Ausbau an Land
50Hertz-Chef: Potenzial bei Windrädern nicht ausgeschöpft

Nicht in meinem Garten: Weil viele Bürger keine Windräder in ihrer Nähe wollen, kommt der Ausbau an Land derzeit kaum voran. Aber der neue Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz sieht noch viele Möglichkeiten.

Dienstag, 07.01.2020, 07:42 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 07:44 Uhr
Windräder ragen auf den Höhen des Vordertaunus aus der Nebeldecke. Foto: Frank Rumpenhorst

Berlin (dpa) - Der neue Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, Stefan Kapferer, sieht trotz viel Kritik Potenzial für Windräder an Land.

«Ich bin fest davon überzeugt, dass es noch viele Flächen gibt, die man dafür besser nutzen kann», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. So kämen etwa Einflugschneisen an Flughäfen für Windkraftanlagen in Frage. Hier könnte die Deutsche Flugsicherung Technologien entwickeln, die Windausbau und Sicherheit gemeinsam zulassen.

Um Fluganlagen herum gibt es in der Regel einen Schutzbereich in einem 15-Kilometer-Umkreis, in dem jedes Bauvorhaben spezielle Genehmigungen braucht. Ende Oktober standen deutschlandweit nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) rund 2100 Windenergieanlagen in den Schutzbereichen von Funkstandorten an Flughäfen. Weil es inzwischen so viele Windräder in Deutschland gebe, habe sich der Bau der Anlagen in den Schutzbereichen verlangsamt, sagte eine DSF-Sprecherin.

«Wenn die Politik aber feststellt, der Windausbau an Land wird schwieriger, dann muss sie rasch Klarheit schaffen, was den Offshore-Windausbau angeht», also Windparks auf dem Meer, sagte Kapferer. «Da wissen wir alle, dass die Akzeptanz der Bevölkerung größer ist.» Aufgrund der hohen Zahl an Volllaststunden, die die Offshore-Energie leiste, könnten deutlich größere Energiemengen erzeugt werden. «Und wir haben noch ungenutzte Flächen sowohl in der Ostsee als auch in der Nordsee.»

Ohne die Akzeptanz der Bürger könne die Energiewende aus Kapferers Sicht aber ohnehin nicht gelingen. «Es nützt nichts, wenn man politische Ziele verfolgt, die von der Bevölkerung am Ende nicht akzeptiert sind», sagte er mit Blick auf den derzeit schleppenden Ausbau der Windenergie an Land.

Um die Ziele der Bundesregierung bei den Erneuerbaren zu erreichen, müsse nicht der gesamte erneuerbare Strom aus Deutschland kommen, sagte Kapferer. Man selbst arbeite etwa an einer Verbindung nach Schweden. Ein weiterer Übertragungsnetzbetreiber, Tennet, baue derzeit eine Trasse zwischen Norwegen und Deutschland, die «weit vorangeschritten» sei. Bis 2030 will die Bundesregierung den Anteil erneuerbarer Energien von derzeit rund 43 auf 65 Prozent steigern.

Der 54 Jahre alte Kapferer war Anfang Dezember auf den Chefposten bei 50Hertz gerückt. Als einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland ist das Unternehmen für die Höchstspannungsleitungen in den ostdeutschen Bundesländern zuständig. Ein wichtiges Projekt ist derzeit der Bau der Stromtrasse Südostlink. Über die Verbindung soll Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Norden des Landes nach Bayern transportiert werden, wo es kaum Kapazitäten, aber einen hohen Bedarf gibt. Andere Betreiber setzen in den anderen Bundesländern ähnliche Projekte um.

Auch dagegen regt sich an allen Orten seit Jahren lokaler Widerstand. Die Bürger wollen nicht nur keine Windräder im eigenen Garten stehen haben, sondern auch keine Strommasten. Doch die Stimmung habe sich in den vergangenen Jahren merklich entspannt, sagte Kapferer. «Die Netzbetreiber haben deutlich dazugelernt, was die Kommunikation mit den betroffenen Anwohnern angeht.» Hinzu komme, dass ein Großteil der Kabel inzwischen unterirdisch verlegt werde. «Das hat auch ein bisschen dazu beigetragen, dass die politischen Debatten geringer geworden sind.»

In den Augen vieler Bürger habe das Thema Trassenausbau einen «Verzögerungs-Touch». Dieser sei aber nicht mehr in jedem Fall berechtigt. «Vieles hat sich verbessert.»

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