Rückgang der Apothekenzahl in Westfalen-Lippe so hoch wie nie
Negativtrend verstärkt sich

Münster (WB). Das Apothekensterben in Westfalen-Lippe beschleunigt sich. Im zurückliegenden Jahr ist der Rückgang in der Region so hoch gewesen wie nie zuvor in der Geschichte der 1945 gegründeten Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL). „65 Apothekenschließungen standen leider nur elf Neueröffnungen gegenüber“, sagt Dr. Andreas Walter, Hauptgeschäftsführer der AKWL. Die Zahl der Apotheken in Westfalen-Lippe sank unterm Strich um 54 auf noch 1868. Es war das 15. Jahr in Folge mit einem Rückgang. In OWL reduzierte sich die Apothekenzahl binnen Jahresfrist von 459 auf 452. Im Jahr 2009 waren es noch 540 Apotheken.

Donnerstag, 09.01.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 07:30 Uhr

Zahlen aus Ostwestfalen-Lippe

Die deutlichsten Rückgänge gab es nach Angaben der Kammer 2019 in den Städten Gelsenkirchen (fünf Apothekenschließungen), Hagen (vier Schließungen) sowie Recklinghausen (drei Schließungen). Jeweils zwei Apotheken verloren die Städte Bad Salzuflen, Gütersloh, Dortmund, Hamm, Herten und Siegen.

Im Kreis Minden-Lübbecke erhöhte sich die Zahl der Apotheken durch eine Neueröffnung auf 74 – 2009 waren es aber noch 87. Im Kreis Herford gibt es noch 54 Apotheken, in der Stadt Bielefeld und im Kreis Gütersloh sind es je 71, im Kreis Lippe 78 und im Kreis Paderborn 67. Im Kreis Höxter blieb die Zahl unverändert bei 37 – dort waren es 2009 noch 41 Apotheken.

Binnen 15 Jahren: 400 Apotheken vom Netz gegangen

Die Apothekerkammer sieht durch den fortwährenden Rückgang erste Auswirkungen auf eine flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln: „In einigen Regionen und Städten wird die Luft immer dünner“, sagt Walter. „Dass in Westfalen-Lippe binnen 15 Jahren sage und schreibe 400 Apotheken für immer vom Netz gegangen sind, macht sich natürlich bemerkbar, unter anderem in einer stärkeren Notdienstbelastung der verbleibenden Apotheken. Wir brauchen daher ganz dringend verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Apotheken auch weiterhin die flächendeckende Versorgung über Tag und in der Nacht gewährleisten können.“

Demografischer Wandel ein Faktor

Neben einer unzureichenden Erhöhung der Vergütung der Apotheker und der wachsenden Konkurrenz durch ausländische Versandapotheken sei auch die zunehmende Konzentration von Medizinern in Ärztezentren ein Grund für den Rückgang, erklärte die Kammer. Ein weiterer entscheidender Faktor sei der demografische Wandel: Fast 500 Apothekeninhaber seien 60 Jahre und älter, jeder zehnte sogar mindestens 70. „Wenn es uns nicht gelingt, mehr junge Apotheker für eine selbstständige Tätigkeit zu begeistern, wird sich der Negativtrend weiter fortsetzen“, befürchtet Walter.

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