„Vertical Farming“: Gütersloher übernehmen Hersteller Agrilution
Miele übernimmt Gewächsschrank-Hersteller

Gütersloh (WB). Salat und Kräuter in der Küche selbst anpflanzen und ernten – diese neue Form des „Vertical Farming“ bietet künftig Miele an. Der ostwestfälische Hausgerätehersteller hat den insolventen Münchner Gewächsschrank-Hersteller Agrilution übernommen.

Montag, 09.12.2019, 15:12 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 18:32 Uhr
Gesunde Küche: Die selbst gezogenen Salate und Kräuter können nach einer bis drei Wochen geerntet werden. Der Plantcube sorgt für Licht, Wärme und Bewässerung.

Salat und Kräuter in der Küche selbst anpflanzen und ernten – diese neue Form des „Vertical Farming“ bietet künftig Miele an. Der ostwestfälische Hausgerätehersteller hat den insolventen Münchner Gewächsschrank-Hersteller Agrilution übernommen.

Zentrales Produkt des Start-ups ist ein Plantcube genannter vollautomatischer Gewächsschrank. Dieser ist etwa so groß wie ein Standardkühlschrank und bietet den Angaben zufolge „perfekte Wachstumsbedingungen bei minimalem Aufwand“. Mit dem Konzept von Agrilution baut Miele nach eigenen Angaben seine Kompetenz im Bereich kreativer Genussvielfalt und „Healthy Lifestyle“ (gesundem Lebensstil) weiter aus.

Die Übernahme erfolgt über Mieles Venture Capital GmbH, dem sogenannten Risikokapital-Geber der Miele-Gruppe mit seinen weltweit etwa 20.200 Mitarbeitern. Laut Insolvenzverwalter werden die meisten der 20 Mitarbeiter von Agrilution übernommen. Gescheitert war das Start-up dem Vernehmen nach an einer geplatzten Finanzierungsrunde. Am 25. September hatte das Unternehmen Insolvenzantrag gestellt. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Geschlossenes Ökosystem ermöglicht pestizidfreie Ernte

Vom Prinzip her bieten die „Plantcubes“, die seit März 2019 im Handel erhältlich sind und derzeit knapp 3000 Euro kosten, ein geschlossenes Ökosystem mit einfach auszulegenden Saatmatten, kontrolliertem Licht und Klima sowie einer automatisierten Bewässerung. „So steuert sich der Plantcube praktisch selbst“, teilte Miele mit. Die Ernte sei frei von Pestiziden und sonstigen Verunreinigungen. Gesteuert werde das System über die Agrilution Cloud. Einblick in den Wachstumsprozess und Hinweise zu Wartung und Ernte liefere eine benutzerfreundliche App.

„Immer mehr Menschen leben im urbanen Raum, streben aber gleichzeitig nach einem bewussten Leben und individueller Freiheit“, sagt Maximilian Lössl, der Agrilution mit seinem Partner Philipp Wagner gemeinsam gegründet hat. „Und unser Plantcube bringt frischere Salate, Kräuter und Microgreens direkt in die Küche.“ Mit „Microgreens“ sind Keimlinge gemeint, die schon nach wenigen Tagen geerntet werden und daher einen besonderen Reichtum an Aroma und Nährstoffen bieten.

25 verschiedene Salate, Kräuter und Microgreens

Aktuell bietet Agrilution 25 verschiedene Salate, Kräuter und Microgreens an, darunter auch ausgefallene Sorten wie roter Pak Choi oder Wasabina Blattsenf. Ein bis drei Wochen nach dem Start eines Plantcubes seien erste Ernten möglich, danach könne sogar täglich geerntet werden, sagt Lössl. Nur kontrolliertes und gentechnisch unverändertes Saatgut werde verwendet. Die lebensmittelechten Saatmatten, die Agrilution in München selbst produziert, bestünden zu 100 Prozent aus upgecycelten Textilresten. Und während ein einziger Salat auf dem Feld bis zu 120 Liter Wasser benötige, lässt sich mit dieser Menge ein kompletter Plantcube ein Jahr lang voll auslasten.

„Immer mehr Menschen möchten nachhaltig leben“

Bei Miele wird Agrilution von Gernot Trettenbrein (50) unterstützt, Leiter des Geschäftsbereichs Hausgeräte der Miele-Gruppe und Geschäftsführer der Miele Venture Capital GmbH. „Immer mehr Menschen möchten nachhaltig leben, sich gesund ernähren und kreativ kochen und genießen“, sagt er. „Zugleich zieht es immer mehr von ihnen in die Städte, wo es nur wenige Gärten und oft nicht einmal einen Balkon gibt. Auf all diese Trends zahlten die Plantcubes und Saatmatten von Agrilution ein. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass dieses Geschäft eine Menge Potenzial hat und auch perfekt zu Miele passt.“

Gefertigt werden die Plantcubes von einer slowakischen Tochter der Gronbach-Gruppe. „Das wird auch so bleiben“, so Trettenbrein. Gronbach sei ein Zulieferer, der schon die Vakuumierschubladen für Miele produziert. Miele machte im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umatz von 4,16 Milliarden Euro

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