Bahn-Sonderticket läuft nach 24 Jahren am 8. Juni aus
Kein schönes Wochenende mehr

Berlin (dpa). War das eine schöne Zeit: Zu fünft quer durch Deutschland, für nur 15 Mark! In Bummelzügen zwar, aber das Angebot war unschlagbar: 1995 führte die Deutsche Bahn das Wochenendticket ein. Kegelklubs, Studenten, Fußballfans, Junggesellenabschiede machten sich in Scharen auf – für drei Mark pro Nase.

Sonntag, 02.06.2019, 06:04 Uhr aktualisiert: 02.06.2019, 07:00 Uhr
Schöne-Wochenende-Tickets wird es an den Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn künftig nicht mehr geben. Zum 8. Juni werden sie fast ein Vierteljahrhundert nach ihrer Einführung abgeschafft. Lange waren sie vor allem für kleine Gruppen sehr attraktiv. Foto: dpa

Viele Millionen Menschen stiegen mit der Wochenend-Flatrate in die Bahn. Doch am nächsten Samstag, 8. Juni, ist Schluss. Zum letzten Mal werden die Automaten an Deutschlands Bahnhöfen das Stück Papier auswerfen, das heute viel teurer ist als zu Beginn.

Alternativen

Gegen Sparpreise und Super-Sparpreise der Deutschen Bahn war schon das Wochenendticket mit zuletzt 44 Euro für Alleinreisende recht teuer. Andere Karten bieten Ähnliches täglich: Das Länderticket innerhalb einzelner Bundesländer für 23 Euro und das bundesweite Quer-durchs-Land-Ticket für 44 Euro für Alleinreisende, plus 8 für jeden Mitfahrer. Das sind andere Dimensionen als die umgerechnet 7,67 Euro für fünf Leute, die das Wochenendticket zum Start kostete.

Es gibt weitere Nachteile: Das Quer-durchs-Land-Ticket gilt erst ab 9 Uhr statt ganztägig. Es wird es für Mitfahrer teurer. Außerdem können Busse und U-Bahnen nicht mehr mitgenutzt werden.

...

»Das Schöne-Wochenende-Ticket darf in den Ruhestand gehen«, heißt es bei der Bahn. »Mangels Nachfrage und zur Vereinfachung der Tarifstruktur.« Fahrgastvertreter sprechen von einer Zäsur. Denn die Geschichte des Tickets zeigt auch, wie sich die Zeit für die Bahn und ihre Kunden in 24 Jahren geändert hat.

In den 1990er Jahren hatte man gerade die Bundesbahn hinter sich gelassen. Die Behördenbahn sollte ein richtiges Unternehmen werden. Und sie machte ein Lockvogel-Angebot: Die 15-Mark-Flatrate brachte an den ersten Wochenenden Chaos. Züge waren hoffnungslos überfüllt, Reisende blieben am Bahnsteig zurück.

Wer gehört zu wem? Schaffner stiegen im Getümmel nicht mehr durch. In der Bahn ging es zu wie am Wühltisch im Schlussverkauf. Gewerkschaften polterten: »Tarifpolitischer Schwachsinn«.

Überfüllte Züge

Die Folge: Preisaufschläge und Beschränkungen des Tickets, zeitweise bei der Zahl der Reisenden, schließlich auf einen Tag. Überfüllte Züge gab es dennoch, die Bahn klagte über dreckige Wagen und Vandalismus, zuweilen musste der Grenzschutz Züge räumen.

Knapp sieben Millionen Karten wurden allein im Jahr 2000 verkauft. »Hat einer ein Wochenendticket?«, fragten fahrscheinlose Reisende in Abteilen. Man nahm einander mit, mancher gab das Ticket an der Endstation weiter.

Fernbusse oft billiger

Und heute? Wer viel Zeit hat und wenig Geld, der ist nicht mehr auf Bummelzüge angewiesen. Fernbusse sind oft billiger, wenn auch nicht schneller. Millionen Fahrgäste nutzen Mitfahrzentralen, die in den 1990ern noch mit Karteikästen arbeiteten. Heute formen sie mit Apps und Algorithmen viel mehr Fahrgemeinschaften. Billigflieger sind selbst auf Inlandsstrecken unterwegs.

Die Bahn hat Konkurrenz bekommen – und lockt doch selbst immer mehr Kunden. 2,6 Milliarden Reisende waren es 2018, rund eine Milliarde mehr als zu der Zeit, als sich die Manager das Wochenendticket ausdachten.

»Wir haben ein lachendes und ein weinendes Auge«, kommentiert Karl-Peter Naumann als Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn das Ende. »Das Wochenendticket war ein tolles Pauschalticket, aber je übersichtlicher die Angebote, desto besser.«

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