Richtlinie rasch umgesetzt werden, sagte Klöckner. Lieferanten dürften auch nicht monatelang auf Geld warten.

Wie ist das Verhältnis zwischen Handel und Produzenten?

Die führenden Händler – Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl – kontrollieren laut Bundeskartellamt mehr als 85 Prozent des Lebensmittelmarktes in Deutschland. Klöckner sprach von einem Verhältnis wie bei David gegen Goliath: „So fühlen sich aktuell Erzeuger, wenn sie mit dem Handel verhandeln –Augenhöhe ist nicht gegeben.“ Das schlage sich auch in den Preisen nieder. Allerdings wies Merkel auch darauf hin, dass Supermärkte meist nicht direkt mit den Bauern in Kontakt stünden. Auch Verarbeiter für Fleisch oder Milch seien angesprochen.

Wie geht der Handel mit Lieferanten um?

Bei Preisverhandlungen wird oft mit harten Bandagen gekämpft. Das kann bis zum vorübergehenden Boykott bestimmter Produkte gehen, um Lieferanten unter Druck zu setzen. Das bekamen in den vergangenen Jahren sogar bekannte große Markenhersteller wie Nestlé oder Coca-Cola zu spüren. Dabei sind ihre Produkte für den Handel deutlich schwerer zu ersetzen als Angebote von Bauern und anderen kleineren Anbietern.

Wie sind die Bauern davon betroffen?

Klöckner warnt vor Dauertiefstpreisen. Wertschätzung könne nicht entstehen, wenn Fleisch, Obst und Gemüse teils verramscht würden. „Im Gegenteil: Man gewöhnt sich daran, der Handel erzieht sich seine Verbraucher.“ Leidtragende am Ende der Kette seien die Bauern. Von einem Euro, den Verbraucher für Nahrung zahlen, kommen beim Erzeuger im Schnitt noch knapp 21 Cent an, wie das Thünen-Forschungsinstitut nach Daten für 2018 ermittelte. Vor 20 Jahren waren es mehr als 25 Cent.

Was sagt der Handel zu den Vorwürfen?

Die Branche fühlt sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Der Handelsverband betonte vorab: „Lebensmittel werden hier nicht verschleudert.“ Deutschland liege bei Lebensmittelpreisen rund zwei Prozentpunkte über dem Schnitt der einst 28 EU-Staaten.

Warum setzten Supermärkte auf Billigpreise?

Trotz aller Debatten zeigt sich: Viele Kunden lieben Schnäppchen. Für fast zwei Drittel der Bundesbürger sind Sonderangebote beim Einkaufen wichtig, wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen in seiner Studie „Consumers 2019“ berichtete. Wie empfindlich viele Verbraucher beim Preis sind, erlebte vor einigen Monaten Lidl. Der Discounter wollte nur noch Bananen mit Fairtrade-Siegel verkaufen, das sollte 10 bis 20 Cent pro Kilo mehr kosten. Doch die Verbraucher spielten nicht mit und kauften bei der Konkurrenz. Am Ende musste Lidl zurückrudern.

Kommentare

Becker, Hans-Walter  wrote: 04.02.2020 12:48
wertschätzen
Die Nahrungsmittelerzeuger möchten, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Das möchte wohl jeder, der etwas für andere tut. Am besten ist die Bewertung über den Preis vergleichbar. Der Preis für die menschliche Arbeit ist aber in manchen Bereichen der Wirtschaft gesunken, so in Teilen des Dienstleistungsbereichs, dem Verkauf von Lebensmitteln z. B.
Es gibt Zahlen aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Danach ist das reale mittlere Nettoeinkommen privater Haushalte in Deutschland von 2005 bis 2017 um 15% gestiegen, aber nicht überall gleich. So ist das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen von 2000 bis 2018 nach der Studie im Kreis Herford gar nicht gestiegen, in GT um gut 5% im Kreis NF um 30%.
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