Umsatz leicht rückläufig – Neue Zollschranken zwingen zu Investitionen vor Ort Harting von der Politik ausgebremst

Espelkamp (WB). Erstmals seit der Finanzkrise ist der Umsatz der Espelkamper Technologiegruppe Harting leicht zurückgegangen. Im Unterschied zu der Bilanz vor zehn Jahren beträgt das Minus im Geschäftsjahr 2018/19 (30.09.) allerdings nur 1,6 Prozent. Damals war der Rückgang nach Angaben der Finanzchefin Maresa Harting-Hertz zweistellig.

Von Bernhard Hertlein
Gesellschafter und Geschäftsführer vor einem Elektro-Porsche (von links): Michael Pütz, Dietmar, Philip und Margrit Harting, Maresa Harting-Hertz und Andreas Conrad.
Gesellschafter und Geschäftsführer vor einem Elektro-Porsche (von links): Michael Pütz, Dietmar, Philip und Margrit Harting, Maresa Harting-Hertz und Andreas Conrad. Foto: Benhard Hertlein

Zweithöchster Umsatz in der Unternehmensgeschichte

750 nach 762 Millionen Euro sind immer noch der zweithöchste Umsatz in der fast 75-jährigen Unternehmensgeschichte. Gleichwohl erzwingt der leichte Rückgang grundlegende Weichenstellungen, erklärte der Vorstandsvorsitzende Philip Harting. Als Grund nannte er am Freitag tief greifende Veränderungen im Weltmarkt. Der neue Protektionismus insbesondere in den USA und in China führe dazu, dass das Unternehmen künftig noch stärker als bisher vor Ort produzieren werde.

Das hat Folgen für die Belegschaft. Erstmals beschäftigt Harting mehr Mitarbeiter im Ausland (2655) als im Inland (2613). Das wird sich, so der Vorstandschef, künftig eher noch verstärken. Gleichwohl müsse dies keine negativen Folgen für den Unternehmenssitz in Ostwestfalen haben. Im vergangenen Geschäftsjahr wurden im Inland sogar 36 Stellen zusätzlich geschaffen, erklärte der fürs Personal zuständige Geschäftsführer Michael Pütz. Und trotz des leichten Umsatzrückgangs sei Kurzarbeit derzeit kein Thema.

Trump bremst Lieferungen aus China aus

Im einen Fall, so berichtete Senior Dietmar Harting am Freitag, habe man 2019 die Produktion in Espelkamp deutlich hochfahren müssen. Das war, als US-Präsident Donald Trump 25 Prozent Einfuhrzoll auf Elektroartikel und damit auch Steckverbinder speziell aus China verfügte. Wäre das Stammwerk nicht eingesprungen, hätte Harting nicht marktgerecht liefern können.

Seit diesem Jahr produziert das Unternehmen das wichtigste Produkt, den Han-Stecker, auch im US-Werk in Elgin bei Chicago. Der Standort soll nach Angaben von Geschäftsführer Andreas Conrad ebenso wie die Werke in Rumänien, China und Indien ausgebaut werden. Insgesamt sollen die Investitionen 2019/20 fast das Niveau vom vergangenen Jahr erreichen. Da floss ein großer Teil der 66 Millionen Euro in das im Juni eingeweihte neue European Distribution Center in Espelkamp.

Windkraftanlagen in der Krise, E-Mobilität im Ausbau

Politischen Einfluss spürt Harting auch auf deinem anderen Feld. Der Bau von Windkraftanlagen, in den vergangenen Jahren ein Wachstumsbringer, ist in Deutschland in der Krise. Allerdings steige die Nachfrage aus dem Ausland, erklärt Philipp Harting.

Stark wachsend sei die Nachfrage nach Ladesteckern für Elektroautos. Hier sind die Espelkamper insbesondere beim Audi e-tron und dem Porsche Taycan im Geschäft. Mobilität trägt noch in deinem ganz anderen Bereich zum Wachstum der Technologiegruppe bei: In Indien wird der Eisenbahnverkehr ausgebaut; die schweren Elektroverbindungen zwischen Lokomotive und den Waggons liefert in vielen Fällen das Harting-Werk in Chennai.

Rückgänge in Deutschland und Amerika

Regional hat sich Harting sehr unterschiedlich entwickelt. In Deutschland, wo immer noch mehr als 28 Prozent des Umsatzes erzielt werden, ging dieser um acht Prozent zurück. Mit neun Prozent war das Minus in Amerika noch etwas größer. In Asien blieb der Umsatz stabil. Und in der Region EMEA (Europa ohne Deutschland, Naher Osten und Afrika) ist er sogar um sechs Prozent gestiegen.

Und 2020?

Für das neue Geschäftsjahr, das 75. in der Unternehmensgeschichte, geht Philip Harting von einem stabilen, vielleicht sogar noch einmal leicht rückläufigen Umsatz aus. Das Ergebnis sei im vergangenen Jahr trotz Umsatzminus und Beschäftigungsaufbau noch „befriedigend” gewesen.

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