Rückläufige Nachfrage in der Stahlrohrsparte – Standort Dinslaken besonders betroffen Benteler will 600 Stellen abbauen

Salzburg/Paderborn (WB). Die Benteler-Gruppe will im Stahlrohrbereich bis Ende 2022 etwa 600 Arbeitsplätze abbauen. Als Begründung nennt der Konzern weltweit rückläufige Preise. Besonders betroffen ist offenbar der Standort Dinslaken. In Paderborn gehören zwei Werke zur Stahlrohrsparte. Hinzu kommen weitere Betriebe in Lingen und Bottrop. Indessen will Benteler auch Stellen in vierstelliger Höhe im Bereich Automotive abbauen.

Von Bernhard Hertlein
Am drei Standorten in Paderborn arbeiten insgesamt 2400 bis 2500 Beschäftigte in der Stahlrohr-Sparte.
Am drei Standorten in Paderborn arbeiten insgesamt 2400 bis 2500 Beschäftigte in der Stahlrohr-Sparte. Foto: Benteler

Wo Stellen abgebaut werden sollen

Ausdrücklich erwähnt werden in der Pressemitteilung das Benteler-Werk in Dinslaken, wo 600 Mitarbeiter beschäftigt sind, sowie Überkapazitäten im Schweißrohrbereich und bei Nahtlos-Stahlrohr. Anpassungen werde es auch in der Verwaltung geben, erklärt das Unternehmen. Detaillierte Zahlen werden noch nicht genannt. Es würden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufgenommen, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Der Stellenabbau soll, so erklärt der Finanzchef der Stahlrohrsparte, Tobias Braun, im Verlauf von drei Jahren sozialverträglich vorgenommen werden.

Investitionen bereits zurückgestellt

Erst kürzlich hatte Benteler auf Anfrage bestätigt, dass geplante und in einem Standortsicherungsvertrag zugesicherte Investitionen in der Stahlrohrsparte zurückgestellt werden sollen. Eine entsprechende Erklärung erfolgte beim turnusmäßigen Treffen der Steuerungsgruppe »Standortsicherung« in Paderborn. Diese war bei Abschluss des Tarifvertrags 2016 vereinbart worden. Mitglieder sind außer der Geschäftsführung von Benteler auch der Arbeitgeberverband, der Betriebsrat und die IG Metall. Benteler beschäftigt in der Division Steel/Tube an zwei Produktionsstandorten und in der Verwaltung in Paderborn insgesamt 2400 bis 2500 Mitarbeiter.

IG Metall wirft Management »Kopflosigkeit« vor

Carnelo Zanghi, Erster Bevollmächtigter der Gewerkschaft IG Metall in Paderborn, kritisierte, dass bei dem Treffen der Steuerungsgruppe Ende vergangener Woche kein Wort von einem gleichzeitigen Personalabbau gesagt worden sei. »So schnell kann sich die Marktlage nicht ändern, dass dies noch nicht absehbar gewesen ist.« Zanghi wirft dem Benteler-Management »Kopflosigkeit« vor. Die Beschäftigten verzichteten aufgrund des Standortsicherungsvertrages Monat für Monat auf Geld. Nun solle auch die Arbeitgeberseite ihre Verpflichtungen einhalten, so der Gewerkschaftssprecher.

Überkapazitäten auf globalem Stahlmarkt

Dass der Stahlmarkt stark unter Druck steht, zeigen auch Berichte über Personalabbau bei anderen Konzern, etwa Thyssenkrupp und Tata. Insbesondere in Osteuropa und China wurden in denen vergangenen Jahren Kapazitäten neu aufgebaut, die offenbar nicht vom Markt abgenommen werden. Vor allem in den USA und in China ist die Nachfrage insgesamt rückläufig, heißt es bei Benteler.

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