Bauernpräsident befürchtet Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest
Schweinefleisch teurer

Paderborn/Münster (WB). Angesichts der sich in China weiter ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) müssen sich deutsche Verbraucher auf deutlich steigende Preise für Schweinefleisch einstellen.

Donnerstag, 09.01.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 05:03 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

„In China werden Millionen Schweine getötet, um die Tierseuche in den Griff zu bekommen. Dadurch sinkt weltweit das Angebot, die Preise und die Nachfrage gerade nach deutschem Schweinefleisch steigen aktuell“, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, Johannes Röring, in Münster. Trotz der aktuell für die Schweine haltenden Betriebe positiven Preissituation verzeichnete die gesamte Branche im abgelaufenen Wirtschaftsjahr einen Rückgang der Unternehmensergebnisse um 27 Prozent auf durchschnittlich 49.000 Euro.

Vor allem die Milchbetriebe leiden nach wie vor unter geringen Preisen für Milch, die aktuell zwischen 31 und 36 Cent pro Liter liegen. „Alle Betriebe haben aber mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen“, sagte Röring, der sich nach acht Jahren im Amt im Februar nicht mehr zur Wiederwahl als westfälischer Bauernpräsident stellt.

Turbulenzen auf den Weltmärkten durch Trump und Brexit, die gesellschaftliche Debatte über Grenzen und Nutzen der Tierhaltung – Röring hätte sich eine ruhigere Zeit zum Aufhören suchen können. „Aber nach acht Jahren soll Schluss sein“, sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes in Münster. Anfang Februar werden die Delegierten des WLV den oder die Nachfolgerin wählen – es zeichnet sich zwischen Susanne Schulze Bockeloh (Münster) und Hubertus Beringmeier (Hövelhof) ein spannendes Rennen ab.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen innerhalb der heimischen Landwirtschaft sind weiter äußerst unterschiedlich. Während die Schweinehalter – nach schwachen Ergebnissen im vergangenen Wirtschaftsjahr, das am 30. Juni 2019 endet – aktuell vom Preisauftrieb durch die hohe Nachfrage vor allem aus China profitieren, ist die Situation bei den Milchbauern weiter äußerst angespannt. „Das Preisniveau schwankt zwischen 31 und 36 Cent pro Liter. Das ist für keinen Betrieb auskömmlich“, bilanziert Röring. Angesichts immer höherer Erwartungen an die Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Produktionsverfahren und unverändert preisbewusster Verbraucher kämpft die Branche um „tragfähige Perspektiven“ für die Bauernfamilien. Röring: „Vor allem junge Leute überlegen sich, ob sie angesichts der wirtschaftlichen Aussichten nicht den Schlüssel an der Stalltür umdrehen und aufgeben.“

Nicht nur das zweite Dürrejahr in Folge, sondern vor allem der weiter harte Preiskampf gerade im Lebensmittelhandel und der sinkende Fleischkonsum im Binnenmarkt sorgt dafür, dass das durchschnittliche Betriebsergebnis der westfälischen Höfe um gut ein Viertel auf knapp 50.000 Euro sank. „Dazu kommt, dass die Kosten nicht nur für Futtermittel oder Maschinen steigen, sondern steigende Auflagen und Gesetze weiter unsere Wettbewerbsfähigkeit bedrohen. Es geht auch darum, wie sich unser dörfliches Miteinander gestalten lässt.“

Auch die politische Debatte in Berlin zum Beispiel zum Insektenschutz führe zu weiteren Unsicherheiten – neben den internationalen Turbulenzen und einer steigenden Konkurrenz aus Südeuropa und Lateinamerika.

Vor diesem Hintergrund machen sich gerade immer mehr jüngere Landwirte auf, um auf ihre Anliegen und Nöte aufmerksam zu machen. Während die Protestdemonstration im Sommer gegen eine weitere Verschärfung der Düngeverordnung noch vom Westfälisch-Lippischen Verband organisiert wurde, wurden die Traktorenkonvois im Oktober gegen das Agrarpaket überwiegend über soziale Netzwerke organisiert. Röring: „Das hat uns überrascht, ohne Zweifel. Aber wir sollten nicht zulassen, dass man die Landwirtschaft als Berufsstand spaltet.“

Stichwort Nitrat: Nach Messungen des Bundesumweltamtes und der Bundesländer weisen viele Regionen in Deutschland eine zu hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat aus. Rote Gebiete, in denen die Grenzwerte klar überstiegen werden, sind auch in Ostwestfalen. Als eine Ursache gilt intensive Tierhaltung. Deutschland muss in einem jahrelangen Rechtsstreit mit der EU nun die Nitratbelastung reduzieren, sonst fallen Strafen an. „Wir Landwirte sind dazu bereit“, sagte Röring und verweist auf erste Erfolge durch so genannte Wasserkooperationen vor Ort. Zudem läuft aktuell auch in NRW eine Überprüfung der Grundwassermessstellen. Dabei geht es um die Orte der Aufstellung, die Funktionsfähigkeit der Geräte sowie die Auswertung.

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