»Regionale 2022« soll Einsatzmöglichkeiten autonom fahrender Busse und Bahnen prüfen
Vision vom Nahverkehr der Zukunft

Bielefeld/Paderborn/Gütersloh/Bad Oeynhausen (WB). Selbstfahrende Busse und Schienenfahrzeuge im öffentlichen Nahverkehr? Die »Regionale 2022« wird die Umsetzbarkeit in Ostwestfalen-Lippe prüfen. Vier Projektideen sind jetzt in Gütersloh vorgestellt worden.

Freitag, 05.07.2019, 12:49 Uhr aktualisiert: 05.07.2019, 15:44 Uhr
An der Entwicklung des autonom fahrenden Elektrobusses »Navya Arma« – hier in Bad Zwischenahn im Einsatz – war auch dSpace aus Paderborn beteiligt. Foto: dpa

Nach Angaben von Annette Noth­nagel, Managerin der in OWL unter dem Titel »Urban Land« laufenden Regionale, geht es dabei außer um autonomes Fahren etwa um eine regionale App, die alle Verkehrsträger digital verbindet, um eine bessere analoge Vernetzung der Transportsysteme, eine bedarfsgerechte Steuerung des öffentlichen Personennahverkehrs besonders im ländlichen Raum und um eine neue Berechnung der Ticketpreise, die sich an der Entfernung (Luftlinie) statt an Gebietsgrenzen orientiert.

Ohne Fahrer

Eines der Mobilitätsprojekte im Rahmen der Regionale, »Autöpia«, zielt darauf, dass künftig Busse im Raum Bad Oeynhausen, Löhne und Vlotho autonom verkehren können. Wenn es funktioniert, sollen sich die Fahrzeuge nicht nur ohne Fahrer, sondern auch statt auf festen Strecken in Korridoren bewegen.

Annette Nothnagel ist Managerin der Regionale.

Annette Nothnagel ist Managerin der Regionale.

Dies beinhaltet Nothnagel zufolge, dass sie am Ende der Reise Passagiere statt zu einer Bushaltestelle direkt nach Hause bringen. Projektpartner von »Autöpia« sind die MindenHerforder Verkehrsgesellschaft und die Universität Bielefeld.

Bei einem zweiten Projekt, »Future Rail«, geht es ebenfalls um autonom fahrende Verkehrsmittel, allerdings auf Schienen. Dazu ist geplant, im Kreis Gütersloh die frühere Verbindung der Teutoburger Waldeisenbahn (TWE) von Verl nach Hövelhof wiederzubeleben. Partner sind neben den betroffenen Kommunen und TWE die Fachhochschule Bielefeld und der Verkehrsverbund OWL.

Ebenfalls um autonomen Schienenverkehr geht es bei dem Projektvorschlag »AutoBahn« in Lippe. Im Blick ist die Bahnstrecke von Lemgo nach Rinteln. Träger des Projekts sind die Technischen Hochschule OWL und die Landeseisenbahn Lippe.

Bessere Anbindung des ländlichen Raums

Das vierte Projekt läuft unter dem Titel »LastMile«. Fahrerlose Kleinbusse sollen Passagiere auf dem Campus in Lemgo beispielsweise vom Parkhaus oder Bahnhaltepunkt direkt zum gewünschten Campusgebäude bringen. Federführend ist das Fraunhofer-Institut in Lemgo.

Was die Hardware betrifft, so gibt es längst selbstfahrende Elektro-Kleinbusse. Dazu zählen »Navya Arma«, ein Shuttlebus für 15 Personen; 50 wurden bereits von dem französischen Hersteller produziert. Aus Aachen kommt der Elektro-Kleinbus »Mover« der e-Go Mobile AG. In beiden Fällen war Software des Paderborner Unternehmens dSpace bei der Entwicklung im Einsatz.

Insgesamt wird derzeit im Rahmen des Aktionsfeldes »Neue Mobilität« der »Regionale 2022« an neun Projektideen gearbeitet. Generelles Ziel ist Nothnagel zufolge eine bessere Anbindung des ländlichen Raums an die Mittel- und Oberzentren. Dazu sollen die Verkehrträger von Bus und Bahn über Taxi bis E-Bikes, E-Scooter und Car-Sharing besser vernetzt werden. »Viele machen einen Umstieg auf den ÖPNV davon abhängig, ob er eine Verbindung von Tür zu Tür ermöglicht«, erklärt Nothnagel. Geplant ist eine App, mit deren Hilfe sich Bürger in OWL darüber informieren können, welches Verkehrsmittel sie gerade auf dem schnellsten und bequemsten Weg zum Ziel bringen kann.

Bei alledem sollen die Projektträger das Thema Finanzierbarkeit im Augen behalten. Bedarfsgerechte Steuerung kann Nothnagel zufolge bedeuten, dass große Busse durch kleinere Fahrzeuge ersetzt werden. Auch die Rolle von Anrufsammeltaxis könne steigen. Dazu sei die Einrichtung von Mobilitätszentren hilfreich, wo die Fahrgäste von einem auf einen anderen Verkehrträger wechseln können. Entsprechende Tests finden im Rahmen des Smart-City-Projekts in Lemgo statt.

C-Status

Bei alledem sei auch das Tarifsystem nicht tabu. Für einen Bewohner etwa in Werther sei es ärgerlich, dass ihn eine Fahrt teurer komme als einem Bielefelder, der in seinem Stadtgebiet unterwegs sei – bei gleicher Entfernung. Getestet werden soll ein System, das die Luftlinie misst und daraus den Ticketpreis errechnet.

Die meisten Projektideen haben aktuell den sogenannten C-Status. Das heißt: Sie haben nach einer ersten Prüfung das Potenzial, Projekte der »Regionale 2022« zu werden und in den Genuss von Fördermitteln des Landes NRW zu kommen. Für »Urban Land« sind insgesamt bis jetzt etwa 50 Millionen Euro zugesagt.

Das Gesamtvorhaben fußt auf drei Säulen. Neben »Neue Mobilität« sind das »Der neue Mittelstand« und »Das neue StadtLandQuartier«. Bis Herbst sollen die Antragsteller nun Fragen der weiteren Finanzierung und praktischen Umsetzung abklären, um dann den B-Status zu erhalten. Die Phase der Umsetzung wird mit dem A-Status erreicht.

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