Auch in Ostwestfalen zahlten Unternehmen bereits »Lösegeld«
Datenklau bei Firmen nimmt drastisch zu

Bielefeld (WB). Die Schäden durch kriminelle Attacken auf Unternehmen in Deutschland erreichen mit über 100 Milliarden Euro jährlich eine neue Rekordhöhe. Auch immer mehr Firmen in Ostwestfalen-Lippe gehören zu den Opfern.

Donnerstag, 07.11.2019, 02:00 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 10:22 Uhr
Hacker dringen in Firmen­IT-Netze ein. Foto: dpa

Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen sind es vor allem zwei Maschen, mit denen Kriminelle zum Teil große Schäden bei den Firmen anrichten: Zum einen die Methode mit Ransomware – also eine Erpressungssoftware, mit deren Hilfe sie sich Zugriff auf das Computersystem des Unternehmens verschaffen und die Produktion lahmlegen. Um die Datensperre wieder zu lösen, verlangen sie Geld – und zwar deutlich mehr als noch vor ein oder zwei Jahren.

»Hier sind bereits Lösegelder von 5000 oder 15.000 Euro gezahlt worden«, sagt Lars Döhler von der IHK Ostwestfalen. Döhler ist beim Thema Cyberkriminalität Ansprechpartner für die Unternehmen. Die Lösegeldzahlung erfolge dann meist über die Digitalwährung Bitcoin. Döhler: »Viele Firmen zahlen, weil sie durch einen Produktionsausfall noch höhere Schäden befürchten.« Das wüssten auch die Kriminellen, die sich daher mit Forderungen von 500 oder 1000 Euro nicht mehr begnügen wollten.

Kunden- und Lieferantenlisten

Eine zweite oft genutzte Masche sei es, wichtige Firmendaten wie Kunden- und Lieferantenlisten zu stehlen. Dies geschehe etwa dadurch, dass man das Passwort für den firmeneigenen Postaccount nutzt. Ehemalige Mitarbeiter kämen hier als Täter in Frage, so die IHK. Döhler: »Diese Daten könne für einen Wettbewerber Gold wert sein.« Dieser könne das Unternehmen mit entsprechenden besseren Angeboten ausstechen.

»Die Angriffe auf Unternehmen haben in den vergangenen Monaten zugenommen«, sagt Döhler, genaue Zahlen nannte er aber nicht – auch nicht zum möglichen wirtschaftlichen Schaden allein in OWL. Bekannt ist allerdings, dass die Firewalls von Konzernen auch in der Region zum Teil täglich über 1000 Attacken abwehren.

102,9 Milliarden Euro Schaden

Deutschlandweit liegt der Schaden nach Schätzungen bei 102,9 Milliarden Euro. Der Digitalverband Bitkom sprach am Mittwoch in Berlin von »Rekordschäden«. Der Schaden durch analoge und digitale Angriffe ist demnach fast doppelt so hoch wie vor zwei Jahren, als der Branchenverband noch von 55 Milliarden Euro im Jahr ausging.

Drei Viertel der Unternehmen waren in den zwei Jahren vor dem Befragungszeitraum (Ende April bis Mitte Juni 2019) von Angriffen betroffen, weitere 13 Prozent vermuten dies. Diese Attacken haben auch häufiger einen Schaden verursacht als zuvor. Bei rund jedem fünften Betrieb sind sensible digitale Daten und Informationen entwendet worden, 17 Prozent berichten von digitaler Sabotage.

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