Onkel will Millionen für Neffe freigeben – Konzern eröffnet US-Büro Bewegung im Tönnies-Streit

Rheda-Wiedenbrück (WB). Im Kampf um Geld und Macht an der Spitze des Rheda-Wiedenbrücker Fleischkonzerns Tönnies gibt es ein Zeichen der vorweihnachtlichen Annäherung. Clemens Tönnies (63) hat angekündigt, dass sein Neffe und 50-Prozent-Mitgesellschafter Robert Tönnies (41) bislang blockierte Auszahlungen erhalten soll. Derweil treibt der Konzern sein Auslandsgeschäft mit einem ersten Vertriebsbüro in den USA weiter voran.

Von Oliver Horst und Paul Edgar Fels
Clemens Tönnies (63, links) hat angekündigt, dass sein Neffe und 50-Prozent-Mitgesellschafter Robert Tönnies (41) bislang blockierte Auszahlungen erhalten soll.
Clemens Tönnies (63, links) hat angekündigt, dass sein Neffe und 50-Prozent-Mitgesellschafter Robert Tönnies (41) bislang blockierte Auszahlungen erhalten soll. Foto: dpa/Archiv

Entnahme von 20 Millionen vor Vollzug

Seit Jahren streiten sich Onkel und Neffe. Im konkreten Fall geht es um eine Entnahme von 20 Millionen Euro, die Robert Tönnies vertraglich zugesichert war. Das Geld ist eine von zwei Tranchen, mit denen der Neffe den Kauf für den 25-Prozent-Anteil seines nierenkranken Bruders begleichen will. Die Auszahlung hatte der Konzern bislang mit Verweis auf eine wirtschaftlich schwierige Situation ausgesetzt. Robert Tönnies hatte daher Klage eingereicht.

Die Lage des Unternehmens habe sich im zweiten Halbjahr verbessert. Deshalb werde die Entnahme nun vollzogen, sagte Konzernlenker Clemens Tönnies in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“.

Robert Tönnies hält an Schiedsklage fest

Robert Tönnies wertet das aber kaum als Friedensangebot im tiefen Familienkonflikt . Der Streit um die Entnahmen spiele für ihn nur eine untergeordnete Rolle, erklärte er. Wegen der grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des Konzerns halte er daher weiterhin an der von ihm eingereichten Schiedsklage mit dem Ziel zur Trennung der Gesellschafter fest.

Die Hälfte des Tönnies-Fleisches geht ins Ausland.

Die Tönnies-Gruppe setzt ihre Internationalisierung fort und hat nun in Chicago ihr erstes USA-Büro eröffnet. Ziel sei es, den Verkauf von Schweinefleisch aus dem Hause Tönnies in Übersee weiter zu steigern. „Die Amerikaner kriegen wir allein mit Rippchen nicht satt“, hatte Konzernchef Clemens Tönnies vor geraumer Zeit augenzwinkernd erklärt.

Konzern: Knapp die Hälfte der Ware geht ins Ausland

Tönnies, mit einem Umsatz von 6,65 Milliarden Euro Deutschlands größter Fleischkonzern, verkauft etwa die Hälfte seiner Ware ins Ausland, das meiste davon innerhalb der EU. Auf Platz zwei folgt Asien mit Ländern wie China , Japan und des Philippinen. Das Exportvolumen in die USA ist derzeit vergleichsweise gering, soll aber ausgebaut werden. Konkrete Zahlen nennt Tönnies nicht.

Die Nachfrage in den USA und Kanada nach Schweinefleisch sei groß, sagt Frank Duffe, Vorstand International von Tönnies. Dabei lägen die Erzeugerpreise deutlich unter den deutschen und europäischen Schweinepreisen.

Arbeit des Büros in Chicago offiziell gestartet

Niels Villesen, Vorstandschef der dänischen Tönnies-Tochter Tican und neuer Geschäftsführer für die USA, hat gemeinsam mit Thomas Hilligsoe von Tönnies Nordic in dieser Woche die Arbeit des Büros in Chicago offiziell gestartet. „Mit einem eigenen Handelsbüro können wir die Beziehungen in Nordamerika noch besser ausbauen“, sagt Duffe. „Unsere Produkte sind weltweit gefragt.“

Der Fleischexport in die USA – überwiegend Schweinefleisch – erfolge über Tönnies Nordic von Dänemark aus.

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