Chargeback: So können Fluggäste doch noch an ihr Geld kommen
Ticket mit Kreditkarte bezahlt: Germania-Kunden dürfen hoffen

Bielefeld/Münster (WB). Die Germania-Pleite vor wenigen Wochen war für viele ein Schock. Tausende Reisende, die ihr Flugticket direkt bei der Airline gekauft haben, bangen um ihr Geld. Doch es gibt Hoffnung – sofern sie per Kreditkarte bezahlt haben.

Freitag, 01.03.2019, 13:09 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 13:14 Uhr
DieGermania-Pleite vor wenigen Wochen war für viele ein Schock. Tausende Reisende, die ihr Flugticket direkt bei der Airline gekauft haben, bangen um ihr Geld. Foto: imago

»Falls man den Flug mit Kreditkarte gezahlt hat, kann man ein sogenanntes Chargeback-Verfahren auslösen. Das dient dazu, ungerechtfertigte Buchungen zurückzuholen«, erläutert Sabine Fischer-Volk, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Und sie betont: »Visa und Mastercard zählen ausdrücklich Insolvenzen dazu.« Betroffene Bürger sollten sich dafür an die Bank oder Sparkasse wenden, die die Kreditkarte ausgegeben hat. Dort erhält der Kunde ein Formular für das Chargeback.

Das Verfahren ist allerdings nicht ganz einfach, erfordert viel Geduld und ist auch nicht gerade transparent. Eine Garantie, dass der Ticketpreis am Ende tatsächlich erstattet wird, gibt keiner. »Wir sehen aber durchaus Chancen für eine Erstattung«, heißt es etwa bei der Volksbank Bielefeld-Gütersloh. Dort gebe es aktuell 25 Fälle, wie Sprecher Dennis Will auf Anfrage mitteilt. »Ergebnisse haben wir noch nicht – dies kann sich oft bis zu Monaten hinziehen.«

Belege einreichen

Der geschädigte Kunde muss zunächst einige Belege einreichen und nachweisen, dass er den Flug bezahlt hat, dass der gebuchte Flug storniert wurde (wegen der Insolvenz) und dass er sich nach der Stornierung beim Insolvenzverwalter der Airline (hier Germania) um eine Rückerstattung bemüht hat.

Dann wird der Fall geprüft. Christoph Kaleschke, Sprecher der Sparkasse Bielefeld, die ebenfalls »eine Reihe von Kundenanfragen« hatte, ist mit einer Einschätzung vorsichtig: »Derzeit lassen sich die Erfolgsaussichten aber nicht abschätzen.«

Die Kreditkartengesellschaften Visa und Mastercard sichern ihren Kunden allerdings besondere Rechte zu. So seien Kunden von Visa etwa »besonders gut« geschützt, »wenn etwa gebuchte Flugtickets nicht eingelöst werden können, weil eine Airline vor oder während des Urlaubs in die Insolvenz geht«, betont Natalie Buß, Sprecherin von Visa Deutschland. »Wird der Schaden von der Versicherung der Airline nicht getragen, kann er (der Kunde) diesen Anspruch gegenüber seiner kartenausgebenden Bank geltend machen«, bestätigt sie.

»Dann kommt es zu einer Einzelfallprüfung durch die Bank.« Das sähen die Visa-Regeln und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) der Banken so vor. Buß: »Die Rückbuchung erfolgt immer durch die kartenausgebende Bank und nicht durch Visa.«

Konkretere Aussagen gibt es aber nicht

Ähnlich verhält es sich bei Mastercard. Dort heißt es in den AGBs aus dem Englischen übersetzt: »Ein Grund für Chargeback ist, wenn eine Reiseleistung nicht erhalten wurde und entweder das Reisebüro oder das ausführende Unternehmen nicht länger im Geschäft ist.« Konkretere Aussagen sind auch auf Nachfrage nicht erhältlich.

Verbraucherschützerin Sabine Fischer-Volk macht Betroffenen gleichwohl Hoffnung. »Im Fall der Insolvenz von Air Berlin haben uns mehrere Kunden berichtet, bei denen das Chargeback geglückt ist.« Dafür mussten sie aber direkt bei der Airline gebucht haben. Dass Fluggäste später aus der Insolvenzmasse entschädigt werden, sei eher unwahrscheinlich, sagt die Rechtsreferentin weiter.

Und auch die Zahlungsmethode Paypal, über die viele Käufe im Internet abgewickelt werden, hätte im Fall der Germania-Pleite nicht geholfen. Fischer-Volk: »Germania hat keine Paypal-Zahlungen angenommen, so dass man den dortigen Käuferschutz auch nicht nutzen kann.«

Schwierigkeiten bei der Lastschrift

Wer sein Ticket über das Lastschriftverfahren bezahlt hat, dürfte ebenfalls Schwierigkeiten haben, sein Geld zurückzuerlangen. Grundsätzlich könne eine Lastschrift nur acht Wochen nach dem Zahlvorgang zurückgegeben werden, sagt Sparkassen-Sprecher Kaleschke.

Aber auch innerhalb der acht Wochen liegt der Fall nicht einfach und es könnte zum Streit mit dem Insolvenzverwalter kommen. Kaleschke: »Der Insolvenzverwalter wird sich darauf berufen, dass die Lastschrift zum Zeitpunkt der Zahlungsabwicklung rechtmäßig erfolgte. Eine Rückforderung dürfte er daher als unberechtigt einstufen.«

Die Folge für den Kunden sei: Er müsste den strittigen Betrag für das Ticket am Ende doch bezahlen und möglicherweise noch eine Gebühr obendrein. »Die Chancen, dass ein Kunde mit dieser Methode scheitert, ist relativ hoch«, meint Kaleschke.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6433146?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2509831%2F2198339%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker