US-Bank J.P. Morgan steigt als Aktionär ein – Aufsichtsrat neu gewählt
Dritter Investor für Gerry Weber

Halle (WB). Der Haller Modekonzern Gerry Weber AG kommt bei seinem Neuanfang nach der Insolvenz in Eigenverwaltung weiter voran. Die renommierte US-Investmentbank J.P. Morgan ist als dritter Aktionär eingestiegen. Für insgesamt rund 8 Millionen Euro hat sich J.P. Morgan Securities eingekauft und hält nun 16 Prozent am Konzern. Die restlichen 84 Prozent teilen sich die beiden angelsächsischen Finanzinvestoren Robus und Whitebox.

Samstag, 07.12.2019, 05:50 Uhr
Die Zentrale des Damenmodekonzerns Gerry Weber in Halle. Mit der US-Bank J.P. Morgan ist ein dritter Investor eingestiegen. Foto: Oliver Schwabe
Branchenexperte Alexander Gedat (kleines Foto) soll künftig den Aufsichtsrat führen. Der 55-Jährige leitet seit April auch das Kontrollgremium beim Herforder Herrenmodekonzern Ahlers.

Branchenexperte Alexander Gedat (kleines Foto) soll künftig den Aufsichtsrat führen. Der 55-Jährige leitet seit April auch das Kontrollgremium beim Herforder Herrenmodekonzern Ahlers.

Die Neuausrichtung des Konzerns, der am 25. Januar 2019 Insolvenz anmelden musste, sollen derweil mehrere Branchenexperten unterstützen. Wie von Robus-Geschäftsführer Benjamin Noisser angekündigt, holen sich die Investoren „sehr hochkarätige Experten“ in den Aufsichtsrat. Bei der ersten Hauptversammlung nach dem Ausschluss der Altaktionäre – und damit auch der Gründerfamilien Weber und Hardieck – wurden die Vertreter der Anteilseigner gewählt. Alexander Gedat (55), seit April Aufsichtsratschef des Herforder Modekonzerns Ahlers und bis Sommer 2017 Chef des Modekonzerns Marc O’Polo AG, soll das Kontrollgremium führen. Gewählt wurde auch Unternehmensberaterin Dagmar Heuer (64), bis Sommer Geschäftsführerin bei der Textilkette „Ernsting’s family“.

Dort arbeitete sie zehn Jahre mit Gerry-Weber-Vorstandssprecher Johannes Ehling (52) zusammen. Ehling war im Frühjahr 2018 zum Haller Modekonzern gewechselt. Inzwischen führt er den Konzern gemeinsam mit Finanzvorstand Florian Frank (47) und Produktvorstand Urun Gursu (40).

Wiederaufnahme des Börsenhandels wird vorbereitet

Mit dem Fortgang der Sanierung rückt auch die angestrebte Wiederaufnahme des Börsenhandels in den Blickpunkt. Seit dem entschädigungslosen Ausschluss der Altaktionäre zum 31. Oktober ist der Handel ausgesetzt. An der Börse werden seit Mitte November nur fiktive Kurse gesetzt – am Freitag lag dieser bei 1,50 Euro. Dabei zeigt sich reges Interesse auf Käuferseite – bislang aber geben die neuen Eigentümer noch keine Aktien ab.

Derzeit werde unter Hochdruck daran gearbeitet, die notwendigen Unterlagen für die Wiederaufnahme des Handels zusammenzustellen, sagte ein Konzernsprecher. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen sollen Aktien noch im ersten Halbjahr 2020 wieder gehandelt werden.

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Desweiteren sitzen ein Rechtsanwalt, zwei Whitebox-Vertreter und ein weiterer Investmentberater im Aufsichtsrat. Gedat soll den Vorsitz übernehmen, sobald sich das Gremium konstituiert hat.

Die neuen Aufsichtsratsmitglieder ersetzen mit sofortiger Wirkung die bisherigen Vertreter der Anteilseigner im Aufsichtsrat. Damit sind Ralf Weber, Charlotte Weber-Dresselhaus und Alexander Hardieck als letzte Vertreter der Gründerfamilien ausgeschieden. Auf der Arbeitnehmerseite machen die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder zunächst weiter.

Mit dem Einstieg von J.P. Morgan ist die Zahl der Aktien von 1,025 Millionen auf 1.22 Millionen gestiegen. Die US-Bank hat die neuen Aktien – wie zuvor die beiden anderen Investoren – zum Stückpreis von 1,01 Euro erworben – also für knapp 200.000 Euro. Zudem hat J.P. Morgan anteilig 7,8 Millionen zur Gläubigerbefriedigung und Rekapitalisierung des Konzerns bereitgestellt. Vorstandssprecher Ehling bezeichnet das Engagement als „starkes Bekenntnis“ eines sehr prominenten Investors „zu unserem Unternehmen und seinem Erfolg“.

Dem Vernehmen nach kann J.P. Morgan seinen Anteil künftig aufstocken. Die Bank hatte in der Vergangenheit Forderungen aufgekauft. Sie könnte damit – wie andere Gläubiger auch – von der Option Gebrauch machen, einen Teil der Forderungen in eine Anleihe zu wandeln und diese später in Aktien des Konzerns zu tauschen.

Durch den Einstieg der Investoren hat Gerry Weber wieder eine Perspektive. Das Insolvenzverfahren soll bis Jahresende abgeschlossen werden. Der Konzern hat in diesem Zuge hunderte Stellen abgebaut und 150 Filialen in Deutschland geschlossen. Er beschäftigt noch 3600 Mitarbeiter. Die ausstehende Bilanz für das Geschäftsjahr 2017/18 indes will der Konzern nun statt am 22. Dezember erst Ende Januar vorlegen.

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