Freibetrag wirkt – Negativzins für Kunden bleibt Thema auch in OWL Strafzins: EZB entlastet Banken

Bielefeld (WB). Obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) die Negativzinsen für bei ihr geparktes Geld erhöht hat, zahlen die meisten Banken nun weniger. Eine neue Freibetragsregelung macht’s möglich. Trotzdem drohen Kunden weiterhin Strafzinsen – wenn auch zumindest in OWL Normalsparer verschont bleiben sollen.

Von Oliver Horst
Die Zentrale der EZB in Frankfurt: Mit den rückläufigen Leitzinsen in der Eurozone wurden auch Minuszinsen für bei der Europäischen Zentralbank geparktes Geld eingeführt. Seit Juni 2014 müssen Geldhäuser diese Strafzinsen zahlen.
Die Zentrale der EZB in Frankfurt: Mit den rückläufigen Leitzinsen in der Eurozone wurden auch Minuszinsen für bei der Europäischen Zentralbank geparktes Geld eingeführt. Seit Juni 2014 müssen Geldhäuser diese Strafzinsen zahlen. Foto: dpa

Mit der Verschärfung des Einlagezinssatzes für Banken von minus 0,4 auf 0,5 Prozent im September hat die EZB ab Oktober auch den Freibetrag für die Banken versechsfacht, bis zu dem sie keine Strafzinsen zahlen müssen. Auf Jahressicht könnte die Belastung der deutschen Geldhäuser damit von zuvor drei auf nun noch zwei Milliarden Euro sinken.

Die Bankenbranche spricht von einer spürbaren Entlastung, weist aber auch auf die nach wie vor bestehenden hohen Kosten durch die Negativzinsen hin. »Die Banken zahlen bereits seit mehr als fünf Jahren Strafzinsen«, erklärt Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken. Seit 2014 seien es in Summe 7,5 Milliarden Euro. Um das aufzufangen, ist auch die Anhebung der Gebühren etwa für die Kontoführung eine Reaktion vieler Institute. Eine andere, weniger verbreitete Maßnahme ist die Weitergabe der Strafzinsen an Kunden bei hohen Einlagen. Das gilt vor allem für Firmen und Institutionen.

Die konkrete Entlastung durch die neuen Regeln der EZB wollten Institute in OWL nicht beziffern – auch, weil sich die Zentralbank kurzfristige Änderungen vorbehält. Der Schritt aber wird durchweg begrüßt. Die Sparkasse Paderborn-Detmold spricht von einer »leichten Reduzierung der Belastung«. Die Summe der EZB-Entscheidungen habe aber insgesamt zu weiterem Druck auf das Zinsniveau geführt. »Das halten wir nach wie vor für sehr kritisch«, sagt Pressesprecher Elmo Spieß. Derzeit gebe es bei der Sparkasse nur für institutionelle und Firmenkunden mit hohen Einlagen Verwahrentgelte. »Mit Privatkunden führen wir diese Gespräche aktuell noch nicht.«

Ähnlich äußert sich Dennis Will von der Volksbank Bielefeld-Gütersloh: »Der Druck durch die Niedrigzinspolitik auf unsere Erträge ist natürlich gegeben und die Zinspolitik der EZB macht das Bankgeschäft nicht einfach.« Die rückläufigen Zinserträge seien eine »große Herausforderung für die gesamte Branche und auch für uns«. Negativzinsen gebe es bei einigen Firmenkunden und institutionellen Anlegern, mit denen aber auch individuelle Freibeträge vereinbart seien und über alternative Lösungen mit Mittelfristanlagen gesprochen werde. »Privatkunden sind von dem Verwahrentgelt nicht betroffen«, sagt Will.

Die Verbund-Volksbank OWL spricht derweil einerseits von einer »leichten Entlastung« durch den Freibetrag, andererseits werde dieser Effekt aber durch die Erhöhung des Negativzinssatzes wieder ausgeglichen. »Insgesamt hat sich dadurch an dem für uns belastenden Negativzins-Umfeld nichts verändert«, erklärt Pressesprecherin Sylvia Hackel. Verwahrentgelte berechne das Institut »derzeit nur für gewerbliche und institutionelle Kunden bei Einlagen ab einer Million Euro«.

Ab dieser Höhe führt die Sparkasse Bielefeld auch mit Privatkunden Gespräche. Vor allem mit gewerblichen und institutionellen Kunden müsse es zudem weiterhin individuelle Vereinbarungen zu Minuszinsen geben, »weil sonst jede Ersparnis der Neuregelung wieder weg wäre«, sagt Sprecher Christoph Kaleschke.

Auch bei der Commerzbank sollen Strafzinsen für die breite Masse der Privatkunden tabu bleiben, betont Sprecherin Sonja Habig. Im Fall von höheren sechsstelligen Summen werde aber – wie auch bei gewerblichen Kunden – das Gespräch gesucht, um durch alternative Anlagen die Weitergabe der Minuszinsen zu vermeiden. Ebenso verfährt die Deutsche Bank, wie ein Sprecher erklärte.

Kommentare

Ich bin mir nicht sicher, ob eine Sprecherin Kerstin Altendorf vom Bundesverband deutscher Banken wirklich von "Strafzinsen" sprechen würde. Schließlich wollen Banken damit niemanden 'bestrafen'. Ist das nicht eher ein von den Medien kreierter Begriff, um dem Thema noch mehr Schärfe zu verleihen!?
Kreditinstitute sind und bleiben halt auch Wirtschaftsunternehmen und müssen wirtschaftliche Entscheidungen treffen.
Wie Medienverlage übrigens auch...

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