Cyberkriminalität trifft immer häufiger auch Unternehmen in Ostwestfalen
IHK rät: kein Lösegeld zahlen!

Berlin/Bielefeld (WB/ef/dpa). Opfer einer digitalen Schutzgelderpressung – Experten sprechen von Ransomware-Angriffen – sollten das verlangte Lösegeld nicht zahlen. Das rät Lars Döhler von der IHK Ostwestfalen-Lippe. »Man darf nicht vergessen: Es handelt sich hier um Kriminelle.«

Donnerstag, 07.11.2019, 08:00 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa

Döhler verweist auf einen Fall aus der jüngeren Vergangenheit: Ein Unternehmer aus Ostwestfalen kam nicht mehr an seine Daten und zahlte das verlangte Lösegeld von einigen tausend Euro, um die Sperre im Computersystem aufheben zu können. Doch der sogenannte »Schlüssel«, den er daraufhin von seinem Erpresser erhielt, funktionierte nicht. Das Geld war futsch und das Problem nicht behoben. Döhler rät den Unternehmen, präventiv tätig zu werden und ihre IT besser zu sichern. Wertvolle Daten sollten am besten so geschützt werden, dass sie nicht über das Internet gestohlen oder manipuliert werden können.

»Umfang und Qualität der Angriffe auf Unternehmen haben dramatisch zugenommen«, sagte am Mittwoch Achim Berg, der Präsident des Digitalverbandes Bitkom. In Berlin stellte Berg die Ergebnisse einer Befragung von mehr als 1000 Wirtschaftsvertretern vor.

Allerdings gibt es nicht nur Cyberattacken, sondern auch weiterhin Übergriffe in der analogen Welt. Einem knappen Drittel der Befragten wurden IT- oder Telekommunikationsgeräte gestohlen. Fast jedem Sechsten wurden physische Dokumente, Unterlagen, Muster, Maschinen, Bauteile und ähnliches entwendet.

Die Stoßrichtung der Angriffe sei vielseitig, sagte Berg. Bei großen Ausschreibungen versuchten Wettbewerber Details zu Angeboten in Erfahrung zu bringen. Auch Informationen über Patente und neue Entwicklungen, zum Beispiel im Autobau, seien begehrt.

Eine wichtige Rolle spielt so genanntes Social Engineering, bei dem Spitzel Menschen manipulieren und täuschen, um in den Besitz sensibler Daten zu gelangen. Ein Fünftel der Unternehmen hat einen solchen Angriff in der analogen Welt erlebt, ein Sechstel in der digitalen. Häufig gehe es zum Beispiel darum, mögliche Passwörter in Erfahrung zu bringen, sagte Berg. »Das kann man analog machen, indem ich mit Ihnen spazieren gehe und frage: Wie heißt eigentlich Ihr Hund?« – oder eben digital, zum Beispiel durch die Auswertung sozialer Netzwerke.

Der größte Anteil von 39 Prozent entfiel auf Angriffe aus Deutschland – jedenfalls nach Einschätzung der Unternehmen. Auch Osteuropa, China und Russland sind wichtige Akteure. Die Täter sind nach Ansicht der Befragten in einem Drittel der Fälle ehemalige Kollegen, die absichtlich handelten, in 38 Prozent hatten sie Privatpersonen wie Hobby-Hacker im Verdacht.

Ein Fünftel der Taten wird konkurrierenden Unternehmen zugeschrieben, ein weiteres Fünftel der Organisierten Kriminalität. In zwölf Prozent vermuten die Befragten ausländische Geheimdienste hinter den Angriffen.

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