Delbrück: Außergerichtliche Einigung zwischen Artega und Micro Mobility Systems
Karo und Microlino können durchstarten

Delbrück (WB). Die beiden Autohersteller Artega in Delbrück und die Schweizer Firma Micro Mobility Systems haben ihren Streit um den Microlino-Klon Karo beigelegt. Micro Mobility Systems will sein Fahrzeug Microlino nun 2021 auf den Markt bringen – Artega sein Elektro-Stadtfahrzeug Karo Anfang dieses Jahres. Bereits Ende November 2019 hätten sich beide Unternehmen außergerichtlich geeinigt, teilten sie am Freitag mit.

Freitag, 03.01.2020, 12:09 Uhr aktualisiert: 03.01.2020, 15:40 Uhr
Der Microlino der Schweizer kommt 2021. Foto: Micro Mobility Systems

Die Unternehmen gehen von sofort an getrennte Wege. „Über die Details der Vereinbarung haben wir uns geeinigt, Stillschweigen zu bewahren“, erklärte auf Anfrage Micro-Chef und Testfahrer Oliver Ouboter. „Ich kann ihnen aber versichern, dass wir sehr zufrieden mit der Einigung sind.“ Bei Artega war am Freitag niemand für eine weiterführende Stellungnahme zu erreichen.

Der außergerichtlichen Vereinbarung zufolge erlauben die Schweizer Artega nun, den auf ihrem Microlino basierenden E-Kabinenroller Karo auf den Markt zu bringen. Im Gegenzug wird Micro Mobility Systems seinen Microlino zur Serienreife entwickeln. Die Schweizer arbeiten dabei mit dem italienischen Unternehmen Cecomp zusammen, wie es heißt.

Cecomp hatte unter anderem das Elektrofahrzeug „Bluecar“ entwickelt und produziert. Cecomp wird von der zweiten Generation Gianluca und Paolo Forneris geleitet und verfügt über fünf eigene Produktionsstätten in Europa für Prototypenbau, Produktion von Klein-und Mittelserienfahrzeugen, sowie Aluminium Karosserieteilen. Zudem ist das Unternehmen beteiligt an Icona, dem weltweit grössten Designunternehmen im Automobilbereich mit Büros in Turin, Los Angeles und Schanghai.

16.000 Reservierungen für Microlino

„Wir sind froh, die rechtlichen Streitereien hinter uns zu lassen und uns auf das zu fokussieren, wofür wir seit fünf Jahren jeden Tag kämpfen: den Microlino endlich auf die Straßen zu bringen“, sagte Micro-Firmengründer Wim Ouboter. Für den Microlino lägen mittlerweile über 16.000 Reservierungen vor. Sein Bruder Merlin fügte hinzu: „Der Microlino 2.0, wie wir ihn intern nennen, wird um ein Vielfaches besser sein als die aktuelle Version.“

Das ist der Karo von Artega, im September auf der IAA vorgestellt.

Das ist der Karo von Artega, im September auf der IAA vorgestellt. Foto: Ingo Schmitz

Derweil wird Artega den auf der Automesse IAA im September 2019 erstmals vorgestellten Karo dieses Jahr eigenständig auf den Markt bringen. „Der Markt ist groß genug für zwei Anbieter und wir arbeiten daran, unser Stadtfahrzeug mit der Artega-DNA auf den Markt zu bringen, das sich eng an dem historischen Vorbild der Isetta orientiert“, sagte Klaus Frers, Geschäftsführer der Artega GmbH.

Anleihen am Kabinenrollern der 50er Jahre

Wie berichtet, haben die Schweizer den Microlino entwickelt. Die Rechte für Entwicklung und Produktion des Microlino hatten sie an den italienischen Hersteller Tazzari vergeben. Im Dezember 2018 übernahm Artega alle Rechte für die Produktion des Schweizer E-Stadtflitzers von Tazzari.

Artega gab dann bekannt, dass man ein eigenes Modell auf Basis der Microlino-Technik auf den Markt bringen wolle – den Karolino, später umbenannt in Karo. Optisch sind sich die Fahrzeuge sehr ähnlich: Beide nehmen Anleihen an den Kabinenrollern der 50er Jahre, haben ein Stoffverdeck und kombinieren die Retro-Optik mit einem Elektro-Antrieb. Gegen die Pläne von Artega hatte Microlino eine einstweilige Verfügung erwirkt. Artega will nach eigenen Angaben zwischenzeitlich mehr als 150 Veränderungen und Verbesserungen an dem Auto vorgenommen haben.

Ende September hatte die Schweizer Familie Ouboter, Erfinder des Mikrowagens Microlino, hat ein Werbe- und Verkaufsverbot für den zum Verwechseln ähnlichen Karo der Delbrücker Autoschmiede Artega erwirkt.

„Neues Kapitel in der Elektromobilität“

Zur Markteinführung präsentiert Artega zwei Ausstattungslinien. Die „Intro“-Serie als limitierte Auflage sowie die flankierende „Edition“-Ausführung. Der „Intro“ kostet knapp 22.000 Euro, die „Edition“ wird ab knapp 18.000 Euro brutto erhältlich sein. Die Reichweite soll – je nach Batteriegröße – 125 Kilometer oder 200 Kilometer betragen. Der Karo sei bis zu 90 Stundenkilometer schnell, heißt es.

Artega ist ein Hersteller für Elektro-Automobile mit Sitz in Delbrück. Ausgangspunkt der Firmengeschichte war ab dem Jahr 2007 der Sportwagen Artega GT, von dem 153 Exemplare hergestellt worden sind. Mit dem aktuellen Projekt des Sportwagens Scalo Elletra T/C und dem Artega Scalo Superelletra mit Elektroantrieb und sowie Markteinführung des Retro-Stadtflitzers Karo-Isetta schlägt das Unternehmen nach eigener Aussage „ein neues Kapitel in der Elektromobilität auf.“

Klaus Dieter Frers ist laut Firmenhomepage der Ur-Ur-Ur-Enkel des Erfinders des Elektroautos, Christopher Becker. Dieser habe 1835 ein Fahrzeug entwickelt, das von einem Elektromotor angetrieben wurde und heute als erster Schritt zum Elektroauto gilt.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7167917?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
In Bielefeld wird wenig kontrolliert
Einhaltung der Corona-Regeln: Große Unterschiede bei Bußgeldern der Städte in NRW: In Bielefeld wird wenig kontrolliert
Nachrichten-Ticker