Behörden bringen bisher 37 Krankheitsfälle mit Produkten in Verbindung
Ermittler überprüfen bisher bekannte Todesfälle im Fall Wilke

Kassel/Twistetal (dpa). Im Fleischskandal um die Firma Wilke nehmen Ermittler nun die bisher bekannten Krankheits- und Todesfälle unter die Lupe . Sie untersuchen, ob sich eine Verbindung mit den Listerienkeimen beweisen lässt und wie sie strafrechtlich zu bewerten ist.

Mittwoch, 06.11.2019, 16:06 Uhr aktualisiert: 06.11.2019, 16:10 Uhr
Behörden bringen bisher 37 Krankheitsfälle mit Wilke-Produkten in Verbindung. In drei Fällen sollen die Keime für den Tod verantwortlich sein. Nun befassen sich Ermittler mit der Frage, was sich strafrechtlich beweisen lässt. Foto: dpa

»Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Ableben besteht und welche Krankheitssymptome die Infizierten durch die Listeriose erlitten haben, wird nunmehr ermittelt«, sagte Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft in Kassel.

Lebensgefährliche Keime

Anfang Oktober hatten Behörden den nordhessischen Fleischhersteller geschlossen. Zuvor waren wiederholt Listerien in Produkten nachgewiesen worden. Die Keime können bei geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Geschäftsführer.

Laut Thöne hatte das Robert-Koch-Institut eine anonymisierte Liste der bislang bekannt gewordenen Erkrankungsfällen übermittelt. Darauf verzeichnet seien Fälle mit dem Keimstamm »Sigma 1«, der in direkten Zusammenhang mit Produkten der Firma Wilke gebracht werde.

Die Liste entspricht den 37 Fällen, auf die sich auch hessische Gesundheitsbehörden immer wieder bezogen. »Aus dem Kreise dieser 37 Personen wurden drei Verstorbene benannt, deren Tod möglicherweise auf eine Listeriose zurückzuführen ist«, sagte Thöne.

Weitere Todesfälle

Allerdings gab es unter diesen 37 Krankheitsfällen mittlerweile neue Tote: 22 weitere sind verstorben. »Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass eine Listerieninfektion für den Tod dieser Personen ursächlich war, liegen gegenwärtig nicht vor«, sagt Thöne. Damit gibt es nun insgesamt 25 Todesfälle - aber nach wie vor nur drei, bei denen die Infektion Todesursache sein soll.

Dennoch würden auch die neuen Todesfälle auf eine bestehende Krankheitssystematik und einen ursächlichen Zusammenhang hin überprüft. Allerdings hätten die Verstorbenen teilweise bereits ein sehr hohes Lebensalter und teilweise massive andere Erkrankungen gehabt.

Die Strafverfolger prüfen zudem die drei bisher bekannten Todesfälle, bei denen man von einer Listerieninfektion als Ursache ausgeht. Denn der letzte Beweis fehlt auch hier. »Ob dies tatsächlich der Fall ist, das heißt, ob ein Kausalzusammenhang zwischen einer Listerieninfektion und dem Ableben in diesen drei Fällen besteht, wird gegenwärtig genauer Prüfung unterzogen und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht bestätigt werden«, sagte Thöne.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte zu den Ermittlungen: »Die Tatsache aber, dass es bereits bestätigte Todesfälle in diesem Zusammenhang gibt, und es sogar noch weitere sein könnten, ist sehr tragisch und macht sehr betroffen.« Die Bundesländer seien aufgefordert, ausreichend qualifiziertes Personal für effektive Vor-Ort-Kontrollen in Lebensmittel-Betrieben bereitzustellen. Aktuell sei das augenscheinlich nicht der Fall.

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