Commerzbank fragte Gründer nach Motiven und ihrem Vorgehen
Eigenes Geld bevorzugt

Bielefeld (WB). Die meisten Unternehmensgründer in Ostwestfalen-Lippe haben kein Studium in IT oder Künstlicher Intelligenz abgeschlossen, sondern kommen aus Handwerk , Handel, Industrie und Dienstleistung. Das ergibt eine Umfrage der Commerzbank, an der sich in OWL 150 und bundesweit 3000 Unternehmer beteiligten, die vor höchstens sechs Jahren gegründet haben.

Mittwoch, 08.01.2020, 18:53 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 19:02 Uhr
80 Prozent der Unternehmensgründer in OWL greifen zunächst überwiegend auf eigene Ersparnisse zurück. Entsprechend gering ist das zur Verfügung stehende Kapital. Foto: Grafik: Kathrin Fischer

Universitätsabschluss oder Meisterbrief?

Während bundesweit 36 Prozent der befragten 3000 Existenzgründer einen Universitätsabschluss haben, sind es in OWL nur 25 Prozent. Dagegen liegt der Anteil der Meister und Fachschulabsolventen mit 22 Prozent um sechs Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. Auch das Durchschnittsalter ist nach Angaben von Christopher Hellweg, Regionalleiter des Commerzbank-Geschäfts mit Firmenkunden, in OWL höher. In der Region seien 27 Prozent zum Zeitpunkt der Gründung älter als 50 Jahre, deutschlandweit 22 Prozent. Keinen großen Unterschied gibt es, was das Geschlecht betrifft. Bundesweit sind 78 Prozent der Existenzgründer männlich, in OWL 80.

Kaum Fremdkapital zum Start

Bei der Finanzierung ihres Start-ups greifen die Gründer vor allem auf eigenes Geld zurück. 80 (bundesweit: 78) Prozent starten Hellweg zufolge zunächst ohne Fremdkapital. Und wenn doch, dann bevorzugten sie Bankkredite und öffentliche Fördermittel. Nur drei Prozent – bundesweit neun – nähmen auch die Hilfe von Business Angels oder Venture-Kapital-Gebern in Anspruch.

Entsprechend starten die meisten mit kleinem Geld. Knapp ein Drittel der Gründer verfügt über weniger als 20.000 Euro. In dieser Hinsicht unterscheidet sich OWL nicht vom Rest Deutschlands. Wie wenig Geld das ist, zeigt sich daran, dass das Eigenkapital bei jeder zweiten Existenzgründung in OWL schon nach einem halben Jahr aufgebraucht ist.

Sein „eigener Chef sein”

Hauptmotiv für Gründung ist nach Aussage des Bielefelder Niederlassungsleiters der Commerzbank, Frank Brüggemann, der Wille, etwas Eigenes aufzubauen und sein eigener Chef zu sein. 36 Prozent geben außerdem an, sie würden Unternehmer, um mehr Geld zu verdienen; in Deutschland nennen nur 22 Prozent dies als ihr Motiv. Umgekehrt verfolgen nur 21 Prozent der wohl eher nüchtern kalkulierenden Ostwestfalen das Ziel, mit dem Start-up einen Traum zu verwirklichen; bundesweit sind es 32 Prozent.

71 Prozent würden wieder gründen

Entsprechend wollen in OWL 37 (Deutschland: 32) Prozent schon im ersten Geschäftsjahr Gewinn erzielen. Auch die Schaffung von Arbeitsplätzen ist den Gründern in OWL mit 27 (14) Prozent vergleichsweise wichtig. Trotz Problemen vor allem mit der Bürokratie und der Rekrutierung von Fachkräften erklären 71 (70) Prozent, sie bereuten den Schritt in die Selbstständigkeit nicht und ihn auf jeden Fall noch mal wagen.

Unterschiede zu früheren ähnlichen Umfragen etwa der staatlichen KfW-Bank ergeben sich nach Angaben Brüggemanns vor allem daraus, dass die Commerzbank keine Gründer befragte, die ihren Betrieb im Nebenerwerb führen. Befragt worden seien nur zum Teil nur Kunden des Instituts.

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